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Rückblick: Besuch beim Hausboot-Imker

27.08.2017

Beuten mit Solarpanelen

Fotos: Sebastian Spiewok

Einige Bienenvölker von Frank George stehen auf dem Dach seines Hausbootes. Sie sind mit Solarpanelen bedeckt.

Lindenalleen, Robinien und viele Gärten mit Obstbäumen: Dass die Gegend um Berlin reichlich Nahrung für Bienen bietet, erlebte Malte Frerick im Jahr 2014 bei der Fahrt zu einem ganz besonderen Imker. Seine Bienen nutzen die Tracht vom Boot aus.

2014 kam ich für mein Volontariat beim Bienen-Journal aus dem tiefen Westen der Republik nach Berlin. Im Spätsommer erschien in einer Berliner Tageszeitung ein Bericht über einen Imker, der seine Bienen auf das Dach eines Hausbootes gestellt hatte. Für uns war klar: "Den müssen wir kennenlernen." Gesagt, getan – mein Kollege Sebastian Spiewok und ich machten sich auf den Weg nach Werder, einem kleinen Städtchen an der Havel, unweit von Potsdam. Bis dato hatte ich viel Zeit damit verbracht, Berlin zu erkunden, aber vom Umland fast nichts mitbekommen.

Schon auf dem Hinweg fiel mir auf, dass die Gegend um Berlin kein schlechter Ort für Imker sein müsse. An den Straßenrändern reihten sich lange Lindenalleen, und in den Wäldchen sah man große Gruppen von Robinien stehen. In den kleinen Örtchen, die wir durchfuhren, standen noch viele Obstbäume in den Vorgärten. Bei uns in Westdeutschland hatte man die Bäume seit den 1980er-Jahren vermehrt für Gärten im Stile einer Friedhofsbepflanzung geopfert. Hier aber waren viele alte Gärten noch erhalten – sei es aus Gründen der Not in unsicheren Zeiten oder aus Überzeugung. 

Trogbeuten mit Solarpanels bestückt

Frank George und seine Frau erwarteten uns in ihrem Garten, als wir in Werder eintrafen. Hinter Schilf und einer Baumreihe aus Erlen und Weiden konnte man bereits das rote Hausboot entdecken, das wir aus der Zeitung kannten. Und wie wir staunten, als wir durch das Boot geführt wurden! Schlafzimmer, Bad, Wohnküche und sogar ein Schleuderraum – alles da. Der Höhepunkt waren die Bienenvölker auf dem Dach, 40 an der Zahl. Frank George hatte die Trogbeuten mit Solarpanels bestückt, sodass er alle technischen Geräte an Bord mit Strom versorgen konnte. Neben der Schleuder war dies auch ein Lastenaufzug, mit dem er den Honig in den Schleuderraum befördern konnte.

Trotz aller Urlaubsstimmung, die das in schwedischen Farben bemalte Hausboot in uns hervorrief, sahen wir auch, dass der Kahn die Georges viel Arbeit gekostet haben musste. Für Frank George war das nicht der Rede wert. "Wir Ossis", sagte er dann, "haben doch alles selber gemacht." Für einen "Wessi" wie mich war das aber allerhand. In Westdeutschland spukte lange das Bild einer ostdeutschen Tristesse in den Köpfen der Menschen. Übersehen wurde dabei oft, dass hier viele Menschen für die Verwirklichung ihrer Pläne und Träume große Kraftanstrengungen unternommen haben.

So musste der junge Familienvater Frank George Anfang der 1990er-Jahre per Fernstudium vom Ingenieur zum Steuerberater umschulen, weil sich in seinem alten Beruf keine Perspektiven boten. Jetzt stand er mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht auf seinem Hausboot und erzählte von den ausgedehnten Fahrten, die er im Sommer mit seinen Bootsbienen unternimmt.

Der Traum eines Imkers

In meinen Gedanken saß ich da schon längst selbst auf seiner Bootsveranda. Bei einem Gläschen Wein schaute ich an einem lauen Sommermonat in die Luft und konnte dabei den letzten heimkehrenden Bienen einen guten Abend wünschen. In der kommenden Nacht, so hatte ich mir vorgenommen, würde ich die Robinienwäldchen ansteuern, die ich am Glindower See entdeckt hatte. Doch war das nicht alles nur ein Traum? Frank George hat sich ihn erfüllt.

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