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Melezitose: So wird aus Zementhonig Waldtracht

08.08.2018

Auskristallisierter Honig in den Waben.

Foto: Sebastian Spiewok

Auskristallisierter Honig in den Waben.

In einigen Regionen sind die Blattläuse schon jetzt aktiv und die Bienen tragen Honigtau ein. Doch Vorsicht: Es könnte Melezitose dabei sein. Auf diesem "Zementhonig" können die Bienen nicht überwintern. So bekommen Imker ihn aus den Waben.

Die Temperaturen gingen in diesem Frühjahr rauf und runter und von einem Blütenreichtum können die Bienen auch bislang nicht in allen Regionen Deutschlands profitieren. Dafür gibt es schon früh im Jahr Honigtau; die Läusepopulationen konnten sich schon gut entwickeln. Aber zum Leid einiger Imker ist auch Melezitose dabei. Dieser Honig lässt sich kaum ausschleudern und er bleibt hartnäckig in den Waben. Ursache dafür ist Honigtau mit hohem Melezitose-Anteil, den die Bienen vermehrt eingetragen haben. Melezitose ist ein Dreifachzucker, der sehr schnell auskristallisiert.

Trachtquellen für diesen Honigtau können nicht auf wenige Pflanzenarten eingeschränkt werden, häufig sind es aber Nadelbäume, wie Fichten, Lerchen und Kiefern. Vermutlich nimmt der Melezitose-Anteil im Honigtau bei Wärme zu.

Die Bienen können auf diesem Honig nicht überwintern, da der Dreifachzucker den Darm der Bienen zu sehr belastet. Um den Honig dennoch zu nutzen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man bewahrt die Zementhonig-Waben auf und nutzt sie als Futter in Trachtlücken im Frühjahr oder man taucht sie in frisches Trinkwasser, ritzt sie an und gibt sie den Bienen zurück, damit diese sie nochmals umtragen. Möchte man die gedeckelten Waben über den Winter aufbewahren, sollte sie auf jeden Fall bienendicht, dunkel, trocken und kühl stehen.

Melezitose-Honig umtragen lassen 

Imker, die versuchen wollen, die Waben in diesem Jahr noch zu nutzen, sollten auf das Trachtende warten, damit die Bienen auch wirklich Interesse an diesem Honig haben. Im aktuellen Infobrief der Bieneninstitute stellt Barbara Bartsch, Fachberaterin für Bienenzucht in Oberfranken, ihre Methode vor, wie sie aus dem Zementhonig schleuderbaren Waldhonig macht. Sie täuscht dazu quasi eine Räuberei vor und geht wie folgt vor: 

  • Sie entnimmt die Waben mit Zementhonig.
  • Dann entdeckelt sie die nicht schleuderbaren Waben oder reißt sie mit dem Stockmeißel an, bevor sie sie kurz in Wasser taucht.
  • Als nächstes legt sie über dem Honigraum des betreffenden Bienenvölks, der nach Trachtende Leerwaben enthält, eine dunkle Folie oder eine Sperrholzschied mit kleiner Öffnung - etwa eine Bienenflucht.
  • Auf diese Abdeckung kommt eine weitere Zarge, in die ca. fünf der getauchten Waben auf Abstand enthält.
  • Wichtig: Oben auf diese Zarge kommt kein lichtdichter Deckel, sondern Glas- oder Plexiglasplatten (eventuell nur zur Hälfte, falls die Sonne zu stark darauf scheint) oder es wird zwischen Abdeckung und Zementhonig-Waben noch eine Leerzarge zwischengesetzt.
  • Nach zwei bis drei Tagen sollten die Waben größtenteils geleert sein. Sind sie es nicht, kann man die Prozedur ein zweites Mal durchführen.

"Wenn diese Methode Anfang August eingesetzt wird, können die Bienen aus dem Melezitose-Honig noch gut schleuderbaren Waldhonig bereiten. Nach meinen Erfahrungen bleibt ca. ein Drittel der Melezitose- Menge als schleuderbarer Waldhonig übrig", berichtet Barbara Bartsch. Allerdings nennt sie als Voraussetzungen: niedriger Varroabefall, Trachtlosigkeit und trockene Witterung. Die Rettung der Völker müsse immer vor einer erntbaren Tracht stehen. Feuchte Witterung hätte außerdem einen zu hohen Wassergehalt des Waldhonigs zur Folge, da das Wasser aus dem Tauchvorgang  zusätzlich entfernt werden muss.

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