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März - Künstliche Besamung in der Kritik und Basiszucht.

22.04.2014

© Horst Schmädicke

Rainer Rodenwald steht der künstlichen Besamung kritisch gegenüber.

Der Reinigungsflug verschiebt sich bei uns in Bleckede an der Elbe oft genug bis in den März.

Abreißen vom Futter, das hatte ich noch nie. Eine großflächige Wabe im Dadant-System enthält viel Vorrat. Im März wird der Futterbestand kontrolliert. Im endlosen Winter 2013 hängte ich nach einer Warnung aus Celle vorsichtshalber den starken Völkern eine volle Futterwabe in den Randbereich des Bienensitzes um.

Wabenschimmel entsteht, wenn über Winter dunkle Randwaben unbesetzt sind. Halb ausgebaute Mittelwände am Rand schimmeln nicht. Kondenswasser an Folie oder Rückwand ist bei Holzbeuten nicht ungewöhnlich, wenn das Volk nicht besonders warm verpackt wurde. Ein vollflächig offener Gitterboden kann Kondensat verhindern, kostet aber unstrittig Futter. Mehr Futter in Wärme umzusetzen, das beansprucht den Bien im Winter verstärkt.

Die Winterabdeckung nach oben halte ich kältedämmend und diffusionsoffen:
Ein Propolisgitter, robust und stabil, liegt auf dem Wabenbau, darauf Zeitungspapier als Windabdichtung und darüber passend geschnittene Platten aus bituminierter Weichfaser. Das Flugloch lasse ich großflächig offen, natürlich mit Mäusegitter. So entsteht kaum
noch Kondensat. Der Bien sitzt warm und trocken.

Totenfall vor dem Flugloch ist kein Alarmzeichen, solange es nicht allzu viele Bienen betrifft. In der kritischen Zeit der Durchlenzung sind es die ältesten Tanten, die den Ausflug wagen, um mit ihrer letzten Lebensenergie dem Volk noch das Wichtigste einzutragen, auch bei widrigem Wetter. Einige bleiben dann einfach vor dem Flugloch liegen und fallen auf der sauberen Abdeckung davor auf, andere kommen gar nicht wieder oder sterben in einer Blüte.

Bienenzucht mit Standbegattung nannte Wolfgang Golz seit 1982 „Basiszucht“. In der Union der Basiszüchter führen wir diesen Impuls weiter. Wir wollen naturnahe Vielfalt statt allzu menschlicher Einfalt.

Die Geisteshaltung der Basiszüchter ist „geleitet von Respekt vor der Biene, die als Geschöpf in der Welt ist wie wir“ (Richtlinien der Basiszucht). Darum halten wir Distanz zur technokratischen Imkerei, die den Bien als Sache ansieht und die alles macht, was die Biene aushält. Wir fragen dagegen mit Dr. Werner Mühlen aus Münster: Tut das der Biene gut? Für mich ist künstliche Besamung bei allen Haustieren eine Vergewaltigung der Natur. Wer glaubt, er könne den Zuchtwert eines Bienenvolkes aus Zahlenkolonnen berechnen wie den Flächeninhalt eines Kreises, der glaubt wohl auch, der Mensch sei das einzige geistbegabte Wesen in einer geistlosen Welt.

Andererseits sehen und behandeln wir die Biene ganz unsentimental als Haustier. Der Mensch kann sich viele Gedanken darüber machen, was der Biene wesensgemäß sei, von einer idyllischen Natur träumen und auf Honigerträge verzichten. Wir wollen naturnah imkern mit gut gefüllten Honigtöpfen.

Tierzucht wird landläufig so verstanden, dass Mutter- und Vatertiere bekannt sein müssen. Bei unseren Hühnern könnte ich über die vergangenen acht Generationen einen Stammbaum aufzeichnen mit jedem Hahn, der dabei war. Dennoch bin ich kein Hühnerzüchter, denn hier habe ich noch nie Auslese betrieben.

Meine Bienen stammen aus zehn bis 15 Generationen Standbegattung. Ein Stammbaum liegt daher nicht vor. Dennoch bin ich Bienenzüchter, denn ich betreibe Auslese, gezielt und langfristig aufgrund der für jedes Volk vorliegenden Aufzeichnungen.

Zucht ist nicht Kenntnis des Stammbaums. Zucht ist Auslese, das bedeutet Vermehrung der Besseren und Ausschluss der Schlechteren von der Vermehrung.

Basiszucht bedeutet züchterische Bewahrung und Verbesserung der guten Landbiene. Die Landbiene von heute ist, von Ausnahmen abgesehen, eine sehr gute Biene.

Eine Bienenrasse kann per Standbegattung prinzipiell nicht gezüchtet werden. Die Rassen Carnica, Buckfast und Nigra haben ihre eigenen Zuchtverbände, die mit viel Aufwand für kontrollierte Begattung sorgen. Zugleich müssen Sie sorgfältig überlegen, welche Anpaarungen Sie realisieren wollen, um dem Inzuchtproblem zu entgehen.

Die Aufzeichnungen des vergangenen Jahres sehe ich an einem ruhigen Vorfrühlingsabend durch. Bei jeder Arbeit an den Völkern füllte sich eine Zeile der zugehörigen Karteikarte: Datum, Brutstatus, Volksstärke, Umgänglichkeit und Bemerkungen. Dabei bevorzuge ich Zeichen statt Zahlen: + / o / - . Obendrüber stehen das Jahr in der Modefarbe, die Kastennummer, Beschreibung der Königin, Standort des Volkes und der ungefähre Honigertrag. Dann folgen eine Zusammenfassung der Leistungen und des Verhaltens des Volkes vom Vorjahr und die so wichtige Aussage über die Auswinterung. Der Gesamtüberblick führt zur Auslese von Zuchtvölkern, die oben in der Karte ein „Z“ erhalten. Jeder Basiszüchter kann seine Aufzeichnungen selbst gestalten, aber ohne geht es nicht gut.

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