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Rückblick auf das Thema Gentechnik

26.01.2017

Feldbefreiung

Feldbefreiung: Im Jahr 2006 war der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland im zweiten Jahr erlaubt und es gab Protest.

"Was wir nicht wollen, ist Honig mit GVO- Pollen"


In unserer Reihe "Rückblick auf 25 Jahre Deutsches Bienen-Journal" stellen wir Ihnen Beiträge aus dem vergangenen Vierteljahrhundert vor. In ersten Beitrag geht der Blick zurück in den September 2006. Damals war das Thema Gentechnik besonders aktuell.

Der kommerzielle Anbau war erlaubt, obwohl wesentliche Fragen für die Imker ungeklärt waren: Ist mein Honig noch verkehrsfähig, wenn er veränderten Pollen enthält? Bekomme ich Entschädigung? Die Imker setzten sich ganz unterschiedlich damit auseinander. Hier ein Beispiel. 

Ungehorsame Imker

Manche Reportagen bleiben auch für die Autoren deutlicher im Gedächtnis als andere. Zum Besipiel 2006: Damals war der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland im zweiten Jahr erlaubt. 946 Hektar, bepflanzt mit der Maissorte MON 810, waren bundesweit in das Standortregister eingetragen. Der Widerstand dagegen blühte allerdings noch prächtiger als die Maispflanzen der Firma Monsanto, und die Imker waren mittendrin.

(Foto: Chefredakteurin Silke Beckedorf ist seit Anfang 2002 beim dbj)

Ende Juli 2006 fuhr ich mit dem Motorrad zur Reportage nach Badingen bei Zehdenick, einem 700-Seelen-Dorf rund 50 km nördlich von Berlin gelegen. Dort sollte eine sogenannte Feldbefreiung stattfinden, das heißt Aktivisten wollten die gentechnisch veränderten Pflanzen ausreißen, die dort auf einem Acker wuchsen. Auch zahlreiche Imker waren zu der Aktion angemeldet. Michael Grolm, ein Berufsimker aus Thüringen, zählte zu den Mitbegründern der Initiative.

Bei der Anreise wurde schnell klar, dass man dort gar nicht so einfach hinkommt. Zuerst einmal waren die brandenburgischen Straßenverkehrsbehörden ihrem Ruf gerecht geworden, verwirrende Umleitungen einzurichten. Fahrer werden dort gern im Kreis herumgeführt und landen nach langer Fahrt schließlich wieder an ihrem Ausgangspunkt. Nachdem mir das passiert war und ich die Baustelle schließlich einfach durchfahren hatte, wurde das Durchkommen vor dem Ortseingang Badingen noch schwieriger: Die Polizei hatte die Zugangsstraße zum Dorf gesperrt. Es ging nur mit dem Presseausweis weiter.

Maispflanzen niedergetrampelt

In dem kleinen Ort mit seinen roten Backsteinhäusern herrschte eine angespannte Atmosphäre. Die Bewohner hatten sich in den Häusern verschanzt und spähten durch die Gardinen. Am Himmel ratterten Polizeihubschrauber, am Straßenrand parkte ein Tankfahrzeug, genannt Wasserwerfer. Polizisten zu Pferd beobachteten neben ihren Kollegen von der Hundestaffel die bisher nur friedlich durchs Dorf ziehenden Demonstranten und warteten auf den Beginn der Aktion.

Schließlich liefen rund 80 Gentechnikgegner an den Polizeisperren vorbei, trampelten die Maispflanzen nieder oder rissen sie aus, darunter auch Michael Grolm. Für die vier Aktionen, bei denen er Maisfelder beschädigte, ging Grolm später sogar unter großem Presserummel ins Gefängnis. Die Aktionen waren damals stark umstritten, schafften es aber spielend, Medien und Öffentlichkeit auf den kommerziellen Anbau aufmerksam zu machen.

Diese kurze Hochphase des kommerziellen Anbaus erfolgte unter Horst Seehofer als Bundeslandwirtschaftsminister. Wohl auch als Reaktion auf den Widerstand in der Bevölkerung untersagte das Bundesamt für Verbraucherschutz im April 2007 zeitweilig den Vetrieb. Seehofers Amtsnachfolgerin Ilse Aigner war es, die MON 810 schließlich im Jahr 2009 mit der Begründung verbot, Umweltgefahren seien nicht hinreichend sicher auszuschließen.

Nicht nur Aktivisten der Ökoszene

Unter den Demonstranten in Badingen befanden sich jedoch nicht nur Aktivisten der Ökoszene, sondern auch normale Imker. Mit dabei war Ekkehard Nepf, ein damals 67-jähriger Freizeitimker aus Eutin. Der ehemalige Sparkassendirektor beteiligte sich nicht am Ausreißen der Maispflanzen, demonstrierte jedoch im Dorf und campte mit den Aktivisten.

Er erzählte von einem Gespräch, das er vor der Abreise mit seiner Tochter geführt hatte. Sie habe die Demophase schon hinter sich, habe diese gesagt, und wundere sich, dass ihr Vater im Rentenalter damit anfange. "Jeder zu seiner Zeit", erklärte Nepf gutgelaunt und trug sein Plakat mit der Aufschrift "Was wir nicht wollen, ist Honig mit GVO- Pollen" vor den laufenden Kameras der Journalisten durch den Ort.

Wir berichteten in Heft 9/2006 unter dem Titel "Ungehorsame Imker" über die Aktion. Die Reportage war eingebettet in eine Reihe von Artikel, in denen die Auswirkungen des Anbaus auf die Imkerei beleuchtet wurden.

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