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"Stadtimkerei diskutieren statt verurteilen“

17.10.2017

Berlin summt

Foto: Sabine Rübensaat

"Berlin summt": Bienenbeuten auf der Auferstehungskirche in Friedrichshain.

Seit sieben Jahren gibt es nun die Initiative "Deutschland summt!". Wurde sie anfangs medial stark begleitet, ist es derzeit scheinbar etwas ruhiger geworden. Ähnlich geht es dem Thema der Stadtimkerei, das teilweise in die Kritik geraten ist. Doch der Schein trügt, denn Deutschland summt immer mehr. Fünf Fragen an Corinna Hölzer und Cornelis Hemmer von der Stiftung Mensch und Umwelt, die "Deutschland summt!" initiiert haben.

1. Wie viele Städte machen mittlerweile bei "Deutschland summt" mit?

Deutschland summt: Seit dem Start im Jahr 2010 wuchs unsere Initiative stetig weiter. Im Jahr 2017 sind allein fünf neue Kooperationen entstanden. Damit sind auf der Plattform nun 18 Initiativen versammelt. Aber auch in den schon länger aktiven "... summt!"-Städten konnten weitere Maßnahmen umgesetzt und deutschlandweite Aktionen und Angebote entwickelt werden. So haben wir in Berlin, Frankfurt am Main und Hamburg gemeinsam mit unterschiedlichen Kooperationspartnern Wildbienenschaugärten angelegt, die Interessierten vor Ort die Möglichkeiten bienenfreundlicher Gartengestaltung vor Augen führen. Zudem ist die neue Kampagne "Bayern summt!" 2017 im Aufbau.

2. Ist das Thema immer noch so gefragt bei Gemeinden, Städten, Unternehmen und anderen öffentlichen Institutionen oder flaut die Nachfrage ab?

Deutschland summt: Ein Interesse besteht mehr denn je - vor allem in den kommunalen Behörden wie Umwelt- und Grünflächenämtern. Durch Initiativen und Projekte wie das Netzwerk Blühende Landschaften, Kommunen für Biologische Vielfalt und auch Deutschland summt ist die Möglichkeit einer Partizipation gegeben. Dadurch verstärkt sich die Nachfrage in jedem Jahr. Die Biodiversität auf den Flächen zu fördern, kommt immer öfter auf die To-Do-Liste der Ämter. Ein gutes Beispiel ist die 4.000 Einwohner zählende Gemeinde Vierkirchen im Landkreis Dachau. Hier wird zukünftig auf kommunalen Flächen nur noch zweimal im Jahr gemäht, um so Bienenlebensräume zu fördern. 

3. Was sind die Pläne: wie viele Städte sollen noch dazukommen?

Deutschland summt: Wir fragen natürlich nie proaktiv nach, ob eine Stadt mitsummen mag, das würde keinen Sinn ergeben. Aber wir werden schon recht häufig angesprochen und freuen uns natürlich über neue Partner. Doch viel mehr geht es um die Frage, welche Aktivitäten die Partnerinitiativen dann vor Ort wirklich nachhaltig entfalten. Beispielsweise in Bayern könnten, hochgerechnet bis zum Jahr 2020, bis zu zwanzig Gemeinden, Kommunen und Landkreise mitsummen. Es ist dabei zwar hilfreich, wenn wir als Stiftung den Partnern reichlich Unterstützung bieten, was die Kommunikation und eine gewisse Fachlichkeit betrifft. Vor Ort allerdings braucht es dann gute "Kümmerer", die unterschiedliche Gruppen wie Gärtner, Imker, Umweltämter, Obst- und Gartenbauvereine, Kulturvereine, Wissenschaftler und die Wirtschaft zusammen bringen und anstiften, in ihrer Stadt an einem Strang zu ziehen. In einem nächsten Schritt könnte ein Beratungsnetzwerk entstehen, in dem neben naturschutzfachlicher Beratung auch Fördermittelakquise, Mailings oder Veranstaltungskonzepte auf dem Programm stehen.

4. Was sagt "Deutschland summt" zu der Kritik, dass es mittlerweile zu viele Stadtimker gibt?

Deutschland summt: Dies lässt sich für Städte im Allgemeinen so nicht sagen. Es gibt tatsächlich viele Bienenhalter in Metropolen und den Großstädten, aber in kleineren Städten wie Ingolstadt oder Aschaffenburg ist die Zahl vergleichsweise geringer. Außerdem stellt sich die Frage – was heißt zu viel? Berlin hat nach neueren Angaben 1.265 registrierte Hobby-Imker mit durchschnittlich fünf Honigbienenvölkern. Das entspricht etwas mehr als sieben Bienenhalter pro Quadratkilometer. Bei der Betrachtung scheint es entscheidend zu sein, was der Lebensraum an Futterpflanzen hergibt und ob es gegebenenfalls Konkurrenzen zu Wildbienenarten geben könnte. Insbesondere Berlin kann durch seine vielfältigen Grünstrukturen deutlich mehr HonigbienenvölkerN eine Lebensgrundlage bieten als andere Metropolen, die über weniger Grün verfügen. Andererseits müssten alle Bienenhalter eine fundiertere Ausbildung erhalten erhalten als es üblich ist. Je höher die Honigbienendichte, umso wachsamer müssen Krankheitsrisiken durch Ansteckungen der Bienenvölker nämlich minimiert werden. Aus der Historie der Nachkriegszeit ist in den 1960er Jahren belegt, dass es in Berlin früher viel mehr Imker als heute gab. Allerdings gab es damals nicht die Ansteckungsgefahr durch die Varroamilbe. Wir müssen deshalb tatsächlich das Thema ernsthaft diskutieren, aber nicht pauschalisieren. 

5. Was wurde für Wildbienen schon erreicht?

Deutschland summt: In den letzten Jahren ist eine Sehnsucht nach lebendigen Gärten gestiegen. Die Menschen wollen wieder mehr Natur erfahren und sich dafür auch einsetzen. Sie brauch dabei aber Unterstützung. Wir merken das in dem interessierten Zulauf zu unseren Seminaren "(Wild)Bienenfreundlich Gärtnern". Auch bei der Realisierung unserer Wildbienenschaugärten mit Kleingärtnern in Berlin und Frankfurt spürten wir die Begeisterung, gemeinsam etwas für die Wildbienen zu tun. Unser großer bundesweiter Pflanzwettbewerb, der bis Ende September 2017 lief mit dem Namen "Wir tun was für Bienen" adressierte die Wildbienen. Insgesamt konnten wir über 3.500 Einzelpersonen animieren, Gruppen zu formieren und gemeinsame Blüh-Oasen zu schaffen. Es konnten sich dabei alle engagieren: in Privat-, Klein- oder Firmengärten, in Kita- und Schulgärten sowie auf kommunalen Flächen. Das war eine riesige Freude zu sehen, dass auch Menschen, die bisher kaum etwas für die Wildbienen taten, jetzt mit Begeisterung dabei sind. Manche hätten vielleicht öfters mal in unsere "Tipps" gucken können, aber wir wollen natürlich nicht die ersten zarten Pflänzchen, im übertragenen und Wortsinne, zertreten, nur weil nicht jeder sofort den Unterschied zwischen einer heimischen und einer Zuchtstaude erkennt. Mit viel Freude bei der Sache zu sein ist aus unserer Sicht entscheidend, wenn wir mehr Menschen dem Naturschutz nahe bringen wollen.

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