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Guttation: Tropfen, die es in sich haben

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 Junge Maispflanzen sondern an den Blatträndern Wassertropfen ab. Besonders bei schwül-warmem Wetter nutzt die Pflanze diese Tropfen als Ersatz für Verdunstung 
 
 
 
In der Diskussion um die durch Beizmittel verursachten Bienenschäden stießen Wissenschaftler jetzt auf einen Aspekt, den noch niemand bedacht hat. Junge Pflanzen, die aus gebeiztem Saatgut wachsen, scheiden Wassertröpfchen aus, die das Gift mit sich führen.
 
Es gibt in der Pflanzenwelt ein Phänomen, das vielen nicht bekannt sein dürfte: die Guttation. Sie tritt nur in den frühen Morgenstunden erkennbar auf, besonders nach feuchtwarmen Nächten, und fällt oft mit der Taubildung zusammen. Obwohl die Tröpfchen an den Blatträndern aussehen wie Tautropfen, handelt es sich um Wasser, das von der Pflanze ausgeschieden wird. Unter bestimmten kli matischen Bedingungen sondern Pflanzen auf den Blättern und an den Blatträndern diese relativ großen Wassertropfen ab. Man unterscheidet zwei Formen der Guttation: die passive, bei der die Tröpfchen über spezielle Wasserdrüsen ausgeschieden werden, und die aktive Guttation, bei der die über die Spalt - öffnungen nach außen gelangen.
 
Bienen starben schnell
 
Versuche mit gebeizten Maispflanzen, die zeitgleich an den Universitäten Hohenheim und Padua durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass dieses Wasser auch Wirkstoffe enthalten kann, die sich ursprünglich als Beizmittel auf dem Saatgut befunden haben. In Padua wurden Versuche mit Imidacloprid, in Hohenheim mit Clothianidin und mit Methiocarb durch geführt. Bienen, denen man in Laborversuchen gesüßte Guttationstropfen anbot, wurden durch die hohen Wirkstoffkonzentrationen schnell getötet. Die ermittelten Imidacloprid-Konz - entrationen lagen bei den italienischen Versuchen im Bereich von 10 bis 100 mg/Liter, die Clothianidin-Konzentration in den Hohenheimer Tests bei über 1 mg/Liter. Im Gegensatz zu den beiden hochgradig bienengiftigen Neo - nicotinoiden erreichte Methiocarb, das der alten Wirkstoffgruppe der Carbamate angehört, nicht die Pflanzenoberfläche. Methiocarb wird im Beizmittel Mesurol seit Jahrzehnten gegen Vogelfraß im Maisanbau eingesetzt.
 
Bislang nicht bedachter Kontakt
 
Die Versuche haben gezeigt, dass man bei der Beurteilung von Pflanzenschutzmitteln mit einem neuen Weg rechnen muss, durch den ein Kontakt zwischen Biene und Gift entstehen könnte und der bisher nicht berücksichtigt worden ist. Vielleicht war dieser Weg vor der Einführung der wasserlöslichen, systemischen und hoch bienengiftigen Neonicotinide auch nicht bedeutsam. Man ist bisher davon ausgegangen, dass Beizmittel entweder im Boden oder innerhalb des Keimlings bleiben und dass deshalb nur Organismen, die am Saatgut knabbern oder in den Keimling beißen, mit den Substanzen in Berührung kommen. Nur weil man bisher für sicher hielt, dass Bienen mit den für sie giftigen Stoffen nicht in Berührung kommen, galt für Neonicotinoide die Einstufung B3. Als B3 werden Stoffe klassifiziert, die zwar für Bienen gefährlich sind, bei denen aber aufgrund der Anwendung kein Kontakt zu erwarten ist. Offensichtlich muss diese Sicht der Dinge jetzt überdacht werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass es einem eng begrenzten Teil der derzeit verwendeten Wirkstoffe gelingt, über das Guttationswasser die Pflanzenoberfläche zu erreichen.
 
 
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