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Wildbienen-Paradies Gut Klepelshagen

14.02.2017

Wollfüssige Blattschneiderbiene

Foto: Roland Günter

Die Wollfüssige Blattschneiderbiene (Megachile lagopoda) wurde beim Wildbienen-Monitoring 2016 in Gut Klepelshagen entdeckt.

Nicht nur Honigbienen wollen umsorgt werden. Auch ihre nahen Verwandten, die Wildbienen, brauchen Hege und Pflege. Gerade ihr Lebensraum schrumpft zusehends! Die Deutsche Wildtier Stiftung schützt Wildbienen – und was Wildbienen wollen, wissen ihre Experten genau. So ist das Gut Klepelshagen, ein ökologischer Agrar- und Modellbetrieb der Deutschen Wildtier Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern, längst zum Paradies für seltene Arten geworden.

Der seltene Superstar auf Magerrasen in Klepelshagen trägt feine filigrane Pantöffelchen. Diese dichtgewachsenen Härchen an den Füßen der Wildbiene der Extraklasse gaben ihr den Namen: Die Wollfüssige Blattschneiderbiene (Megachile lagopoda) wurde beim Wildbienen-Monitoring 2016 in Gut Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. "Die Blattschneiderbienenart zählt zusammen mit der Felsen-Mauerbiene (Osmia mustelina) zu den absoluten Highlights des Monitorings. Und macht mit weiteren 107 Wildbienenarten den ökologischen Agrarbetrieb der Deutschen Wildtier Stiftung zu einem regional bedeutenden Naturraum", sagt Dr. Christian Schmid-Egger. Der Wildbienenforscher hat das einjährige Monitoring selbst durchgeführt.

Seltenes Wildbienen-Spektrum

Ein Lob aus berufenem Mund. Dr. Schmid-Egger gilt europaweit als führender Wildbienen- und Wespenexperte. Er veröffentlichte zahlreiche tierökologische Studien, forschte schon in Dubai im heißen Wüstensand nach Grabwespen und Wildbienen. Jetzt sagt er: "Ich kenne keinen Agrarbetrieb in Norddeutschland, der annähernd an das Wildbienen-Spektrum von Wildtierland Gut Klepelshagen heranreicht. Von den 107 auf dem Gut der Deutschen Wildtier Stiftung entdeckten Wildbienenarten gelten 21 Arten sogar als bedroht und stehen auf der Roten Liste von Deutschland."

(Bild: Wildbienenexperte Dr. Christian Schmid-Egger. Foto: Deutsche Wildtier Stiftung)

Was aber macht Klepelshagen so besonders? Es ist nicht nur der konsequente Verzicht auf Chemie, der den Lebensraum für Wildbienen so wertvoll macht. Es sind vor allem die Feinheiten, die kleinräumigen Strukturen, die den meist nur wenige Millimeter messenden Wildbienen Unterschlupf und Nahrung bieten.

Nahrungssuche mit Besonderheiten

Deutschlandweit gibt es 590 Wildbienenarten. Sie sind zum Teil hoch bedroht, denn als Nahrungs- und Nestbauspezialisten sind sie höchst anspruchsvoll! Ihnen das Leben leichter zu machen, ist jedoch keine hohe Wissenschaft – jeder kann mit einfachen Mitteln dazu beitragen. "Die einen nisten in lockeren Sandböden, die anderen ausschließlich in Stängeln und Totholz. Wieder andere suchen sich leere Schneckenhäuser für die Nestanlage", erklärt der Experte. Oder sie brauchen - wie die in Klepelshagen nachgewiesene Felsen-Mauerbiene – Ritzen in Mauern, um dort ihren Nachwuchs unterzubringen. Dort überwintert die nächste Generation.

Damit nicht genug: Auch ihre Nahrungssuche ist äußerst kapriziös. 175 deutsche Wildbienenarten sind an eine bestimmte Pflanzenart gebunden: Sie fliegen entweder auf Heide- oder Fingerkraut, sind auf Weiden oder Glockenblumen angewiesen oder nur auf Ölpflanzen zu finden. Ist dann die Blüte weg, verschwindet auch die Biene – aber nicht in Klepelshagen. Ganz im Gegenteil: Hier sind die Nahrungspflanzen vieler Bienen noch zu finden.

Die Deutsche Wildtier Stiftung will bei der Bewirtschaftung ihres Gutes in Mecklenburg-Vorpommern auch weiterhin auf diese speziellen Lebensräume Rücksicht nehmen. Mehr noch: "Durch gezielte Maßnahmen wie das Aussähen von Blühstreifen, die Pflege von Magerrasen und den Erhalt alter Mauern und Steinhaufen werden zusätzlich Lebensräume geschaffen", betont der Wildbienenexperte. "So lassen sich selbst in genutzter Agrarlandschaft kleine Paradiese für die Spezialisten unter den Bienen schaffen."

Weitere Infos: Eine Stimme für Wildbienen
Die Deutsche Wildtier Stiftung hat eine Reihe von Schutzprojekten für Wildbienen ins Leben gerufen. So fand 2016 neben dem Wildbienen-Monitoring in Klepelshagen auch ein erstes Monitoring in Hamburg statt. Die "Volkszählung" der Hamburger Bienen ist auf fünf Jahre angelegt und verfolgt das Ziel, erstmalig eine Rote Liste für Wildbienen in Norddeutschland zu erstellen. Mit Keschern schwärmen die Biologen der Deutschen Wildtier Stiftung aus, um die Arten zu erfassen. Auf dem Gelände des Hamburger Flughafens in Fuhlsbüttel wurde so die in Norddeutschland fast ausgestorbene Sandbiene (Andrena nigriceps) entdeckt. Letztmalig wurde diese Wildbiene 1938 in Hamburg gesichtet. Auch auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf, dem größten Parkfriedhof der Welt, "ackerten" die Experten für die Wildbiene. Ein breiter Blühstreifen wird 2017 zum Wildbienen-Boulevard. Ob sich auch hier seltene Arten einfinden, wird mit Spannung erwartet!



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