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Neonicotinoide: Verbot gefordert

24.08.2016

Bienen am Flugloch

Foto: Sabine Rübensaat

Kehren sie zurück oder haben sie sich verirrt: Wenn Bienen mit Neonicotinoiden in Berührung kommen, kann es sein, dass ihr Orientierungssinn gestört wird.

Neonicotinoide sind umstritten. Frankreich hat sie nun komplett verboten. Imker haben Druck gemacht. Das könnte auch Auswirkungen auf andere EU-Länder haben.

Der Einsatz von Neonicotinoiden in der Landwirtschaft ist umstritten. Zwar ist sich die Wissenschaft noch nicht ganz einig, welche Folgen durch die Stoffe für Mensch, Tier und Pflanzen wirklich entstehen, doch gerade deshalb kommt es im Zusammenhang mit neuen Zulassungen und bestehenden Regelungen, die vor einer Verlängerung stehen, zu heftigen Debatten innerhalb der EU-Länder.

Derzeit gelten für drei Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide - Clothianidin, Imidacloprid, Thiamethoxam - Anwendungsbeschränkungen bei Kulturen, die für Bienen attraktiv sind. Bis zum Jahr 2017 überprüft die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), inwieweit diese Teilverbote in der EU auch künftig gerechtfertigt sind. Dann wird entschieden, ob die drei Wirkstoffe weiterhin nur beschränkt zum Einsatz kommen dürfen.

Neonicotinoide gelten bei falschen Einsatz deshalb als gefährlich für Bienen, weil sie ihre Orientierungsfähigkeit und das Immunsystem schädigen. Zudem verkürzen sie die Lebensspanne bei Drohnen und schädigen ihre Spermienqualität, so dass eine gesunde natürliche Vermehrung behindert wird.

Trotz Beschränkung: Viele Neonicotinoiden im Einsatz

In einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung schreiben die Grünen, dass neuere Daten zeigen, dass trotz der aktuell geltenden Regulierungsmaßnahmen sowohl in Deutschland als auch in Frankreich bislang keine Reduktion der Gesamteinsatzmenge von Neonicotinoiden erreicht wurde.

Zwar hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt erst kürzlich eine Verordnung erlassen, die verhindert, dass mit Neonicotinoiden gebeiztes Saatgut über Importe auf deutschen Äckern landet. Doch aktuell stehen im Gegenzug zu diesem Schritt, der auch Fortschritt für den Bienenschutz gefeiert wurde, neue Pflanzenschutzmittel in den Startlöchern, die als ebenso bienengefährlich gelten wie die Neonicotinoide: Mittel mit dem Wirkstoff Sulfoxaflor.

Fortschritte bei der Debatte gibt es in Deutschland aktuell also nicht. Frankreich hat dagegen erst kürzlich ein Verbot der Neonicotinoide ab September 2018 beschlossen - allerdings mit der Möglichkeit bestimmter Ausnahmeregelungen bis September 2020. In anderen europäischen Ländern sieht es sieht es dagegen ganz anders aus. So haben Finnland, Rumänien, Lettland, Dänemark, Estland und BulgarienAusnahmeregelungen von den EU-weit geltenden Saatgutbehandlungsbeschränkungen mit Neonicotinoiden erlassen.

Neonicotinoide: Kritik der Grünen

Dass Deutschland bislang keine klare Position bezieht und sich in den letzten Abstimmungen in der EU-Kommission zum Thema Zulassung von Pflanzenschutzmitteln - ob Glyphosat oder Sulfoxaflor - enthalten hat, kritisieren die Grünen.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnetet Harald Ebner sieht die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Folgen der Neonicotinoide als zu wenig berücksichtigt an. "Mittlerweile gibt es eine breite wissenschaftliche Erkenntnislage zu vielfältigen Gefährdungen durch Neonicotinoide insbesondere für Bestäuber, auch für andere Insekten und Vögel", sagt er und weist auf internationale Wissenschaftlergremien wie die EASAC und die Task Force on Systemic Pesticides hin, die ungeklärte Risiken für Bienen durch diese Wirkstoffe genauso wie die EU-Risikobewertungsbehörde EFSA bereits dokumentiert hätten. Ähnlich die entsprechende französische Behörde ANSES, deren Bewertung allerdings Konsequenzen hatte: ein Verbot der Neonicotinoide.

Das bisher geltende EU-Teilverbot für drei Neonicotinoidwirkstoffe hätte in Deutschland nicht zu einer Reduzierung der Gesamtmenge an Neonicotinoiden geführt, weil ein Großteil der Anwendungen und viele Wirkstoffe nicht erfasst sind. Auch zum bislang offiziell als "bienenungefährlich" geltenden Wirkstoff Thiacloprid oder dem neu zugelassenen Wirkstoff Sulfoxaflor gibt es laut Ebner deutliche Hinweise auf eine hohe Bienengefährlichkeit. "Daher halte ich den aktuellen Wissensstand für ausreichend, um im Sinne des Vorsorgeprinzips zu handeln und einen Ausstieg aus den Neonicotinoiden wie in Frankreich einzuleiten", fordert der Grünen-Politiker.

Neonicotinoide: Imker sollen Druck machen

Dieser geplante Ausstieg sei unter anderem durch massiven Druck der Imkerschaft zustande gekommen. Ebner ruft deshalb dazu auf, dass auch die deutschen Imker der Bundesregierung stärker zeigen sollten, dass sie gegen die Neonicotinoide sind.

Er hofft, dass die französische Entscheidung auch andere Länder zum Umdenken anregt. Die Umweltminister der deutschen Bundesländer hätten Mitte Juni 2016 die Bundesregierung aufgefordert, den Schutz von Bestäubern vor Neonicotinoiden deutlich zu verbessern und Anwendungsverbote zu prüfen. "Wenn es Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt es mit dem Bienenschutz ernst meint, muss er jetzt den Ball aus Frankreich und dem Bundesrat aufgreifen", sagt Ebner.

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