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Mais wird häufig überschätzt

29.04.2014

© Sabine Rübensaat

Maisfelder werden von Imkern oft als Quelle von Bienenvergitungen angesehen. Zurzeit sind jedoch keine Neonicotinoide als Beizmittel zugelassen.

dbj: Herr Pistorius, die Imker bereiten sich auf die Saison vor und wählen die Standorte für ihre Bienen aus. Sollten sie Feldränder besser meiden?

Pistorius: Nein. Alle zugelassenen Pflanzenschutzmittel wurden auf Bienenverträglichkeit geprüft. Solange sich der Landwirt an die Bienenschutzverordnung hält, müssen sich die Imker keine Sorgen machen.

dbj: Trotzdem kommt es immer wieder zu Schäden. Wie viele Verdachtsfälle gab es im Jahr 2011?


Pistorius: Es waren genau 150. Nicht hinter jedem Fall steckt aber auch tatsächlich ein Pflanzenschutzschaden. Bei etwa einem Drittel können wir sofort sehen, dass die Bienen an etwas anderem, etwa Varroose, zugrunde gegangen sind.

dbj: Bleiben also 100 Imker mit Spritzschäden?

Pistorius: Das kann man noch nicht so genau sagen. Erst einmal waren es nicht 150 Einsendungen, sondern Schadfälle, so nennen wir die Vorgänge. Hinter einem Schadfall können mehrere Imker stecken. Für 2011 haben wir die Daten noch nicht vollständig ausgewertet. In den Vorjahren waren bei etwa einem Drittel Pflanzenschutzmittel eindeutig ursächlich.

dbj: Sind die Fälle über ganz Deutschland verteilt?

Pistorius: Die meisten Meldungen kamen wie in den Jahren zuvor aus Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Zusätzlich war letztes Jahr Nordrhein-Westfalen auffällig. Von dort wurden uns Schadfälle von 25 Imkern gemeldet. Zwei Landwirte hatten gegen Blattläuse gespritzt und dabei den Bienenflug übersehen, einer in Kartoffeln, einer im Getreide. Davon waren gleich mehrere Imker betroffen. Wir konnten die Verursacher ermitteln. Die Imker werden für die Verluste entschädigt!

dbj: Entschädigung erhalten die Imker doch auch, wenn sich kein Verursacher ermitteln lässt, oder?

Pistorius: Können wir nachweisen, dass es ein Spritzmittelschaden war, zahlt die Versicherung. Es bleibt aber unbefriedigend, wenn wir keine Rückschlüsse ziehen können. Wir wollen wissen, in welcher Kultur es passiert ist, ob es eine Fehlanwendung war oder ob sogar die Zulassung des Mittels noch einmal auf den Prüfstand muss. Das können wir aber nur, wenn sich der Vorfall aufklären lässt. Und das geht nur, wenn der Imker den Schadensfall mit Pflanzenproben dokumentiert.

dbj: Gibt es Klassiker unter den Vergiftungsschäden, die immer wieder auftauchen?
 
Pistorius: Die Anwendung von bienengefährlichen Präparaten auf blühenden Kulturen und Nichtbeachtung der Bienenschutzordnung. Wir haben jedes Jahr einige Fälle, in denen Landwirte Tankmischungen aus Pyrethroiden und Azolen genutzt haben. Beide Wirkstoffe sind für sich genommen nicht bienengefährlich. Wenn sie gemischt werden, ändert sich das. Frevel macht um die 20 % aus. Das sind Fälle, in denen jemand mutwillig Insektenvertilgungsmittel ins Flugloch sprüht.
 
dbj: Gibt es Trachten, in denen mehr Schaden entsteht als in anderen?
 
Pistorius: Die meisten Schäden werden aus dem Raps gemeldet. Im Vergleich zur Anbaufläche sind es aber wenig. Problematischer ist es, wenn Landwirte in trachtarmen Zeiten den Bienenflug in Kartoffeln, im Getreide oder im blühenden Spargel nicht sehen. Damit rechnen übrigens auch Imker nur sehr selten! Mais steht bei den Imkern sehr stark unter Verdacht. Das merken wir daran, dass diese manchmal Pflanzenproben von einem 300 Meter entfernten Maisfeld schicken, und von dem Rapsfeld, an dem die Bienen standen, gar nichts.
 
dbj: Birgt der Mais Gefahren für Bienen?
 
Pistorius: Nein. Seit den Vorfällen am Oberrhein betrachten die Imker rot gebeiztes Saatgut mit großem Argwohn, dabei ist Saatgut immer rot gebeizt – aber nicht mehr mit Neonicotinoiden, die wurden für Mais als Beize nicht wieder zugelassen. Es gibt auch kaum Spritzungen in die Blüte, einmal weil es hier keine Schädlinge gibt, die die Blüten befallen – und dann bräuchten die Landwirte Stelzenschlepper, und die hat fast niemand.
 
dbj: Sind Spritzungen in die Blüte bei anderen Kulturen ein Problem, etwa bei Raps oder in Obstplantagen?
 
Pistorius: Mittel, die in die offene Blüte gespritzt werden dürfen, weil sie als bienenungefährlich eingestuft wurden, tun den Bienen tatsächlich nichts. Aber es ist natürlich trotzdem besser, wenn die Biene nichts abbekommt, schon weil dann keine Rückstände in den Honig gelangen. Das kann man oft durch Gespräche mit dem Landwirt ganz einfach und friedlich regeln.
 
dbj: Wie sieht es mit Sonderkulturen wie Sonnenblumen oder Buchweizen aus?
 
Pistorius: Es gibt kaum Mittel für solche Kulturen, weil sich der Zulassungsaufwand nicht lohnt. Von solchen Flächen bekommen wir nur selten Schadfälle gemeldet.
 
Die Fragen stellte Silke Beckedorf.

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