Erfahrungsbericht: Seit einem Jahr Jungimkerin

17. Mai 2020

Magdalena Arnold ist Online-Redakteurin beim Deutschen Bienen-Journal und berichtet hier von ihren Erfahrungen als Jungimkerin und wie sie zur Imkerei kam.

Ganz hinten im Bienenwagen habe ich mich eingerichtet. Bis jetzt sind es nur ein paar Aufbewahrungsboxen, in die ich alles verstaut habe. Der Bienenwagen steht voll mit der Ausrüstung meines Großvaters: alten Hinterbehandlungsbeuten, leeren Rähmchen, zwei verrosteten Schleudern, einem Abfüller, alten Honigfässern und diversen anderen Imkereigeräten.

Ich habe sogar noch eine Flasche uralter Ameisensäure und acht Kilogramm Zucker gefunden. Mein Opa hatte es nicht so mit der Ordnung, es sei ihm verziehen. Vor ein paar Tagen ist er 89 Jahre alt geworden; er hat sein Leben lang leidenschaftlich gern geimkert, bis sein Bienenwagen immer wüster wurde und er altersbedingt mit seiner Imkerei aufhören musste. Dafür bin ich jetzt da: Jungimkerin seit einem Jahr. Bis ich meinen eigenen Imkerraum beziehen kann, laufe ich durch den Bienenwagen, wenn ich an meine Boxen muss, und schmeiße zwischendurch immer mal wieder Sachen weg.

Ausgabe 11/2020

Titelbild Ausgabe 11/2020 DBJ

Top-Themen:

  • Schwerpunkt Imkergesundheit
  • Honig cremig rühren
  • Wespenfest in Japan

>> zur aktuellen Ausgabe

Im letzten Jahr haben mein Vater und ich etwa zwanzig alte Beuten verbrannt. So richtig leer wird der Wagen trotzdem nicht. Die Erinnerung an vergangene Imkertage lebt mit ihm – und irgendwie fühle ich mich deshalb auch mit ihm und meinem Opa verbunden. Aber nicht nur damit: meine Verbundenheit gilt vor allem den Bienen. Zum Glück habe ich mich vor einem Jahr für sie entschieden.

„Ich habe da einen Schwarm für dich“

Der Anruf des Vorsitzenden unseres Imkervereins vor einem Jahr kam überraschend. Ich hatte schon einige Zeit vorher mit ihm gesprochen; und er hatte mich eigentlich aufs kommende, also dieses Jahr, vertröstet. Mein Imkerkurs war gerade abgeschlossen, ich hatte bereits einige Bücher über Bienen und die Imkerei gelesen, die Beute stand schon bezugsfertig. Ich wäre also nun bereit für die echte Imkerpraxis gewesen. „Ich bin in diesem Jahr schon Imkerpate, außerdem will ich dich nicht gleich vor die Mammutaufgabe des Überwinterns stellen, wenn du deine Bienen erst im Juli erhältst“. Ich hatte ein bisschen Sorge vor der Verantwortung und fand daher, er habe recht. Das Jahr würde mir noch einmal Bedenkzeit geben. Ich war erleichtert. Ein paar Wochen später rief er an. „Mir ist doch ein Schwarm entrissen, magst du ihn haben?“, fragte er mich. Einen Tag später waren die Bienen in meine erste Beute, eine Bienenbox, eingezogen, und ich hin- und hergerissen.

Hallo Bienen, hallo Verantwortung

Ich würde von April bis Oktober fast jede Woche in die Heimat nach Thüringen fahren müssen, um nach den Bienen zu sehen, wo ich mich doch in meinem Studienort Halle gerade so richtig eingelebt hatte. Die Bienen in Halle aufzustellen war für mich keine Option. Der Standort bei meinen Eltern schien mir zu perfekt. Ich müsste weitere Investitionen starten und mein Erspartes für Gerätschaften ausgeben. Es fühlte sich ein wenig wie Einschränkung und Freiheitsberaub an, denn ich könnte nicht mehr spontan entscheiden, an welchem Ort ich mein Wochenende dieses Mal verbringe. Ich gebe zu, ich habe am Anfang meines Imkerdaseins ein paar Tränen vergossen, weil ich dachte, ich würde das niemals schaffen. Die Verantwortung, das fachliche und praktische Wissen, die Zeit, der körperliche Einsatz – zu viel von allem?

Magdalena Arnold berichtet von ihren Erfahrungen als Jungimkerin. Hier sind unbenutzte Rähmchen im Bienenwagen zu sehen.
Alte, noch unbenutzte Rähmchen hängen an der Decke des Bienenwagens. Foto: privat

Imkern: Probieren geht über Studieren

Heute weiß ich: bevor man es nicht ausprobiert hat, kann man es nicht wissen. Was sich anhört wie eine Coaching-Plattitüde, birgt doch einen wahren Kern. Zweifel sind erlaubt und gut, schließlich handelt es sich bei der Bienenhaltung um ein verantwortungsvolles Hobby, das Expertise, Zeit und ständiges Dazulernen fordert. Wer im Frühjahr und Sommer gern jedes Wochenende unterwegs sein möchte, sollte sich einmal mehr fragen, ob das Imkern das Richtige für ihn ist. Auch ich stelle mir diese Frage noch oft, komme aber immer zu dem Entschluss: meine Freiheit liegt darin, am Wochenende nach Hause fahren zu können, um mich um die Bienen zu kümmern. Dieses Hobby ist ein Privileg, das ich unglaublich schätze. Ich bereue meine Entscheidung für die Bienen nicht, kann aber auch verstehen, wenn andere nach gewisser Zeit wieder mit dem Imkern aufhören.  

Ich bekomme nicht genug

Jetzt, ein Jahr nachdem ich als Jungimkerin gestartet bin, sieht es so aus: Mein erster einlogierter Bienenschwarm vom letzten Jahr hat sich prächtig entwickelt, sofern ich das als Jungimkerin richtig einschätzen kann. Ich bin stolz und immer noch kontinuierlich nervös. Geht es dem Volk gut? Mache ich etwas falsch? Was kann ich besser machen? Ich würde behaupten: Ich habe das Volk ganz gut über den Winter gebracht. Auch in dieser Saison macht es sich super. Es hatte schon früh Schwarmzellen angelegt, weshalb ich meinen ersten Kunstschwarm vor einigen Wochen bilden konnte. Die Honigernte steht kurz bevor. Ich bin aufgeregt und freue mich, die Bienen über das Jahr zu begleiten. Gerade in der Coronazeit ist das Imkern eine wunderbare Beschäftigungsmöglichkeit und ich bin doppelt dankbar, dass ich letztes Jahr „Ja“ gesagt habe, als der Vorsitzende anrief.

Magdalena Arnold berichtet von ihren Erfahrungen als Jungimkerin
Magdalena Arnold ist Online-Redakteurin beim dbj. Foto: privat

Meine Wahl als Jungimkerin: Bienenbox statt Hinterbehandlung

Die vielen Meinungen der Imker, wie etwas zu sein hat oder nicht, sind für mich als Jungimkerin bis heute oft ziemlich frustrierend. Meistens weiß man danach gar nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Langsam bekomme ich allerdings ein Gespür dafür, mit der imkerlichen Meinungsvielfalt umzugehen. Ich kann jetzt immer besser einschätzen: Was möchte ich? Was ist mir wichtig? Und was tut meinen Bienen gut?

Ich hatte mich zuerst für die vieldiskutierte Bienenbox entschieden; ein Weihnachtsgeschenk an mich selbst, da die Beute den Geldbeutel mehr beansprucht als eine Magazinbeute. Ich kannte das lästige Ziehen der Waben mit der Zange in Hinterbehandlungsbeuten – davon wollte ich wegkommen; ich entschied mich dagegen, Opas alten, teils 40 Jahre alten Beuten zu sanieren. Die Vorteile der Bienenbox schienen mir schlüssig: Einraumbeute aus Holz, kein Heben, alles auf einen Blick, Kuntzsch-Rähmchen, die sich gut ziehen und abschütteln lassen. Mein persönliches Highlight würde aber das Sichtfenster sein! Tatsächlich hat sich das Sichtfenster bewährt: Für mich, weil ich das Innere des Stocks im Winter wie im Sommer intensiv beobachten kann, und auch für andere. Es ist immer wieder schön, Besucher in den Stock schauen zu lassen.

Magdalena Arnold berichtet von ihren Erfahrungen als Jungimkerin
Ein kleiner Luxus: das Sichtfenster in der Bienenbox. Foto: privat

Obwohl ich die Vorurteile gegen die Bienenbox kenne, bin ich immer noch zufrieden damit. Die beiden einzigen Makel sind für mich, dass sich Ameisensäure darin schwerer anwenden lässt, und der Fakt, dass sich die Beute nicht erweitern lässt. Ich habe mich trotzdem dazu entschieden, den Kuntschwarm in eine andere Beute zu setzen – aus Kostengründen und weil ich selbst einmal Erfahrungen mit Magazinbeuten sammeln möchte. Es ist die Hohenheimer Einfachbeute im Deutsch-Normalmaß geworden. Ich habe auch mit Dadant und dem angepassten Brutraum sympathisiert, allerdings ist mir das Ziehen der großen Bruträhmchen einfach zu unhandlich.

Jungimkerinnen und Jungimker, ihr seid nicht allein!

Ich möchte selbst erfahren, welche Beute und welches Betriebssystem das Richtige für mich sind. Den Appell möchte ich auch an alle Jungimkerinnen und Jungimker richten: Hört euch die Meinungen anderer Imker und Imkerinnen an, reflektiert diese, lasst euch nicht verunsichern, informiert euch, probiert aus! Es ist keine Schande, sich nicht sofort für ein System entscheiden zu können. Den Bienen ist die Beute egal. Hauptsache, es geht ihnen gut! Sorgt für sie, kümmert euch und scheut euch nicht davor Hilfe anzufordern und anzunehmen. Aller Anfang ist schwer, aber es wird sich vielleicht irgendwann rentieren.

Nur noch neun Jahre Jungimkerin

Nach zehn Jahren, so wurde mir gesagt, darf man sich vom Titel „Jungimker“ lösen. In neun Jahren bin ich 31 – und hoffentlich immer noch dabei und um einige Erfahrungen reicher. Dasselbe wünsche ich mir für andere Jungimker. Im alten Bienenwagen stehen meine Aufbewahrungsboxen dann hoffentlich nicht mehr. Vielleicht ist er dann für etwas anderes gut.

Magdalena Arnold

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Mit unserem Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand.

Fachinformationen

Mit dem Bienen-Journal bleiben Sie immer auf dem neusten Stand. Auch Imker mit langjähriger Berufserfahrung kommen auf Ihre Kosten.

Grundlagen

Wichtig für uns ist es, neben den Fachinformationen, Grundlagen zu vermitteln, die für die Imkerei von essenzieller Bedeutung sind.

Einsteiger

Auch Imker-Neulinge kommen nicht zu kurz! Sie wollen mit dem Imkern anfangen? Das dbj ermöglicht es Ihnen tief in die Welt der Bienen einzutauchen.

Abonnieren →


Themen: