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Bio auf Erden: Ein Besuch im Kloster

27.06.2017

Kloster Plankstetten

Fotos: Sebastian Spiewok

Frater Richard zeigt einer Besuchergruppe die Viehhaltung. Die Kühe werden an Sommertagen auf die Weide geführt. In der Mutterkuhhaltung bleiben die Kälber acht Monate lang bei ihren Müttern. Die Ochsen bekommen viel Zeit zum Wachsen; geschlachtet werden sie erst nach rund 25 Monaten statt den oft üblichen 18 Monaten.

Rückblick auf das Jahr 2009: Redakteur Dr. Sebastian Spiewok besuchte die Benediktinerabtei Plankstetten in der Oberpfalz und kostete seine erste Mahlzeit, die vollständig aus regionalen Bioprodukten bestand.

Im Sommer 2009 – ich arbeitete noch kein volles Jahr in der Redaktion des dbj – war ich reif fürs Kloster. Für zwei Tage und eine Nacht besuchte ich die Benediktinerabtei Plankstetten in der Oberpfalz.

Von diesem Aufenthalt blieb vor allem eine Kopie des Abendessens mit den damals 18 Brüdern in der Videothek meines Kopfkinos zurück: Für jedes gemeinschaftliche Essen wird ein Bruder zum Vorlesen verdonnert, die übrigen Mitbrüder dürfen sich essend im Schweigen üben. Während ich die schmackhaften Speisen aus dem Garten und vom Landgut des Klosters sowie das leckere Klosterbier langsam genoss, schlangen die Mönche um mich herum das Essen in rasantem Tempo herunter. Später darauf angesprochen räumte Frater Andreas ein: "Das ist eine schlechte Angewohnheit von uns." Aber für die Mönche war das gute Essen bereits alltäglich.

Für mich war es hingegen die erste Mahlzeit, die vollständig aus regionalen Bioprodukten bestand – das eine oder andere Essen in Kindheitstagen bei meiner lieben Oma sei hier einmal ausgenommen.

Bio als Möglichkeit zur finanziellen Sanierung

Biolandwirtschaft war zu jener Zeit nichts mehr Neues, aber sie war in der breiten Öffentlichkeit noch nicht sonderlich präsent. Bei mir im Viertel gab es zwar einen recht teuren Biosupermarkt, aber der schloss damals alle paar Monate wieder, um kurz darauf unter neuem Namen wieder zu eröffnen. Vom heutigen Angebot war man noch weit entfernt.

Das Kloster Plankstetten führte damals wie heute einen eher unüblichen Mischbetrieb aus Ackerwirtschaft, Viehhaltung und Imkerei. Mein ursprüngliches Ziel, eine Klosterimkerei vorzustellen, war bereits vor Antritt der Reise in den Hintergrund gerückt, denn die Imkerei war eher klein und unscheinbar. Stattdessen hatte die Umstellung der Klosterbetriebe auf biologische Landwirtschaft mein Interesse geweckt.

Dahinter stand für die Mönche zum einen die Notwendigkeit zur Sanierung der eigenen Finanzen: Die Betriebe waren unrentabel und standen Ende der 1980er-Jahre kurz davor, verpachtet zu werden. Die höheren Verkaufspreise der Bioprodukte verbesserten jedoch die Bilanzen, und das Kloster musste sich nicht von seiner traditionellen Landwirtschaft trennen.

Gleichzeitig entstanden durch die Bildung eines regionalen Netzwerkes zahlreiche neue Arbeitsplätze. Das Kloster war – und ist – somit ein gutes Beispiel für den wirtschaftlichen Erfolg einer ökologischen Landwirtschaft. Zum anderen sahen die Mönche in der Biolandwirtschaft aber auch den Weg eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Schöpfung."

Lebensmittel der Discountern sind zu billig

"Auch wer nicht religiös ist, mag diese Reflexion aufgreifen. Welches Verständnis von Leben, Umwelt und Verantwortung spiegelt das Ausbringen gefährlicher Pestizide oder das Schreddern Tausender Küken wider? Und wie sieht es bei den Konsumenten aus, die solche Produkte kaufen? Das wird immer wieder gerne ausgeblendet – doch es reicht nicht, nach Pestizidverboten zu rufen, gleichzeitig aber die Verantwortung für die Macht zu negieren, die Konsumenten mit ihrer Kaufentscheidung haben.

So monierte auch Frater Andreas damals schon: "Bioprodukte sind nicht zu teuer, sondern die Lebensmittel in den Discountern sind zu billig. 1950 gab ein deutscher Haushalt im Schnitt noch 40 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel aus. Heute sind es nur noch zwölf Prozent. Das Geld wird lieber in Autos und ähnliche Objekte gesteckt. In manch anderen Ländern wird hingegen ein nicht so teures Auto gefahren, dafür aber auf die Qualität der Lebensmittel als Lebensqualität geachtet."

Der Beitrag erschien im dbj 12/2009. Die Benediktinerabtei Plankstetten in der Oberpfalz hat eine eigene Internetpräsenz unter und stellt dort die einzelnen Betriebe sowie das Gesamtkonzept des Klosters bezüglich seiner ökologischen Landwirtschaft vor.

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