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Hyperthermie: Wunderwaffe oder wirkungslos?

23.03.2017

Hyperthermie

Foto: Stefan Berg

Hyperthermie wird schon seit vielen Jahren zur Behandlung gegen die Varroa-Milbe eingesetzt. Es gibt jedoch sehr unterschiedliche Geräteschaften dazu.

Hyperthermie wird schon seit Jahrzehnten in der Behandlung gegen die Varroa-Milbe eingesetzt. Als 2015 die Crowdfundingkampagne für die Bienensauna startete, war die Methode wieder in aller Munde. Doch wie funktioniert das Prinzip und welche Erfolge kann man wirklich erwarten? Fünf Fragen an Dr. Stefan Berg vom Fachzentrum für Bienen in Veitshöchheim, der verschiedenen Typen von Hyperthermiegeräten untersucht hat.

Die Idee, Milben mit Wärme zu töten, wurde in den 1970er-Jahren in der Sowjetunion und in Japan ausprobiert. Schon damals war bekannt, dass Varroa empfindlicher auf Hitze reagiert als die Honigbiene. Die optimale Entwicklungstemperatur der Bienenbrut beträgt 34,5 °C, die der Varroa hingegen nur 32 °C. Versuche zeigten, dass Milben bereits bei Temperaturen von 38 °C geschädigt werden. Sind sie über einen längeren Zeitraum noch höheren Temperaturen ausgesetzt, können sie - in Abhängigkeit von der Zeitdauer - auch absterben. Allerdings ist der Grat schmal, auf dem man sich bewegt, wenn Milben abgetötet und Bienen verschont werden sollen.

(Foto: Dr. Stefan Berg)

Hyperthermie: Ganze Völker oder nur die Brutwaben behandeln?

Diesen Erkenntnissen machten sich bereits verschiedenen Wissenschaftler und Imker zunutze und entwickelten Gerätschaften, mit denen man entweder ganze Bienenvölker oder nur die Brutwaben mit Wärme behandelt und so versucht, die Milben abzutöten - mit einem möglichst geringen Schaden an den Bienen.

Wissenschaftler des Fachzentrums Bienen in Veitshöchheim - darunter auch Dr. Stefan Berg - haben drei Typen von Hyperthermiegeräten untersucht: den Varroaeleminator, den Varroa Controller und den Varroa-Kill 2.

Im folgenden Interview berichtet Dr. Stefan Berg von seinen Erfahrungen. Eine Bewertung und Hintergründe zur Bienensauna sowie weitere ausführliche Informationen zum Thema Hyperthermie gab es in der Januar-Ausgabe des Bienen-Journals zu lesen.

1. Wie sieht der Praxiseinsatz der Hyperthermie-Geräte aus?

Der Varroa Controller und der Varroaeleminator sind Geräte, bei denen man die Brutwaben entnimmt, in eine Box einhängt und erwärmt. Nach Abschluss der Behandlung werden die Brutwaben in milbenfreie Völker gegeben. Das dritte Gerät, der Varroa-Kill 2, wird in einer Leerzarge auf den Brutraum gesetzt. Die Bienen werden aber nicht zwangsläufig mitbehandelt, das Flugloch bleibt offen.

2. Wie hat die Behandlung gewirkt?

Bei den beiden erst genannten Geräten recht gut. Diese beiden Geräte hatten einen hohen Wirkungsgrad. Zwischen 87 und 97 Prozent der Brutmilben wurden durch die Wärmebehandlung getötet. Der Behandlungserfolg bei Varroa-Kill 2 war jedoch zumindest im ersten Versuch schlechter. Sie tötete nur 56 Prozent der Brutmilben. Ein Schwachpunkt ist, dass das Gerät im meist schlecht isolierten Beutensystem des Imkers verwendet wird. Beim zweiten Versuch haben wir die Beute zusätzlich isoliert. Damit hatten wir dann einen größeren Erfolg.

3. Bei welcher Temperatur sterben die Milben?

Erhitzt man die Brutwaben für zwei Stunden auf 41 °C, werden die jungen Tochtermilben und die Männchen getötet, aber die Muttermilben überstehen das ganz gut. Wir haben nach der Behandlung Brut gezupft, es waren nur zehn Prozent der Muttermilben geschädigt. Doch bei drei Stunden und 42 °C waren auch fast alle Muttermilben tot.

4. Schädigen solche Temperaturen die Bienen nicht?

Das kommt darauf an. Setzt man eine Königin in einen 42 °C warmen Brutschrank und lässt sie dort für zwei Stunden, ist sie hinterher mit hoher Wahrscheinlichkeit geschädigt. Aber so arbeiten die Hyperthermie-Geräte nicht. Sie wärmen die Waben oder das Volk langsam auf und laufen dann für eine bestimmte Zeit auf der höchsten Betriebstemperatur. Bei den Drohnenlarven haben wir festgestellt, dass diese zwei Stunden bei 41 °C ohne Probleme vertragen. Die daraus schlüpfenden Drohnen haben allerdings eine verminderte Spermienanzahl. Es gibt auch Schäden an der Arbeiterinnenbrut. Der Umfang der Schäden scheint jedoch vertretbar, bei der Herstellertemperatur waren maximal 10 bis 15 Prozent der Puppen geschädigt.


5. Kann man ganz auf andere Behandlungsmittel verzichten, wenn man mit Hitze behandelt?

Dazu möchte ich lieber keine grundsätzliche Aussage treffen. Das Prinzip funktioniert aber. Ich könnte mir vorstellen, dass die Hyperthermie besonders im Frühjahr sehr gut eingesetzt werden kann, wenn eine Behandlung mit anderen Mitteln nicht zulässig ist. Allerdings ist die Behandlung auf jeden Fall eine zeitaufwendige Geschichte und recht kostenintensiv.

Eine Bewertung und Hintergründe zur Bienensauna sowie weitere ausführliche Informationen zum Thema Hyperthermie gab es in der Januar-Ausgabe des Bienen-Journals zu lesen. Mehr dazu hier.>>>

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