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Mit Drohnenbrut jetzt Igel retten

04.04.2016

Igel wird mit Drohnenmilch gefüttert

Fotos: Maja Langsdorff

Ein Igel wird mit Drohnenmilch gefüttert. So wird er im Frühjahr schneller wieder fit und gesund.

Ausgeschnittene Drohnenbrut bitte nicht entsorgen. Jetzt im Frühjahr eignet sie sich als Leckerbissen für Igel. Sie helfen den Igeln schnell wieder an Gewicht zuzulegen.

Tiere, die jetzt aus dem Winterschlaf erwachen, haben Hunger. So auch Igel - die einzigen Insektenfresser unter den Winterschläfern. Sie sind jetzt auf Nahrungssuche und freuen sich, wenn man ihnen geeignete Nahrung anbietet. Bei genügend Minusgraden können sie bis zu fünf Monate von der kalten Jahreszeit verschlafen. Dann sind sie jedoch oft sehr abgemagert und brauchen Fett und Einweiß.

(Igelfutter: Drohnenbrut inklusive Varroamilben.)

Fett und Einweiß sind genau die Stoffe, aus denen Drohnenmaden bestehen. Die meisten Imker schneiden diese im Frühjahr und Frühsommer aus den Rähmchen aus, um die Varroa-Milbe zu bekämpfen. Man kann damit Hühner oder andere Vögel füttern bzw. aufziehen. Doch meist schmelzen sie Imker ein, um das begehrte helle Wachs zu gewinnen, oder sie landen in der Mülltonne bzw. auf dem Kompost.

Wegwerfen wäre Verschwendung

Denkt man jetzt an die Igel, dann ist das Wegwerfen der ausgeschnittenen Drohnenbrut reine Verschwendung. Imkerin und Igelpflegerin Maja Langsdorff rät deshalb dazu, die Drohnenmaden nach dem Ausschneiden einzufrieren und dann in den Frühlingsmonaten, sobald die Igel erwachen, an sie zu verfüttern. Noch besser als die puren Maden, ist jedoch "Drohnenmilch" – vor allem für Igel, die sehr stark abgemagert sind.
Grundsätzlich müsse man jedoch erst einmal beurteilen, ob ein Igel nur großen Hunger hat oder ob er krank ist. Igel, denen man schnell wieder zu Gewicht verhelfen möchte, könne man – quasi als Leckerbissen – spezielles Igeltrockenfutter oder Katzenassfutter anbieten und einige einige gekochte Drohnen daruntermischen. Katzennassfutter pur ist aber zu "mager". Es ist also sinnvoll, es mit zusätzlichem Eiweiß und Fett, z.B. Rührei und etwas Pflanzenöl, anzureichern. Das Futter sollte man unbedingt katzen- und rattensicher aufstellen, um keine unerwünschten Mitesser anzulocken und damit die Igel zu ihrem Recht kommen.

Notlösung Igeltrockenfutter

Wenn man für die Igel etwas bereitstellen möchte, ohne dass man weiß, ob diese schon erwacht sind, kann man Igeltrockenfutter anbieten. "Doch das ist nur eine Notlösung", sagt Maja Langsdorff, "sobald man sicher ist, dass tatsächlich nachts Igel auf Futtersuche unterwegs sind, sollte man hochwertigere Nahrung anbieten", ergänzt sie.

Um stark abgemagerten und kranken Igeln schnell wieder auf die Beine zu helfen, kann man aus den Drohnen auch eine sogenannte Drohnenmilch herstellen. "Drohnen sind Insektennahrung pur, und da Igel überwiegend Insektenfresser sind und die Drohnenmaden vor ihrer Entnahme durch den Imker mit gehaltvollen Pollen und Nektar gefüttert worden sind, stellen sie eine ideale Nahrungsergänzung für diese Tiere dar", sagt die Igelfreundin.

(Mit "Milch" aus Drohnen lässt sich Igelmedizin gut verabreichen.)

Ihr Tipp zur Herstellung der Drohnenmilch, die die guten Inhaltsstoffe der Drohnenmaden in konzentrierter Form bereitstellt: "Drohnenmilch gewinnt man, indem man eingefrorene Drohnen aus der Wabe bricht, in ein kleines Gefäß gibt und dies im Wasserbad erwärmt. Sehr schnell verflüssigen sich die Drohnenmaden und man kann sie durch ein Sieb passieren."

Damit gewinne man eine garantiert lactosefreie Insektenmilch, denn Igel vertragen keine Lactose. Die Drohnenmilch sieht aus wie Kondensmilch und sollte frisch verbraucht werden, denn sie verfärbt sich unter Einwirkung von Sauerstoff schnell schwarz. Maja Langsdorff rät dazu, die Drohnenmilch in kleinen Portionen (ca. 9 bis 10 ml) einzufrieren und dann im Bedarfsfall im Wasserbad aufzutauen, auf Körpertemperatur zu bringen und zu verabreichen. Aus 30 Drohnenmaden erhalte man etwa zehn Milliliter Drohnenmilch.

Imkerin Langsdorff hält die Drohnenbrut für so einen wertvollen "Rohstoff" für die Ernährung von kranken und ausgezehrten Tieren, "dass man davon nie genug haben kann, wenn man Wildtiere damit päppeln und retten will". Auch verlassene Vogeljunge können man damit aufziehen.

Risiko: milder Winter

Da viele Igel heutzutage bereits verwurmt und mit Zecken und anderen Parasiten befallen in den Winterschlaf gehen, wachen sie umso geschwächter wieder auf. "Beobachtet man die eigentlich nachtaktiven Igel tagsüber, kann man davon ausgehen, dass sie dringend Hilfe brauchen", sagt Langsdorff. Nach einer gezielten Behandlung der jeweiligen Parasiten kann man sie dann selbst aufpäppeln und dazu Drohnenmilch verwenden. Medikamente, die übers Futter gegeben werden, kann man den Igeln einfach in die Milch mischen und so sicher gehen, dass sie auch im Igelmagen landen. "Igel sind verrückt nach Drohnenmilch", sagt die Expertin.

(Hilfsbedürftige Igel werden mit einer Spritze gefüttert.)

Mit Blick auf den Winter, der gerade hinter uns liegt, erklärt Maja Langsdorff: "Da dieser Winter viel zu mild und zu nass war, gibt es voraussichtlich sehr viele Igel, die medizinisch versorgt werden müssen, und man kann nur an die Imker appellieren, dass sie nicht – wegen des "schönen" Wachses – den wertvollen Rohstoff Drohnenmaden durch Einschmelzen zu vergeuden." Tierschützer, die sich um Igel und Vögel kümmern, seien immer dankbare Abnehmer.

Weitere Tipps gibt es unter igelinfos.de.>>>

Maja Langsdorff hat auch einen Igel-Notruf unter 01577-1251373 eingerichtet.



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