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Dezember – letzte Varroen-Dezimierung

23.11.2017

Oxalsäure-Behandlung

Foto: Henrike Lüderitz

Im Dezember steht die Oxalsäure-Behandlung bei den Bienenvölkern an – auf jeden Fall dann, wenn viele Varroamilben fallen.

Im Frühwinter steht die Restentmilbung an. Der Behandlungstermin richtet sich nach dem Witterungsverlauf im November und Dezember. Er wird etwa drei Wochen nach der ersten Kälteperiode mit frostig-kalten Nächten unter Beachtung der kurzfristigen Wetterprognose festgelegt. Vor der Behandlung führe ich eine Gemülldiagnose zur Abschätzung des Befallsgrades durch. Dazu werden die Windeln sieben oder auch zweimal sieben Tage eingeschoben.

Milbenbefall: Behandeln oder nicht?

Das Ergebnis bestimmt, ob eine Behandlung durchgeführt wird. Wenn in sieben Tagen keine Milbe abfällt, behandle ich das betreffende Volk nicht. Bei den behandelten Völkern wird der ausgelöste Milbenfall über einen Zeitraum von mindestens einer Woche erfasst, um ihn dann mit dem natürlichen Milbenfall vor der Behandlung zu vergleichen. Es besteht immer ein enger Zusammenhang.

Der Umrechnungsfaktor liegt bei 500. Daraus kann abgeleitet werden, dass im Winter etwa 20 Prozent der Milben eines Volkes eines natürlichen Todes sterben. Ähnlich hoch liegt der natürliche Bienenabgang eines gesunden Volkes während des Winters.

"Teilen und behandeln": Restentmilbung notwendig

Die nach dem Konzept "Teilen und behandeln" geführten Völker sind nach ihrer Wiedervereinigung im Oktober in der Regel die stärksten Völker und weisen den höchsten Varroabefall auf. Bei ihnen ist die Restentmilbung unbedingt notwendig.

Wenn es nur nachts kalt ist, behandle ich die Völker frühmorgens. Wird es auch tagsüber frostig-kalt, kann ich mir die Tageszeit aussuchen. Die Mitglieder meines Imkervereins erhalten per Newsletter eine konkrete Terminempfehlung, in der die Wetterprognose berücksichtigt wird.

Für eine gute Wirkung der Oxalsäure muss der Wirkstoff durch Körperkontakt von den beträufelten an die nicht beträufelten Bienen weitergegeben werden. Dies ist umso eher gewährleistet, je enger die Völker sitzen. Das berücksichtige ich bei der Wahl des Termins (lieber bei -5 °C als bei +5 °C) und beim Ablauf der Behandlung. Erschütterungen, auch des Nachbarvolkes, sind zu vermeiden. Das zu behandelnde Volk öffne ich vorsichtig. Vorher habe ich schon 50 ml Oxalsäurelösung mit einer leicht gängigen Spritze aufgezogen. Bei Ein-Zargen-Völkern brauche ich nur Blechdeckel, Innendeckel und Folie zu entfernen. Bei Zwei-Zargen-Völkern ist meist das Ankippen der oberen Zarge notwendig, weil die Traube meist in der unteren Zarge sitzt. Dann spritze ich in die Traube, bei Ein-Zargen-Völkern beträufele ich die Traube.

Die Dosis richtet sich nach der Anzahl der besetzten Wabengassen. Etwa 30 ml brauche ich für Völker, die in vier oder fünf Wabengassen sitzen, 50 ml, wenn sechs oder sieben Wabengassen besetzt sind. Eine auf die Spritze gesetzte Pipettenspitze sorgt für kleine Tröpfchen und einen feinen Strahl, der tiefer in die Traube eindringt als riesengroße Tropfen. Dann muss ich die äußeren Wabengassen zweimal, die inneren dreimal langsam "abfahren", um die passende Dosis ins Volk zu bringen. So sorge ich für eine bessere Verteilung.

Restbrut unwichtig

Bei dieser Vorgehensweise nehme ich keine Rücksicht darauf, ob das eine oder andere Volk eventuell noch Restbrut haben könnte. Die Entnahme dieser Brut, die manchmal empfohlen wird, ist nicht praktikabel. Sie setzt die eingehende Durchsicht jedes Volkes voraus. Es macht weniger Mühe, die Wetterprognose zu verfolgen und den richtigen Termin abzuwarten. Außerdem: wohin mit den Brutwaben? Die Brut ausschneiden? Das habe ich oft genug gemacht, auch um zu überprüfen, wie viele Milben sich in der Restbrut aufhalten. Es sind weniger als 10 Prozent. Deshalb meine Anleitung.

Man braucht keinen Rauch, wenn man die Völker bei frostigen Temperaturen öffnet. Das Öffnen schadet den Völkern auch dann nicht, wenn es deutlich kälter ist als -10 °C. Die vorbereitete Oxalsäurelösung muss nicht erwärmt werden.

Sind die Völker brutfrei und sitzen eng, werden beim einmaligen Aufträufeln mehr als 95 Prozent der auf den Bienen sitzenden Milben getötet. Eine zweite Behandlung sollte auf keinen Fall erfolgen, um die Bienen nicht unnötig zu belasten. Allzu viele Bienen werden dann übersäuert und gehen ab. Deshalb heißt der zweite Grundsatz beim Beträufeln "Zweimal ist einmal zu viel". Der durch das Beträufeln ausgelöste Milbenfall hält vier bis fünf Wochen an, auch wenn etwa 80 Prozent der getöteten Milben bereits in der ersten Woche fallen. Wer nach der Behandlung mehr als 1.000 abgefallene Milben zählt, sollte sein Behandlungskonzept im Spätsommer hinterfragen und korrigieren.

Das war´s für dieses Jahr. Für das kommende wünsche ich Ihnen Gesundheit, varroaarme Völker und volle Honigtöpfe.

Ihr Dr. Gerhard Liebig

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