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Jakobskreuzkraut im Honig: Giftig oder nicht?

18.05.2016

Jakobskreuzkraut

Foto: Fotolia/carmenrieb

Jakobskreuzkraut gilt als gefährlich für Menschen. Der Nektar kann giftige Spuren im Honig hinterlassen, aber nur ganz wenige Honige sind belastet.

So gefährlich ist Jakobskreuzkraut

Bis das Jakobskreuzkraut in dicker Blüte steht, vergehen wohl noch ein paar Wochen. Doch dann sollten Imker wissen, wie die Pflanze aussieht: Ihre Inhaltsstoffe finden sich im Honig wieder.

Die einen sprechen von Panikmache und die anderen von „vergiftetem Honig“, wenn Bienen nahe von Wiesen und Äckern stehen, auf denen das Jakobskreuzkraut wächst. Immer mehr davon wird in Deutschland gesichtet – vor allem in Schleswig Holstein. Das Jakobskreuzkraut ist in der Tat giftig, denn es enthält sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PAs).

In die Schlagzeilen gekommen ist es vor allem deshalb, weil die PAs in großen Mengen tödlich auf Pferde und Rinder wirken können. Doch auch für den Menschen können PAs gefährlich werden, wenn man zuviel davon zu sich nimmt. Sie können die Leber schädigen. Doch bislang sind aus Europa noch keine Fälle bekannt, in denen es zu Leberzirrhosen kam. Anhand von Tierversuchen wurde allerdings festgestellt, dass PAs krebserregend wirken können.

Für die Bienen selbst stellen die PAs kein Problem dar, das ergaben Untersuchungen des Instituts für Bienenkunde in Celle. Über die Blüte und den Nektar der Pflanzen können die PAs allerdings in den Honig gelangen.

Kein Grenzwert für PAs im Honig

Seitdem dies bekannt ist, wurde schon mehrmals über vermeintlich vergifteten Honig berichtet – und das, obwohl Untersuchungen in Regionen mit viel blühendem Jakobskreuzkraut ergaben, dass nur drei Prozent der Honige über dem Richtwert von 140 μg/kg lagen. Einen gesetzlich festgelegten Grenzwert gibt es bisher nicht.

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hält es für unwahrscheinlich, dass der Verzehr von Honig bei der Allgemeinbevölkerung die Gesundheit aufgrund von PAs beeinträchtigt. Dabei wird allerdings von einem Honigkonsum von etwa einer Messerspitze im Schnitt pro Tag ausgegangen (etwa drei Gramm).

Die Grundlage, die dann auch zu dem Richtwert von 140 μg/kg führt, ist ein 60 kg schwerer Durchschnittskonsument. Personen mit einem geringeren Gewicht wie etwa Kinder oder Vielverzehrer, zu denen klassischerweise viele Imker gehören, könnten demnach doch stärker belastet werden, wenn sie Honig essen, der viele PAs enthält.

Wissenschaftler wie Dr. Aiko Huckauf, Leiter des JKK-Kompetenzzentrums der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, schätzen die Gefahr, die durch das Jakobskreuzkraut entsteht, als durchaus vorhanden, aber handhabbar ein. So könne man auch in Regionen, in denen viel Jakobskreuzkraut gefunden wurde, noch PA-freien Honig ernten. Einen ausführlichen Bericht dazu gab es im Deutschen Bienen-Journal der Ausgabe 2/2016 (als E-Paper hier erhältlich). >>>

Honiganalyse: PA-Angaben fehlen

Probleme gibt es dennoch, denn nicht jeder Imker kann seinen Honig auf die PA-Werte untersuchen lassen – die Analyse kostet immerhin rund 130 Euro. Anke Last, Vorsitzende des Imkerlandesverbands Schleswig-Holstein, hält deshalb ein Monitoring in Bezug auf die PAs für angebracht. Bei einer normalen Honiganalyse sollte demnach standardmäßig auch der PA-Gehalt geprüft werden, damit Imker Sicherheit haben und das an ihre Honigkunden weitergeben können. Nur so ließe sich beurteilen, ob die Gefahr zunimmt und ob Maßnahmen gegen das Jakobskreuzkraut ergriffen werden müssen.

Der Honigexperte Werner von der Ohe vom Landesinstitut für Bienenkunde in Celle gibt zu bedenken, dass Bienen das Jakobskreuzkraut gar nicht zwingend anfliegen, wenn es ein attraktiveres Trachtangebot in der Nähe gibt. Das Kraut blüht meist im Juli und August und beeinflusst, wenn überhaupt, meist nur die Sommerhonige. Von der Ohe rät deshalb dazu, vor Blühbeginn abzuschleudern und Wiesen mit großen Beständen zu meiden.

Eine große Gefahr geht grundsätzlich nicht vom Jakobskreuzkraut aus. Dennoch gilt es, das Kraut zu kennen und es zu vermeiden, Bienen direkt dort aufzustellen, wo große Bestände gesichtet wurden.

So sieht das Jakobskreuzkraut aus

Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) gehört zu den sogenannten Korbblütlern und ist eine heimische Pflanze, die sich allerdings in den vergangenen Jahren sehr ausgebreitet hat. Die Pflanze wird etwa 120 cm hoch. Sie besitzt gelbe Blüten, die in Körbchen zusammengefasst sind, wobei die meist 13 randständigen Zungenblüten etwas heller sind als die etwa 60 Röhrenblüten in der Mitte. Jakobskreuzkraut ist meist zweijährig, kann aber auch noch weitere Jahre überstehen.

Als Pionierpflanze wächst das Jakobskreuzkraut vornehmlich auf offenen, brachliegenden Flächen wie Baulücken, aber auch auf extensiv bewirtschafteten Weiden. Im Intensivgrünland spielt das Kraut aufgrund des geschlossenen Bewuchses und der häufigen Mahd hingegen keine Rolle.

Auch Flächen auf denen Jakobskreuzkraut wächst zur Bekämpfung häufiger zu mähen, ist dagegen nicht unbedingt eine Lösung, da mit dem Kraut dann auch die natürlichen Fressfeinde – zwei spezielle Raupen – verdrängt werden. Nach Ansicht von Aiko Huckauf sollte das Kraut deshalb dort stehen bleiben dürfen, wo es niemanden stört.

Der Ansicht sind auch verschiedene Naturschutzverbände, die den Umgang mit dem Jakobskreuzkraut für Panikmache halten und fordern, dass man die heimische Pflanze nicht weiter verteufeln sollte. Nach Ansicht des Nabu Schleswig-Holstein wurde die Debatte darüber zu sehr aufgebauscht und viele Imker inzwischen verstanden hätten, dass sie sich ihren Honigmarkt mit der Diskussion um die angebliche PA-Belastung selbst ruinieren. Die Stellungnahme dazu kann hier nachgelesen werden.>>>

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