Im dbj 01/2010 stellt unser Autor Erhard Maria Klein die Bienenkiste vor – ein neues Konzept, um mit verhältnismäßig geringen Kosten, wenig Fachwissen und Zeitaufwand selbst Bienen halten zu können und Honig für den Eigenbedarf zu ernten. Die Bienenkiste basiert auf dem Krainer Bauernstock.
 
 

Einfach imkern in der Bienenkiste
 
 
Bau der Bienenkiste
 
Die flache Holzkiste mit den Innenmaßen von 100 x 45 x 21 cm kann jeder einfach selbst bauen. Als Holz eignet sich Weymouthkiefer oder Fichte mit einer Brettstärke von rund 25 mm. Das Dach, die Seitenwände und das vordere Stirnbrett sind fest miteinander verbunden, während der mit Spannverschlüssen befestigte Boden und das rückseitige Stirnbrett abnehmbar sind.
 
 
Die Bienenkiste lässt sich einfach bauen 
Boden und Rückbrett sind abnehmbar
 
 
Innenausbau
 
Der Innenraum der Bienenkiste ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Die vorderen zwei Drittel stellen den Brutraum, das hintere Drittel den Honigraum dar. Die Anfangsstreifen für den Naturwabenbau im Brutraum und die Mittelwände für den Honigraum befestigen Sie an beweglichen Oberträgerleisten. Diese haben eine Länge von 628 mm beziehungsweise 338 mm. Nageln Sie die Leisten jeweils aus zwei Holzleisten mit einer Stärke von 16,5 x 10 mm zusammen. Fixieren Sie die Leisten anschließend in der Kiste innen am Deckel mit insgesamt drei Querstreben.
 
 
Zusammengenagelte Leisten an der Decke...
...für Anfangsstreifen und Mittelwände
 
 
Honigernte
 
Der Honig kann als Tropfhonig mit der „crush & strain“-Methode gewonnen werden. Aus zwei 25-Kilogramm-Honigeimern können Sie hierfür einen einfachen Filter bauen: In einen der Honigeimerdeckel schneiden Sie ein großes Loch, und in den Boden eines Eimers bohren Sie möglichst viele Löcher mit einem Durchmesser von ein bis zwei Zentimetern. Honigeimer, Loch-Deckel und Eimer mit Löcherboden werden übereinander gestapelt. In den oberen Eimer kommt noch ein Gittergewebe, zum Beispiel Fliegengitter.
Die geernteten Waben sammeln Sie in einem Honigeimer, hacken sie klein und kippen die Masse aus Honig und Wachs in den Filter. Bei einer Umgebungstemperatur von 24-26 °C sammelt sich der überwiegende Teil des Honigs innerhalb von 24 Stunden im unteren Eimer.
 
 
Für die Ernte zerkleinert man die Waben
 Der Honig wird durch eine Gaze gesiebt
 
 
Bauerneuerung
 
 
Im Brutraum baut der einlogierte Schwarm Naturwaben. Wenn nach einigen Jahren Betrieb die Bienen die Waben so häufig bebrütet haben, dass eine komplette Erneuerung des Wabenwerkes notwendig erscheint, fegen Sie das abgeschwärmte Muttervolk nach Auslaufen der Brut komplett ab und bilden einen Kunstschwarm. Anschließend können Sie die Brutwaben einfach an den Oberträgern entnehmen und die Bienenkiste mit frischen Anfangsstreifen ausstatten. Zum Schluss schlagen Sie den Kunstschwarm wieder in die Kiste ein. Erhard Maria Klein
 
 
Eine ausführliche Bau- und Betriebsanleitung finden Sie auf www.bienenkiste.de
 
 

Erhard Maria Klein lebt und imkert mitten in Hamburg-Altona. Er arbeitet überwiegend im kirchlichen und Nonprofit- Bereich und hat u.a. auch die Websites von Mellifera e.V. und von verschiedenen Imkervereinen und Imkereien realisiert.

Er ist seit sechs Jahren selbst Imker und hält seine Bienen unter wesensgemäßen Gesichtspunkten. Gemeinsam mit Thomas Radetzki von Mellifera e.V. hat er in den letzten vier Jahren die Bienenkiste – einen modifizierten Krainer Ba uernstock – entwickelt und erprobt.

Vor kurzem wurde er vom NA BU für sein Engagement für die Bienen und zum Erhalt der Artenvielfalt mit dem Hanse-Umweltpreis ausgezeichnet.