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Schnelltest für Wachs

04.04.2017

© Sebastian Spiewok

Beide Mittelwände lagen zwölf Stunden lang in Mineralwasser. Die obere Mittelwand enthält Stearin, die untere ist aus reinem Bienenwachs.

Test auf Stearin

Eine zufällige Entdeckung scheint sich als Schnelltest für Stearinverfälschungen von Bienenwachs zu eignen. Nachdem Jörg Thie, Freizeitimker am Niederrhein, von den Diskussionen um das Trennmittel gehört hatte, das bei der Mittelwandherstellung verwendet wird, hielt er seine Mittelwände unter den Wasserhahn, um das Mittel abzuwaschen. „Das fühlte sich irgendwie seltsam seifig an“, erzählt Thie, „da dachte ich mir, das kann doch nicht sein, und legte die Wände komplett in Wasser ein.“ Als er sie später herausnahm, liefen sie weiß an.

Sobald Markus Gann, der den Wachsskandal an die Öffentlichkeit gebracht hatte, von dieser Neuigkeit erfuhr, startete er seine eigenen Versuche. „Die Reaktion sieht man, wenn man Leitungs- oder Mineralwasser verwendet. Versuche mit Essig, Oxalsäure, destilliertem Wasser oder destilliertem Wasser mit Kalziumtabletten haben keine Reaktionen verursacht“, berichtet Gann. Er hat echtes Bienenwachs sowie Verschnitte mit etwa 5–30 % Stearin verwendet. Dabei wiesen nur die Wachsproben mit Stearin nach dem Trocknen einen weißen Belag auf.

Ich habe den Test mit Mittelwänden aus reinem Bienenwachs, aus Wachs mit Stearin und mit eingeschmolzenen Wachsstücken mit 5–50 % zugesetztem Paraffin nachgestellt. Die Proben legte ich – mit einem Gewicht beschwert – in Schüsseln voll Selters. Nach einer Stunde habe ich die Proben aus dem Waser entfernt und mit einem Küchentuch abgetrocknet. Weder das reine Bienenwachs noch die Gemische mit Paraffin zeigten eine Reaktion. Anders das Wachs mit Stearin: Die getrocknete Probe wieß einen leichten Grauschleier auf, der an angelaufene Bienenwachskerzen erinnerte. Nach insgesamt zwölf Stunden im Wasser lief der getrocknete Stearinverschnitt kreideweiß an (siehe Foto). Der Belag ließ sich weder mit einem Fön entfernen noch abwaschen, dafür aber mit dem Fingernagel abkratzen.

Dr. Giancarlo Quaglia vom italienischen Analyselabor Floramo Corporation vermutet, dass das Wasser Stearinsäure aus dem Wachs zieht – auch wenn sie im Wasser nur schwach löslich ist – und diese sich auf dem Wachs niederschlägt. Paraffin sei in Wasser hingegen nicht löslich, sodass entsprechend verfälschtes Wachs keine Reaktion zeige. Ob andere zugesetzte Stoffe im Bienenwachs solch eine Reaktion verursachen, müsste noch untersucht werden. Das schlichte Wässern könnte ein einfacher Test sein, der einen ersten Hinweis auf eine Verfälschung mit Stearin liefert. Bei positivem Ergebnis läge dann eine genauere Untersuchung nahe.

Test auf Paraffin

Harnstofflösung hat bei dieser mit Paraffin verschnittenen Probe, aber auch bei reinem Bienenwachs zu Auskreidungen geführt. © Sebastian SpiewokAls Nachweismethode für Paraffin in Bienenwachs wird zurzeit ein Test mit konzentrierter Harnstofflösung gehandelt. Eine entsprechende Methode wurde bereits 1956 von Dr. W. Hessler in der Fachzeitschrift Fette, Seifen, Anstrichmittel veröffentlicht. Er beschrieb, wie man durch das Auftröpfeln der Lösung bereits Verfälschungen von einem Prozent Paraffin nachweisen könne, da der Harnstoff bei verschnittenem Bienenwachs ein Ausblühen des Paraffins verursache.

Auf diese Veröffentlichung war Fiona Fleßer, zweite Schatzmeisterin des Imkerverbandes Rheinland, gestoßen. Sie arbeitet bereits seit 30 Jahren in einem Labor und wiederholte kurzerhand den Versuch mit Stücken aus Jungfernwachs und verschiedenen Mischungen aus Bienenwachs und Teelichtern unbekannter Zusammensetzung. Auf die angerauten Wachsstücke gab sie jeweils einen Tropfen konzentrierte Harnstofflösung (10 g in 10 ml destilliertem Wasser). Anschießend legte sie die Proben in den Brutschrank bei 40 °C, damit die Lösung eintrocknete. Nach dem Abspülen der Harnstoffkristalle konnte auch Fleßer Auskreidungen auf dem Wachs entdecken, aber – anders als in der Veröffentlichung von Hessler beschrieben – beim reinen Bienenwachs.

Den Versuch habe ich mit reinem Bienenwachs nachgestellt und mit solchem, das 5–50 % zugesetztes Paraffin enthielt. Ein erster Durchgang mit schwächer konzentrierter Lösung und einer Heizung als Wärmequelle führte bei keiner Probe zu einer Reaktion. Im Backofen bei etwa 50 °C waren nur bei einer Probe aus reinem Bienenwachs deutliche Auskreidungen zu erkennen. Bei der Wiederholung des Versuchs mit gesättigter Harnstofflösung wiesen dann jedoch sämtliche Proben Auskreidungen auf. Dies bezeigt bereits, dass es ohne standardisierte Bedingungen schwierig ist, vergleichbare Resultate zu erhalten. Hessler vermutete in seiner Veröffentlichung, dass die Reaktion auf der Quellfähigkeit des Paraffins beruhe. In diesem Fall sollten tatsächlich alle Proben Auskreidungen aufweisen, da Bienenwachs bereits natürlicherweise Paraffin enthält. Aufgrund der widersprüchlichen Ergebnisse kann dieser Test vorerst nicht als Schnelltest empfohlen werden.

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