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Einfüttern: So vermeidet man typische Fehler

16.08.2016

Einfüttern mit Flüssigfutter

Fotos: Sabine Rübensaat

Einfüttern mit Flüssigster: Die beste Wahl für den Winter.

Fünf Fragen an Dr. Jens Radtke, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

1. Warum müssen Bienen teilweise schon sehr früh im Jahr gefüttert werden?

Radtke: Im Hoch- und Spätsommer ist es besonders wichtig, dass die Bienen ständig Nahrung finden. Wenn schon nicht außerhalb der Beute, dann wenigstens im Futtertrog. Denn nur wenn Nahrung in Hülle und Fülle zur Verfügung steht, pflegen die Bienen ihren Nachwuchs eifrig und das Bienenvolk wird mit vielen jungen, vitalen Bienen und ausreichend Nahrungsvorrat den nächsten Winter gut überstehen. Optimal sind entsprechend späte Trachtquellen, die bis in den August reichen. Doch meist enden die Massentrachten deutlich früher. Dann ist es sinnvoll, frühzeitig mit der (Reiz-)Fütterung zu beginnen. Zwar kann der Imker nur zuckerhaltige Nahrung zur Verfügung stellen. Die entsprechende Brutaufzucht regt aber die Bienen an, intensiv nach Pollen zu suchen und die verfügbaren Ressourcen besser zu nutzen.(Foto: Bienen fressen Futterteig)

2. Was ist das optimale Futter zur Einfütterung für den Winter - fest oder flüssig, Stärkesirup oder Zuckerlösung, selbst angerührt oder fertig gekauft?


Radtke: Während für die Reizfütterung Futterteig bevorzugt wird, weil er einen kontinuierlichen Futterstrom ermöglicht, ohne größere Aufregung zu provozieren, hat sich für die Wintereinfütterung die Flüssigfütterung bewährt. Flüssigfutter wird von einem weiselrichtigen Volk binnen kurzer Zeit sicher aufgenommen und lässt so zwischen Honigernte und Wintereinfütterung in aller Regel ausreichend Zeit für eine effektive Varroa-Behandlung. Weniger Arbeitsaufwand als beim Anrühren einer Zuckerlösung hat man mit handelsüblichen Zuckerlösungen. Auch ist die Räubereigefahr und damit die Aufregung am Bienenstand geringer, was gerade für Imker in Wohngegenden vorteilhaft ist. Zuckersirup auf der Basis von Rübenzucker hat sich bestens bewährt. Auch wenn es bisher keine Nachweise für eine schlechtere Überwinterung auf Stärkesirup gibt, lässt sich das für Winter, in denen die Bienen bereits durch andere Faktoren stärker belastet sind, nicht völlig ausschließen.

(Foto: Futter selbst anzurühren, spart Geld. Es birgt aber auch Gefahren durch Räuberei.)

3. Ist ein später Honigeintrag wirklich schlecht für die Überwinterung?

Radtke: Späte Trachten sind nicht generell nachteilig - denken wir hier nur an die Heide, die bis Mitte September genutzt wird. Problematisch werden größere Mengen Blatthonig, die in nördlichen und mittleren Lagen selten und damit meist unerwartet oder gar unbemerkt erst nach der Linde anfallen. Dieser mineralstoffreiche Honig führt in langen Wintern ohne wiederholte Ausflugmöglichkeit zu einer starken Belastung der Kotblase und zu Darmerkrankungen. Ist die Trachtnutzung nicht allzu üppig und erfolgt die Einfütterung nicht zu früh, werden die Bienen im Winter kaum an diesen Honig gelangen. Größere Mengen sollten jedoch noch vor der Einfütterung abgeerntet werden. Blütenhonige sind diesbezüglich unproblematisch. Allerdings können späte Trachten aus Winterzwischenfrüchten oder vom Efeu bei warmer Witterung zu einem unkontrollierbar starken Nahrungseintrag führen, so das die Bienen keine Winterkugel bilden können. Mit einer Stockwaage behält der Imker auf jeden Fall den Überblick. Das größere Problem ist jedoch, dass manch ein Imker noch auf einen Honigertrag hofft und dabei die Varroa-Bekämpfung vernachlässigt.

4. Wie viel sollte man füttern?

Radtke: Aufgrund der wieder ausufernden Beuten- und Rähmchenvielfalt in Deutschland sind allgemeingültige Angaben zur Futtermenge schwierig. Jungvölker auf zehn bis elf Waben Deutsch-Normalmaß haben bei mir zu Beginn der Einfütterung gut fünf Kilogramm Vorrat und bekommen ab ca. 20. August 15 Kilogramm Fertigfutterlösung. Zweizargige Magazine erhalten bei acht bis zehn Kilogramm Vorrat zwanzig Kilogramm Fertigfutterlösung - sowohl in Deutsch-Normalmaß als auch in Langstroth 2/3. Mittels einer Stockwaage lässt sich das Gewicht vor der Einfütterung mit jenem nach der Einfütterung und dieses wiederum mit verschiedenen Phasen im Frühjahr vergleichen. So erlangt auch ein Einsteiger über mehrere Jahre ausreichend Sicherheit. Später hilft die Stockwaage bei der Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt der Erweiterung oder der Honigernte.

(Foto: Beim Einfüttern mit Flüssigfutter kommt es auf die vorhandenen Vorräte im Bienenvolk an.)


5. Welche typischen Fehler werden beim Einfüttern immer wieder gemacht?

Radtke: Häufig wird zu früh oder zu spät eingefüttert. In nördlichen und mittleren Lagen ist der Zeitraum Mitte August bis Mitte September optimal. Wer vorher zuviel Futter gibt, schränkt den Platz für die Aufzucht von Winterbienen ein. Das schließt aber nicht aus, dass ein Bienenvolk ständig fünf bis zehn Kilo Vorrat haben muss. Wer zu scharf abgeerntet hat, muss natürlich die Futtervorräte entsprechend auffüllen. Ab Mitte September wird es häufig schon kühl. Die Bienen ziehen sich dann zusammen und nehmen das Futter nicht mehr so gut auf. Zudem werden die Winterbienen unnötig belastet, wenn sie das Futter einlagern. Ein häufig zu beobachtender Fehler ist auch, dass zu wenig eingefüttert wird. Im Frühjahr überschlagen sich dann die "gutgemeinten" aber wenig sinnvollen Ratschläge, wie hungernden Völkern zu helfen ist. Nein, ein Bienenvolk darf niemals hungern, es muss immer aus den Vollen schöpfen können. Deshalb lieber etwas mehr einfüttern, als zu wenig. Schließlich ist jeder Winter und vor allem jedes Frühjahr anders. Lieber entnehme ich bei der Freigabe des Honigraumes überschüssige Futterwaben für die spätere Ablegerbildung, als die Bienen während des Starts in das neue Jahr in Schwierigkeiten zu bringen.

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