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Glyphosat: D.I.B. will Verbot für blühende Beikräuter

10.10.2016

Kornblume im Feld

Foto: Sabine Rübensaat

Wenn Kornblumen blühen, fliegen die Bienen sie gerne an. Doch wenn die Felder mit Glyphosat besprüht sind, bekommen die Bienen auch das Pflanzenschutzmittel ab.

Einzelne Honiganalysen mit hohen Glyphosat-Werten haben in diesem Sommer für Diskussionen gesorgt. Der Deutsche Imkerbund (D.I.B.) nimmt nun nochmals Stellung dazu und fordert Lösungen von der Politik.

Großen Aufruhr gab es im Juni, als bekannt wurde, dass eine Honigprobe aus dem Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg den geltenden Grenzwert für das Pflanzenschutzmittel Glyphosat von 0,05 mg pro Kilo um mehr als das hundertfache überschritten hatte. Das werten einige Medienvertreter als Warnhinweis vor Honig allgemein und so geriet dieser in Verruf, grundsätzlich belastet zu sein.

Mittlerweile ist die Panik wieder abgeflaut, denn es ist klar geworden, dass es sich bei der Honigprobe nur um einen Einzelfall handelte – auch wenn dieser besorgniserregende Werte aufwies. Der zuständige Amtstierarzt hatte dem betreffenden Imker einen Wert von 5,11 mg Glyphosat in seinem Kornblumenhonig bescheinigt.

Bienen sammeln an Glyphosat-belasteten Kornblumen

Der D.I.B. nimmt den Fall nun nochmals zum Anlass, seine Position gegenüber dem umstrittenen Pflanzenschutzmittel klarzumachen und zu zeigen, wie es bei dem Thema weitergehen sollte.

Ende Juni hatte die EU-Kommission entschieden, die Genehmigung des Wirkstoffes Glyphosat für 18 Monate befristet zu verlängern; am 1. August hat die zudem die Zulassungsbedingungen eingeschränkt

Derzeit ist Glyphosat als sogenanntes B4-Mittel als bienenungefährlich eingestuft. Es ist den Landwirten in Deutschland im Normalfall nicht erlaubt, Glyphosat als Erntehilfsmittel zur Beschleunigung der Abreife auszubringen – die sogenannte Sikkation.

Bei der Sikkation wird der Wirkstoff kurz vor der Ernte auf die Pflanze gesprüht, so dass diese vertrocknet und leichter geerntet werden kann. Damit werden jedoch auch alle Pflanzen, die zwischen dem Erntegut blühen, mit Glyphosat besprüht –beispielsweise Kornblumen.

Die meisten Landwirte sind laut D.I.B. dafür sensibilisiert, dass das Spritzen in eine vorhandene Trachtquelle problematisch ist. Zudem werde das Pflanzenschutzmittel üblicherweise vor der Aussaat auf die Felder ausgebracht, um zwar das Unkraut, nicht aber die jungen Kulturpflanzen wie Mais oder Raps abzutöten. "Das heißt, die Möglichkeit des Eintrags von Glyphosat im Honig ist bei dem üblichen in der Landwirtschaft praktizierten Einsatz sehr gering", teilt der Imkerbund mit.

Glyphosat: Rückstandshöchstwert für Honig nötig

Doch er macht auch grundsätzlich klar, dass die bestehenden Regeln hinterfragt werden sollten. Denn derzeit gibt es keinen spezifischen Rückstandshöchstgehalt für Honig, sondern es gilt der allgemeine Wert von 0,05 mg/kg, der auch bei der Untersuchung des schlagzeilenträchtigen, brandenburgischen Honigs angewendet wurde. Gäbe es jedoch einen spezifischen Rückstandshöchstwert für Honig, würde dieser laut dem D.I.B. mit größter Wahrscheinlichkeit wesentlich höher liegen und der Honig wäre nicht als unbedenklich eingestuft.

Nachdem der Fall aus Brandenburg durch die Presse ging, ließ der D.I.B. 60 Sommerhonige aus dem Erntejahr 2015 auf Glyphosat untersuchen. Das Ergebnis: In neun Honigen konnte Glyphosat nachgewiesen werden, drei Honige wiesen erhöhte Werte auf.

Zwar waren die Untersuchungsergebnisse nicht repräsentativ, da gezielt Honige ausgesucht wurden bei denen das Risiko hoch war, Rückstände zu finden. Trotzdem nimmt der Imkerbund sie zum Anlass, von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbands Joachim Rukwied zu fordern, dass diese sich um eine Lösung der Problematik kümmern. In einem gemeinsamen Schreiben empfehlen sie, die bestehende "Empfehlung der Nichtanwendung von Glyphosatausbringung bei blühenden Beikräutern" durch ein Verbot der Ausbringung zu ersetzen.

Sowohl in dem Honig mit dem hundertfach überschrittenen Höchstwert als auch bei den Honigen der D.I.B.-Untersuchung wurde Sommerhonig mit einem hohen Anteil von Kornblumennektar untersucht. Glyphosat wurde hier sehr wahrscheinlich doch zur Sikkation eingesetzt.

Glyphosat verschlechtert Nahrungsbedingungen

Neben der Rückstandsproblematik von Glyphosat im Honig hält der Imkerbund auch die verlängerte Zulassung für bedenklich. Ihm gehen die Einschränkungen nicht weit genug. Denn der Einsatz von Glyphosat verschlechtere eindeutig die Nahrungsbedingungen für Bienen und alle blütenbesuchende Insekten. Wichtiges Ackerbegleitgrün und damit Nahrungsquellen würden durch das Pflanzenschutzmittel vernichtet werden. So setzt sich der D.I.B. weiterhin für ein Verbot von Glyphosat ein.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das in Deutschland für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständig ist, hat einen Fragen-und-Antworten-Katalog zur Verlängerung von Glyphosat erstellt, der unter bvl.bund.de zu finden ist.>>>

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