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Höchstens eine Wachsschleife

04.04.2017

© Michael Weiler

Michael Weiler.

■ Der aktuelle Wachsskandal hat auch vor der Bioimkerei nicht haltgemacht. Sind Ihnen Demeter-Imker bekannt, die betroffen sind?
Michael Weiler: Ich habe eine Rundmail geschickt, aber bislang noch keine Rückmeldungen erhalten. Allerdings ist die Gefahr für Demeter-Imker auch deutlich geringer, von dem Skandal betroffen zu sein.

■ In der Demeter-Imkerei werden seltener Mittelwände eingesetzt. Wie sehen die Richtlinien des Verbandes hierzu aus?
Der Einsatz von Mittelwänden ist in der Demeter-Imkerei nur als Kompromiss anzusehen. Er ist im Honigraum erlaubt. Im Brutraum müssen die Bienen hingegen ihre eigenen Waben bauen. Für die Mittelwände darf nur Entdeckelungswachs oder das Wachs von Naturwabenbau aus der Demeter-Imkerei verwendet werden. Wird eine Wabe aussortiert, die aus einer Mittelwand stammt, darf dieses Wachs nicht wieder im Bienenvolk verwendet werden. Die Konsequenz ist, dass das Wachs getrennt werden muss und wir keinen Wachskreislauf, sondern höchstens eine Wachsschleife durch den Honigraum haben.

■ Warum ist Ihnen der Naturbau so wichtig?
Das Ausschwitzen des Wachses und der Wabenbau sind elementare Lebensäußerungen des Biens. Diese wollen wir in der Imkerei so weit wie möglich zulassen. Der Wabenbau ist eine sehr individuelle Angelegenheit eines Bienenvolkes. So hat jedes Volk sein eigenes Duftmuster, das stark mit dem Wachs zusammenhängt. Und die Biografie des Volkes schreibt sich individuell in den Wabenbau hinein.

Außerdem tragen die Bienen immerzu Stoffe aus der Umwelt ins Volk ein. Hier hat der Wabenbau eine Funktion vergleichbar einer Leber. Er entgiftet ständig. Da muss man sich fragen, was man da eigentlich ins Volk einbringt, wenn man das Wachs ständig recycelt.

■ Glauben Sie wirklich, dass fremdes Wachs ein Bienenvolk stört?
Ja, ich persönlich meine, dass es die Bienen stört. Ich kann Ihnen aber keine Daten nennen, die das belegen. Man kann mit Bienen natürlich alles Mögliche anstellen, und die machen einfach weiter. Es widerspricht aber meiner Einstellung, mit den Bienen beliebig umzugehen, nur weil sie das mit sich machen lassen.

■ Verwendet der überwiegende Teil der Demeter-Imker Mittelwände oder Naturwabenbau im Honigraum?
Das ist sehr gemischt. Die größeren Imkereien verwenden überwiegend Mittelwände, weil das zuverlässiger ist und schneller geht. Ich selbst benutze schon seit 20 Jahren keine Mittelwände mehr.

■ Produziert eine Demeter-Imkerei genug Wachs, um daraus regelmäßig Honigräume mit Mittelwänden zu bestücken?
Ja, das ist überhaupt keine Frage. Wir ernten im Schnitt etwa 500 g Wachs pro Volk und Jahr aus Naturbauwaben und Entdeckelungswachs. Wenn jemand wandert und häufiger erntet, fällt sogar noch mehr Wachs an. Da man den Honigraum nicht jedes Jahr komplett erneuert, reicht das vollkommen aus.

■ Naturwabenbau wird als nachteilig bei der Honigernte angesehen, weil die Waben leichter zu Bruch gehen. Ist das ein großes Problem?
Wir arbeiten vorwiegend mit Halb- oder Flachzargen als Honigräume, da wir im Brutraum ein großes Rähmchenmaß – wie beispielsweise Dadant – einsetzen. Die kleineren Waben sind bereits stabiler und dürfen übrigens auch gedrahtet sein. Ich mache das nicht und gehe beim Honigschleudern mit meiner Tangentialschleuder dann einfach sachte heran, indem ich erst eine Seite halb ausschleudere und dann die Wabe wende. Geht doch mal eine Wabe zu Bruch, wandert sie eben in den Wachsschmelzer. Das empfindet man aber nicht als Verlust. Insofern hat man immer einen Gewinn.

■ Wie erreicht man, dass die Bienen einen Brutraum mit schönem Naturwabenbau füllen?
Man fängt normalerweise mit einem Schwarm an, der in der Regel nur Arbeiterinnenbau errichtet. Dazu sollte man ihm nicht den gesamten Brutraum zur Verfügung stellen, sondern den Platz mit zwei Schieden einschränken. Sonst bauen die Bienen in die Breite und nicht bis nach unten. Ein Raum mit fünf oder sechs Dadanträhmchen reicht zum Brüten meist vollkommen aus. Den schafft der Schwarm, in zehn bis 14 Tagen komplett auszubauen. Die Rähmchen sollten dafür mit Leitstreifen aus Wachs oder mit einem schiffskielförmigen Oberträger ausgestattet sein. Anschließend erweitere ich, und da können die Bienen dann bauen, was sie wollen. Allerdings legen sie später im Jahr eh nicht mehr so viel Drohnenbau an.

■ Und im folgenden Jahr?
Da erweitere ich auch nur mit Leerrahmen. Was die Bienen dann bauen, ist sehr individuell. Das kann nur Drohnenbau sein, andere bauen erst Arbeiterinnenzellen und dann Drohnenecken. Und jetzt kommt sicher gleich die Varroafrage …

■ Genau. Wenn der Drohnenbau über die Waben verteilt ist, erschwert dies die Varroabekämpfung durch Drohnenbrutentnahme. Wie handhaben die Demeter-Imker das?
Das Drohnenbrutschneiden ist auch in der Demeter-Imkerei erlaubt. Die Imker gehen damit sehr verschieden um. Ich entscheide das situativ. Ist ein ganzer Rahmen mit Drohnenbau verdeckelt, nehme ich ihn heraus.

■ Viele konventionelle Imker wollen oder können ihre Völker nicht schwärmen lassen. Funktioniert die Imkerei mit Naturwabenbau auch ohne abgehende Schwärme?
Unsere Richtlinien sagen nicht, dass man die Völker schwärmen lassen muss. Man kann den Schwarm auch vorwegnehmen, wenn das Volk akut in Schwarmstimmung ist. Dann simuliert man den Vorschwarm, indem man einen Schwarm mit der alten Königin bildet und in eine leere Beute einquartiert.

■ Mindert es nicht den Honigertrag, wenn man die alte Königin dem Schwarm zusetzt?
Ich frage mich, ob es tatsächlich so ist. Wenn ein Volk in Schwarmstimmung gerät, sollte es ja eigentlich schon ein oder zwei Honigräume vollhaben. Versuche von Dr. Gerhard Liebig zeigten beispielsweise, dass die Völker, die in Schwarmstimmung geraten, in der Tendenz den meisten Frühtrachthonig haben. Man muss sich dann überlegen, was man mit dem Standvolk macht. Teilt man es nicht in Ableger auf, bricht man alle Zellen bis auf zwei. Das Volk erfährt dann noch einen massiven Zuwachs durch schlüpfende Brut. Dadurch ist es weiterhin produktiv.

■ Wenn die Bienen die Waben selbst bauen, sollen sie je nach Literaturangabe fünf bis zehn Kilogramm Honig pro Kilogramm Wachs verbrauchen. Imker mit Naturwabenbau sollten folglich weniger Honig ernten.
Ich halte diese Rechnerei für imkerliche Selbsttäuschung. Der Eigenbedarf der Völker ist ja viel höher als das, was der Imker erntet. Das sind ja nur fünf bis zehn Prozent von dem, was bei einem Volk überhaupt durchgeht. Wenn ein Schwarm sechs bis acht Waben im Naturbau ausbaut, entspricht das einer Produktion von 400 bis 600 Gramm Wachs. Das wären also vielleicht zwei bis vier Kilogramm Honig. Das ist doch Pillepalle. Die Imker denken da in falschen Dimensionen. Vor allem wenn man Honigraumwaben lagert und wiederverwendet, ist die Wachserzeugung eines Volkes innerhalb eines Jahres in Bezug auf den Honigverbrauch doch vernachlässigbar. Da muss man mal den eigenen Horizont öffnen.

■ Insgesamt haftet der Demeter-Imkerei allerdings der Vorwurf an, nicht wirtschaftlich zu sein. Wie sehen Sie das?
Das ist eine sehr interessante Frage, aber: Wie viele Imkereien in Deutschland sind überhaupt wirtschaftlich? Wie viele existieren unter dem Motto „Ich muss arbeiten, um mir meine Bienen leisten zu können“? Ich behaupte mal, dass 80 % der Imkereien nicht wirtschaftlich sind. Die Imker rechnen das aber auch nicht so. Selbst bei Berufsimkereien gibt es häufig einen Zuverdiener oder zum Beispiel eine Schreinerei dabei. Einige Bioimkereien haben vielleicht durch die höheren Verkaufspreise und individuelle Vermarktungsstrategien ein funktionierendes Geschäftsmodell.

■ Wenn das Wachs aus Mittelwänden in der Demeter-Imkerei nicht wiederverwendet werden soll, darf es dann für die Mittelwandherstellung in der konventionellen Imkerei abgegeben werden?
Ja, das könnte man machen, wenn man nicht noch bessere Wege findet. Einige veredeln ihr Wachs zu Kerzen. Andere haben Beziehungen zu Naturkosmetikern, die Bienenwachs brauchen. Hier gibt es eine zunehmende Nachfrage. Durch eine neue Verordnung darf für entsprechende Biolebensmittel zukünftig auch nur noch Biowachs in der Verarbeitung als Trennmittel eingesetzt werden. Das wird eine zusätzliche Nachfrage erzeugen. Generell sollten sich die Imker klarmachen, wie viel Arbeit im Wachs steckt. Dann sind selbst die gestiegenen Wachspreise kaum verständlich und immer noch viel zu niedrig. Ich denke daher, dass sich das Wertempfinden für Bienenwachs dringend ändern sollte.

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