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Neophyten: Gut für die Bienen oder eine Gefahr?

08.09.2016

Blütendolde eines Bienenbaums

Fotos: Jaesch

Blütendolde eines Bienenbaums: Festessen im Spätsommer für Bienen.

Als Neophyten bezeichnet man Pflanzen, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Doch sie sind umstritten. Die einen sagen, dass sie für Vielfalt sorgen und freuen sich, dass viele von ihnen das Trachtband für die Bienen verlängern. Doch es gibt auch Kritiker, die die Neophyten als Gefahr für heimische Pflanzen sehen, da sie sich angeblich schneller verbreiten und die anderen verdrängen.

Gärtnermeister und Imker Bernhard Jaesch ist auf bienenfreundliche Pflanzen spezialisiert. Im Interview erklärt er, warum er die Neophyten nicht verteufelt.

1. Bienenbaum, Götterbaum, Schnurbaum – es gibt Baumarten, die nicht heimisch sind und den Bienen viel Nahrung bieten. Warum stehen sie immer wieder in der Kritik?

Jaesch: Das Problem liegt in der Gesetzeslage. Im Bundesnaturschutzgesetz stehen noch einige Passagen, die aus dem Reichsnaturschutzgesetz der Nazis übernommen wurden und diese wollten alle fremdländischen Pflanzen ausrotten. Dass sich Pflanzen ausbreiten und auch zwischen den Kontinenten hin- und herwandern ist ganz normal – auf natürliche Weise und durch den Menschen beeinflusst. Man sagt, dass Letzteres seit der Entdeckung Amerikas, also seitdem die Seefahrt immer stärker wurde, so richtig in Gang kam. Forscher haben begonnen, seltene Pflanzen von ihren Reisen mitzubringen und Pflanzensamen wurde auch als blinde Passagiere in andere Länder gebracht. Wenn die Pflanzen dann passende Rahmenbedingungen vorgefunden haben, sind sie geblieben. Kritik erntet auch die Tatsache, dass einige der Pflanzen Allergien auslösen können.

2. Handelt es sich dabei um invasive Arten, die heimische Pflanzen verdrängen? Und sind die Pflanzen gesundheitsgefährdend?

Jaesch: Wenn man es ganz genau nimmt, dann ist jede Pflanze invasiv. Wenn sie die passenden Bedingungen vorfindet, breitet sich jede Pflanze aus – egal ob einheimisch oder eingewandert. Man muss dabei auch bedenken, dass wir heute in einer Welt leben, die geprägt ist von Kulturlandschaften. Urwälder und unangetastete Flächen gibt es nicht mehr und so sind auch die Lebensbedingungen der Pflanzen andere als noch vor einigen Jahrhunderten. Was damals hierzulande gewachsen ist, muss sich heute hier nicht gezwungenermaßen noch wohlfühlen. Es ist eine subjektive Wahrnehmung der Kritiker, dass sich eingewanderte Pflanzen stärker ausbreiten. Bei den Gesundheitsgefahren spielt oft eine einseitige Berichterstattung der Medien mit. Da werden Fälle aufgebauscht, wenn sich eine Person etwa an einem Großen Bärenklau verbrannt und dicke rote Pusteln am Arm hat. Derartige Hautreaktionen können aber genauso einheimische Pflanzen wie die Brennnessel, Weinraute, Diptam (auch brennender Busch genannt) oder Maggikraut auslösen. Allerdings berichtet dann keiner darüber.

3. Stimmt der Eindruck, dass in Städten mehr Neophyten gepflanzt wurden? Und wurde das speziell für Bienen getan?

Jaesch: Ja. Das geht wiederum auf das Bundesnaturschutzgesetz zurück bzw. auf die Auslegung in den Bundesländern. Dass heimische Pflanzen Vorrang haben sollten, wird in den Regelungen der Städte nicht vorgegeben, denn hier gilt das Bundesnaturschutzgesetz nicht. Aber es gibt auch noch ganz andere Gründe: In der Stadt geht es dabei vor allem um die Bäume. Nehmen wir als Beispiel den Götterbaum: Er vermehrt sich in der Stadt viel besser, da es hier weniger Schnecken gibt, die die kleinen Abkömmlinge auffressen. Zudem ist es in den Städten wärmer und trockener. Das ist ein Klima, in dem sich Pflanzen aus südlicheren Ländern sehr wohl fühlen. Sie vertragen das Stadtklima sogar besser als zum Beispiel Buchen. Deshalb wurden sie gepflanzt. Dass sie den Bienen Nahrung bieten, wird immer noch zu wenig beachtet. Vereinzelt gab und gibt es Initiativen, die dafür sorgen, dass Städte und Gemeinden bei der Neubepflanzung auf Bäume und Pflanzen achten, die den Wild- und Honigbienen nutzen. Das ist leider aber nicht der Regelfall, sondern es geht darum, welche Bäume mit dem Stadtklima klarkommen.

4. Zählen die Neophyten in der Mehrheit zu den bienenfreundlichen
Pflanzen?

Jaesch: Es gibt einige dieser Pflanzen, die den Bienen viel Pollen und Nektar bieten, aber nicht alle. Alternativen gäbe es, aber kaum im Spätsommer. Wenn etwa der Bienenbaum blüht, ist ansonsten fast alles andere verblüht. Neophyten schaffen Vielfalt und die brauchen die Bienen. Dabei denke ich übrigens nicht nur an die Honigbienen. Auch Wildbienen und andere Insekten freuen sich, wenn sie spät im Jahr noch genügend Nahrung finden. Außerdem bieten die Früchte des Bienenbaums den Vögeln Nahrung und Igel knabbern an den Blättern und freuen sich im Herbst über das viele Laub.

(Foto: Ein Bienenbaum in voller Pracht.)


5. Welche Bäume und Pflanzen gehören dazu, die den Bienen besonders viel Nahrung bieten? Können Sie hierzu typische Beispiele nennen?

Jaesch: Neben Bienenbaum, Götterbaum, Schnurbaum und Blasenbaum gehört beispielsweise auch das Springkraut dazu, der Große Bärenklau, die Goldrute und der Japanknöterich.

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