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2018 kein Wespenjahr der Superlative

31.08.2018

Wespe

Foto: Sabine Rübensaat

Wespen mögen Süßes: 2018 gibt es viele von ihnen - eine normale Entwicklung in heißen Sommern.

Wespen mögen den heißen Sommer und so vermehren sie sich gut. Sie sind jedoch weder aggressiver als in anderen Jahren, noch sollte man sie mit aller Kraft versuchen zu bekämpfen. Warum über Wespen sehr viele Halbwahrheiten verbreitet werden und wie man sie wirklich vom Kaffeetisch fernhält, erklärt der Biologe und Wespenexperte Rolf Witt anhand von fünf Fragen und Antworten.

1. Ist das Jahr 2018 auch aus Ihrer Sicht ein extremes Wespenjahr – wie es einige Medien behaupten? Gibt es mehr Wespen als in anderen Jahren?

Witt: Ja, es gibt 2018 viele soziale Faltenwespen, also viele von den Arten, die in Staaten leben und Nester bauen. Es sind allerdings nicht mehr als in anderen Jahren mit warmen Sommern mit wenig Regen.

2. Wenn ja, warum?

Witt: Dass es derzeit viele Wespen gibt, hängt davon ab, dass sich die Völker und auch die einzeln lebenden Wespen gut entwickeln konnten und das wiederum hängt mit dem Nahrungsangebot zusammen. So finden die Wespen viele andere Insekten als Nahrung für die Larven und können selbst an den vielen Früchten der Obstbäume naschen. Wespen kommen außerdem mit Hitze gut zurecht. Die Nester können sich bei den meisten Arten gut entwicklen und so gibt es vor allem von den Wespenarten, die sehr große Nester bauen, mehr. Wenn es eher nasskalt ist, haben es die Wespen bei der Wärmeregulation im Nest schwerer und müssen mehr Zeit dort verbringen statt Nahrung zu suchen. Aus diesem Grund und wenn es dann auch weniger Insekten insgesamt gibt, die sie als Futter für die Larven brauchen, entwicklen sich die Populationen langsamer.

3. Sind die Wespen in diesem Jahr aggressiver als in anderen Jahren?

Witt: Nein, das wird nur immer wieder angenommen, weil das Thema in den Medien so breit dargestellt ist – meiner Meinung nach, ein Sommerlochthema. Es gibt in diesem Jahr viele Wespen und wenn man das einerseits am Kaffeetisch direkt spürt und andererseits auch ständig hört und liest, führt diese Dauerpräsenz zu einem Gefühlt der Bedrohung. Ich nenne Wespen auch "die Tiger Deutschlands", denn fast jeder hat Angst vor ihnen. Da wir sie real erleben Tag für Tag - anders etwa als Wölfe beispielsweise – bekommen viele sofort Panik, wenn sie eine Wespe sehen. Diese Panik ist aber in den meisten Fällen unbegründet. Dennoch sollte man sehr aufmerksam sein, wenn man derzeit im Freien isst. 

4. Darf oder sollte man etwas gegen die Wespen unternehmen? Oder sollte man sie dagegen besonders schützen?

Witt: Soziale Faltenwespen stehen auf keiner Roten Liste, da sie nicht zu den bedrohten Arten gehören. Für Hornissen gilt jedoch die Bundesartenschutzverordnung. Beide sind zudem durch den Absatz im Artenschutzrecht geschützt, der besagt, dass man kein Tier böswillig töten darf. Da gilt aber auch für jede Mücke. So braucht man bei den Wespen – mit Ausnahme der Hornissen – keine Genehmigung, wenn man ein Nest entfernen und die Wespen töten will oder wenn man das einen Schädlingsbekämpfer machen lässt. In vielen Bundesländern gibt es mittlerweile viele Wespenberater, die man als erstes kontaktieren sollte, wenn man ein Nest am Haus oder im Garten hat, das Probleme bereitet. Den Kontakt zu den Beratern bekommt man meist über die Unteren Naturschutzbehörden. In den letzten Jahren steigt die Zahl der Wespenberater und sie können einiges dazu beitragen, dass Wespen nicht grundlos getötet werden. Sie siedeln sie um. Das ist zwar je nach Art nicht immer ganz einfach, aber es lohnt sich, denn Wespen übernehmen wichtige Aufgaben in der Natur, etwa wenn sie andere Insekten fressen – teilweise auch Aas – und damit die Kreisläufe aufrecht erhalten. Außerdem sollte ihre Bestäubungsleistung nicht unterschätzt werden. Wichtig wäre es insgesamt, dass sich mehr Menschen damit beschäftigen, dass es unterschiedliche welcheArten gibt und dass die meisten sehr harmlos sind und gar nicht an den Kaffeetisch kommen. Bei uns sind es vor allem zwei Arten, die uns umgeben: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe.

5. Wie kann man damit umgehen, wenn die Anzahl der Wespen auf dem eigenen Grundstück sehr stark wächst? Haben Sie Tipps?

Witt: Grundnsätzlich sind Grundstücke nicht wespenfrei zu bekommen. Nestattrappen sind totaler Quatsch genauso wie Fallen mit zuckerhaltigen Stoffen, Säften oder andern süßen Sachen. Sie locken meistens nur noch mehr Wespen an. Anders sieht es unter Umständen mit einer Ablenkungsfütterung aus. Wenn man etwas abseits, etwa fünf bis zehn Meter entfernt, des Kaffeetischs eine Futterschale für Wespen aufstellt, bringt das einen Effekt, wenn schon sehr viele Wespen da sind. Zur Vorbeugung sollte man dies aber nicht nutzen, denn es lockt eben auch Wespen an, die vielleicht noch gar nicht an der Kaffeetafel interessiert waren. Helfen könne Insektenschutzgitter an den Fenstern und Türen und wenn man den Wespen dort, wo man sie auf keinen Fall haben will, keine Nistmöglichkeiten bietet. Richtige wespendicht wird man aber kein Haus bekommen und auch besondere Pflanzen, die Insekten verscheuchen sollen, wirken nicht gegen Wespen.

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