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Honiguntersuchung von Ökotest hinterfragt

03.11.2016

Honig

Foto: Sabine Rübensaat

Ökotest hat Honig getestet und kritisiert u.a. Rückstände von Pestiziden.

Ökotest hat zwanzig Honige untersucht und in einigen davon Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Varroa-Behandlungsmittel und Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen gefunden. Der Honigexperte Werner von der Ohe bewertet die Testergebnisse.

Die Prüfer von Ökotest haben zwanzig Honige aus aller Welt, die in Deutschland im Handel erhältlich sind, genauestens unter die Lupe genommen. Mit dabei waren sowohl Blüten-, Akazien-, Raps- und Kornblumenhonig als auch Manukahonig aus Neuseeland. Das Testergebnis fällt alles andere als gut aus, denn von den zwanzig Honigen wollen die Tester nur acht empfehlen, sieben werten sie komplett als "durchgefallen". Vor allem Bio-Honige schneiden laut Ökotest in der Untersuchung schlecht ab, denn bei ihnen wurden strengere Prüfkriterien angesetzt.

Nur zwei Honige aus Deutschland untersucht

Probleme sieht Ökotest vor allem darin, dass in sechs Honigen Rückstände der Pflanzenschutzmittel Thiacloprid, Acetamiprid und Glyphosat gefunden wurden. In acht Honigen wiesen sie Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen nach. Fündig wurden sie zudem bei Rückständen von Varroa-Behandlungsmitteln und den sogenannten Pyrrolizidinalkaloide, die die Bienen meist an den Blüten von Jakobskreuzkraut und Natternkopf sammeln.

Schaut man sich die Prüfkriterien allerdings genau an, so gerät Honig durch die Untersuchung teilweise zu Unrecht in ein sehr schlechtes Licht. Bei den Proben waren nur zwei Honige aus Deutschland dabei. Werner von der Ohe, Leiter des Instituts für Bienenkunde in Celle bewertete die Testergebnisse von Ökotest für das Deutsche Bienen-Journal und sagt zu den strengen Testkriterien: "Wurde in einem Honig etwas von den oben genannten Substanzen gefunden, führte dies auch bei nicht Überschreitung von Höchstmengen zu Abzügen bei der Bewertung."

Dazu kommt, dass alle getesteten Honige die Vorgaben der Honigverordnung entsprechen: Invertaseaktivität und HMF-Wert sind im grünen Bereich, Verfälschungen durch Zucker wurden nicht gefunden und auch die Pollenanalysen ergaben, dass die botanische und geografische Herkunft korrekt angegeben war.

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln überraschen nicht

Die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln bewertet von der Ohe wie folgt: "In allen getesteten Rapshonigen und in Robinienhonigen wurde Thiacloprid nachgewiesen, in zwei davon außerdem Acetamiprid. Dies verwundert nicht. Seit Jahren ist bekannt, dass in der Rapsblüte diese beiden Wirkstoffe sowie einige Fungizide eingesetzt werden." Präparate mit diesen Wirkstoffen haben die Auflage B4 'nicht bienengefährlich' und dürfen daher während der Blüte angewandt werden. Die Applikation in die offene Blüte kann aber zu einer Kontamination des Nektars und somit zu Rückständen im Honig führen. "Bisher lagen aber wohl sehr selten Überschreitungen der festgesetzten Höchstmengengrenze vor, so auch nicht in dieser Ökotest Studie", sagt der Honigfachmann.

Auch dass Thiacloprid in den Robinienhonigen festgestellt wurde, findet er nicht überraschend, da die Robinientracht direkt im Anschluss an die Rapstracht folgt und ein Verschleppen in den Robinienhonig überaus plausibel sei.

Gen-Pollen: Keine Info ohne Kennzeichnung

Pollen der gentechnisch veränderten Pflanzen hat Ökotest in den Honigen gefunden, die ganz oder teilweise aus Süd- oder Mittelamerika stammen. "Keine einzige Probe mit Anteilen von Honig aus Amerika ist frei von gentechnisch veränderten Pollen", meldet Ökotest und verweist auf die Zuchtpflanzen "Roundup Ready Soja" und "Roundup Ready Raps" von Monsanto, von denen Pollen in acht Honigen gefunden wurden. Hierzulande werden diese Pflanzen nicht angebaut."

Das Vorhandensein der gefundenen gv-Pollen ist nach den derzeitigen lebensmittelrechtlichen Bestimmungen nicht zu beanstanden. Die gefundene Menge lag nach den Untersuchungen unterhalb der Kennzeichnungspflicht", sagt von der Ohe. Er begrüßt, dass diese Honige im Test um zwei Stufen abgewertet wurden, da gv-Pollen im Honig vom Verbraucher nicht erwartet wird und er sich wegen einer nicht vorhandenen Kennzeichnung nicht informieren kann.

Ein weiteres Problem: die Pyrrolizidinalkaloide (PA), die Ökotest in sechs der Honige gefunden hat. Die Werte lagen dabei höher als die "Tagestoleranzmenge", die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgelegt hat.

Fehlinterpretation beim Bio-Honig

Als weiteren Minuspunkt sehen die Honigtester die Ergebnisse in Bezug auf Rückstände von Behandlungsmitteln gegen die Varroamilbe – insbesondere das Mittel Apitraz mit dem Wirkstoff Amitraz, das erst Ende 2015 in Deutschland zugelassen ist. Ökotest hat Rückstände davon in zwei Honigen gefunden. Es handelt sich im Bio-Honige. "Da Amitraz in Bio-Imkereien grundsätzlich nicht erlaubt, also verboten ist, liegt hiermit ein Verstoß vor und müsste zum Entzug des Biozertifikates bei dieser Imkerei führen", sagt von der Ohe.

Dass Bio-Honige im Test besonders aufgefallen sind, erstaunt Werner von der Ohe nicht. Das sei einer Fehlinterpretation von Bio-Produkten geschuldet. In der Öko-Verordnung sei vor allem der Prozess der Imkerei geregelt und nicht die Tierhaltung an sich. "Aber der Kunde denkt vor allem produktorientiert. Er erwartet von Bio-Produkten, dass diese keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln aufweisen", sagt er. Diese Forderung sei nur bedingt von Bio-Honigen zu erfüllen, denn selbst bei guter Standortauswahl können blühende Flächen im Flugradius der Bienenvölker sein, von denen ein Eintrag von Pflanzenschutzmitteln möglich ist.

Auch Ökotest wertet selbst: "100-prozentig rückstandsfreien Honig kann man selbst in den entlegenen Gebieten kaum garantieren."

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