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Wachs am laufenden Band

03.04.2017

© Kahlwax

Das raffinierte Wachs wird in langen Pastillierstraßen zu kleinen Wachspastillen verarbeitet.

Bildergalerie: Wachs am laufenden Band

Die Mengen an Wachs, die die Firma Kahlwax weltweit einkauft, sind für einen Freizeitimker mit wenigen Völkern kaum vorstellbar. Rund 1.500 t Bienenwachs verarbeitet das Unternehmen pro Jahr. Hinzu kommen rund 2.500 t weitere Naturstoffe, wie Sonnenblumen-, Reis- oder Myrthenwachs. Auch Carnaubawachs von Palmen aus dem Nordosten Brasiliens und das Wachs des Candelillabusches aus Mexiko und den Südstaaten der USA gehören zu ihrem Sortiment. Damit ist Kahlwax mit Sitz im schleswigholsteinischen Trittau und rund 50 Beschäftigten eine der größten Naturwachsraffinerien der Welt.

„Unsere Wachse sind in vielen Produkten, ohne dass die Leute uns kennen“, erzählt Marc Schlüter, Verkaufsleiter der Firma. „Es gibt kaum einen Lippenstift ohne Bienenwachs von uns. Unser Wachs sorgt dafür, dass M&M‘s nicht in der Hand schmelzen. Es steckt in Kaugummis und dient als Hohlraumversiegelung in Autos. Selbst beim Reflektionsstreifen des 50-Euro-Scheins ist Wachs von uns im Spiel.“

„In Deutschland werden jährlich rund 500t Mittelwände aus importierten Bienenwachs verbraucht“, schätzt Malte Bakschis, der ebenfalls für Kahlwax im Vertrieb arbeitet. „Allerdings nicht nur für die Bienenhaltung, sondern auch für die Kerzenherstellung.“ Das meiste Bienenwachs stammt aus China und aus einigen afrikanischen Staaten. „Das waren schon immer große Wachsproduzenten“, sagt Bakschis. „Hinzu kommen Länder wie Vietnam und Argentinien sowie die Region Ozeanien.“ Warum dort derart große Mengen erzeugt werden, während anderswo viel Wachs importiert werden muss, kann Bakschis nicht erklären. Aus Deutschland kauft die Firma entsprechend kein Bienenwachs ein. „Unsere Einkaufsgrößen beginnen bei fünf Tonnen“, erklärt Bakschis. „Diese Menge kann hierzulande keiner liefern. Kleinere Chargen sind für uns nicht wirtschaftlich, da sie in der Regel nicht homogen sind und deren Analysen viel zu viel kosten würden.“

Zu wenig Wachs auf dem Markt

Das raffinierte Wachs wird in langen Pastillierstraßen zu kleinen Wachspastillen verarbeitet. © KahlwaxAuf dem Weltmarkt gibt es nur eine Handvoll Rohstoffverarbeiter von Naturwachsen – man kennt sich untereinander. Händler gibt es hingegen etliche, ebenso Importeure, die die Ware einfach durchreichen. Da Bienenwachs ein knappes Gut darstellt, ist der Markt hart umkämpft. „Im Grunde gibt es immer eine Unterdeckung der Ware, und der Bedarf steigt“, führt Bakschis aus. „Außerdem fielen in den letzten Jahren Lieferländer wie die USA weg, die aufgrund des Völkerrückganges nicht mehr exportieren, sondern nun importieren.“ Meist geht es um Unterschiede von wenigen Cents pro Kilogramm, die beim Einund Verkauf über den Zuschlag entscheiden. „Wir kaufen bei wenigen Anbietern, die wir seit längerer Zeit kennen“, erzählt Bakschis. „Bei billigen Angeboten sind wir doppelt aufmerksam. Ich wäre schon skeptisch, wenn jemand uns Wachs 50 Cent billiger anbieten würde. Das sind bei den gehandelten Mengen bereits große Summen.“

Der Wachspreis ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. „Im Jahr 2000 kostete ein Kilogramm Bienenwachs noch 3,50 DM. Jetzt liegt der Preis für raffiniertes Bienenwachs in Pastillen bei etwa neun bis 9,50 Euro pro Kilogramm. Handelsware ist im Schnitt einen Euro billiger, pestizidarmes Wachs rund zwei Euro teurer“, erläutert Bakschis.

Das Bienenwachs wird auch in Lebensmitteln eingesetzt. © fotolia.deIst der Markt für konventionelles Bienenwachs bereits heiß umkämpft, so ist Biowachs ein ganz heikles Thema. Dessen Jahresproduktion liegt lediglich bei 60–80 t und somit weit unter der Nachfrage. Das führt zu besonders hohen Preisen. „Seriöse Quellen sind im Grunde nur Ozeanien und zwei bis drei Länder in Afrika“, sagt Bakschis. Sein Kollege Marc Schlüter ergänzt: „Das beste Biowachs kommt aus Neuseeland und kostet etwa 35 bis 50 Euro. Der Preis hängt von der Menge ab, die man kauft. Gerade bei Biowachs kommen viele Analysen und Audits hinzu, die die Ware zusätzlich verteuern.“ Fällt in diesem Sektor ein Produzent aus, macht sich das sofort am Markt bemerkbar. So berichtet Schlüter von einem Fall, in dem ein Landwirt falsch spritzte, wodurch ein großer Biowachsproduzent seine Zertifizierung verlor. „Vor ein paar Jahren kostete das Kilogramm Biowachs noch rund 13 Euro. Da haben die Imker das auch noch gekauft“, sagt Schlüter. Inzwischen gibt es immer weniger Fachhändler, die Mittelwände aus Biowachs anbieten: Im Dezember bot nach Recherchen des dbj nur etwa jeder fünfte Fachhändler in Deutschland Mittelwände aus Biowachs an. Der Preis lag bei rund 32 Euro pro Kilogramm.

Die rasant steigenden Preise machen das Verschneiden von Bienenwachs immer lukrativer. „Das Problem mit verschnittenem Bienenwachs ist seit Jahren bekannt“, führt Bakschis aus. „Wir wurden in der Vergangenheit mehrfach mit Bienenwachs betrogen, das bis zu 30 % Paraffin enthielt. In 90 % der Fälle handelte es sich um Ware aus China. Aber auch aus Osteuropa und Nordafrika gibt es gestrecktes Wachs – wobei nicht immer klar ist, welches das eigentliche Ursprungsland der Ware ist.“ Bakschis betont allerdings, dass man aus China auch sehr gute Ware beziehen könne: „Es ist nicht korrekt, allem, was aus China kommt, pauschal eine schlechte Qualität zu unterstellen. Die großen Produzenten in China sind von der Qualität her in Ordnung. Da kauft auch unsere Konkurrenz ein.“ Geruch wie Aschenbecher

Trotz einiger kursierender Vorbehalte gegen Wachs aus Afrika bescheinigt Bakschis dieser Ware nach wie vor eine gute Qualität: „Dort kommt in diversen Ländern die Varroa noch nicht vor, sodass die Imker keine Medikamente einsetzen. Zudem wird in vielen Regionen kaum intensive Landwirtschaft betrieben.“ Das Pestizid DDT stelle eher selten ein Problem im Wachs dar, berichtet Bakschis. „Wir hatten aber schon mal den Fall, dass Ware damit stark belastet war. Damals hatten Arbeiter das Wachs durch Moskitonetze gefiltert, die mit DDT imprägniert waren.“ Allerdings verweist Bakschis auf ein anderes Problem mit afrikanischem Bienenwachs: „Es riecht meist nach Aschenbecher, und der Geruch geht auch durch das Raffinieren nicht vollständig verloren.“

Rund 500 Tonnen Importwachs gehen in Deutschland in die Mittelwandproduktion. © pixelio.de/UtaahhhUm die Qualität des Bienenwachses zu überprüfen, analysiert Kahlwax vor dem Einkauf ein Muster der Ware, das der Verkäufer schickt. Auch von der eigentlichen Wachslieferung werden nochmals Proben von allen Seiten für eine weitere Untersuchung genommen. Zwar legen die Anbieter auch eigene Zertifikate vor, aber vor allem einem Zertifikat aus China würden Bakschis und Schlüter nie trauen. Daher wird jeweils eine externe Firma in Deutschland mit der Rückstandsanalyse beauftragt. Um die Reinheit des Wachses zu überprüfen, betreibt Kahlwax hingegen ein hauseigenes Labor mit fünf Angestellten. „Wir orientieren uns bei der Definition von reinem Bienenwachs an der RAL-Norm der deutschen Kerzenindustrie, die einen Kohlenwasserstoffgehalt von maximal 18 % vorgibt“, erklärt Bakschis. „Reines Bienenwachs hat je nach Herkunftsland einen natürlichen Kohlenwasserstoffanteil von durchschnittlich zwölf bis 16 %. Chinesisches Bienenwachs liegt meist bei 16 bis 18 %, vermutlich weil da – genau wie in Deutschland auch – über Jahre hinweg kleinere Mengen Paraffin in den Kreislauf geraten sind. Das heißt aber nicht, dass das Wachs vorsätzlich verschnitten wurde. Wer sowas in betrügerischer Absicht macht, gibt sich für gewöhnlich nicht mit ein bis zwei Prozent zufrieden.“

Nach dem Raffinieren überprüft Kahlwax die Ware ein weiteres Mal. „Auf diese Weise gehen wir sicher, dass auch die Qualität aus der Anlage herauskommt, die wir hineingesteckt haben“, erklärt Bakschis. Damit sich das Wachs nicht mit Resten einer zuvor bearbeiteten Charge vermischt, wird die Anlage vor Gebrauch mit dem neuen Wachs durchgespült, und die ersten 100 kg landen im Abfall.

Zur Verarbeitung werden die Wachsblöcke in riesige Kessel mit einem Fassungsvermögen von 5.000 l gegeben. Darin wird die Ware auf 120 °C erhitzt, um sie von eventuell vorhandenen Faulbrutsporen zu befreien. Außerdem wird das flüssige Wachs durch Aktivkohlefilter gepresst, die neben Schmutzteilchen auch verschiedene Pestizidrückstände herausfiltern. „Fettliebende Stoffe wie Fluvalinat lassen sich auf diese Weise allerdings nicht aus dem Wachs entfernen“, schränkt Bakschis ein. „Auch Paraffin oder Stearin lassen sich so nicht vom Bienenwachs trennen. Das ist technisch nicht möglich.“

Das eingekaufte Wachs wird meist in Form von Wachsblöcken geliefert. © KahlwaxDas gereinigte Wachs wird anschließend zu kleinen Pastillen verarbeitet. Dazu wird das heiße Wachs auf zwei sich drehende Walzen mit entsprechendem Prägemuster gegossen. Die noch warmen Pastillen fallen auf ein langes Förderband, das mit einer Kühleinrichtung versehen ist. Am Ende des Bandes rutschen sie ein Rohr hinunter, um sogleich in einem Sack verpackt zu werden. „Ohne Kühlung würden die Pastillen am Ende des Förderbandes noch zu warm und zu weich sein“, erzählt Bakschis. „Wir haben schon erlebt, wie sie bei fehlender Kühlung in den Säcken zu unförmigen Brettern zusammengepresst wurden.“

Neben den Pastillen verkauft Kahlwax auch Wachsplatten an die Verarbeiter. Für die Kosmetikbranche kann der Naturstoff während des Raffinierens mit Kieselgur gebleicht werden, weil das Gelb des Wachses den Produkten sonst einen ungewollten Stich verleiht. Auf Wunsch färbt die Firma ihre Ware aber auch ein und parfümiert sie. So kann das Wachs für Kerzenhersteller beispielsweise rot ausfallen und künstlichen Honigduft verströmen. In seiner Bienenwachssparte verkauft die Firma auch Mischungen, die nur zum Teil aus Bienenwachs bestehen. Diese werden unter anderem für Schuhcreme verwendet. Auch rein synthetisches „Bienenwachs“ ist im Warenkatalog vertreten. Dazu gehört unter anderem Wachs aus pflanzlichen Stoffen, das in veganen Produkten eingesetzt werden kann. Diese Wachse sind jedoch stets als Ersatzstoffe ausgewiesen, deren Zusammensetzung der Kunde auf Nachfrage erfahren kann. Ein Mittelwandhersteller kann in diesem Fall also nicht aus Versehen Wachs kaufen, das nicht für die Imkerei vorgesehen ist.

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