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Die Geschichte der Bienen

08.09.2018

Die Geschichte der Bienen von der norwegischen Schriftstellerin Maja Lunde kommt mit Vorschusslorbeeren auf den deutschen Buchmarkt. Die Verfasserin erhielt den norwegischen Buchpreis, und das Buch stand wochenlang auf den norwegischen Bestsellerlisten. Der Titel (in der Originalausgabe: Bienes Historie) scheint allerdings etwas hoch gegriffen: Immerhin reicht die Geschichte der Bienen 40 Millionen Jahre zurück, während der Roman "nur" drei Episoden der Geschichte der Imkerei in drei verschiedenen Zeitebenen und auf drei verschiedenen Kontinenten aufgreift. Diese drei Geschichten werden im Wechsel erzählt.

Der erste Strang spielt im Jahr 2098 in einem totalitären chinesischen Staat. Die Bienen sind durch Umwelteinflüsse längst ausgestorben, sodass die Bestäubung von Hand durch Menschen ausgeführt werden muss. Wenn man diese beschriebene Fiktion mit den Verhältnissen in China, wie sie im Film des Schweizers Markus Imhoof More than Honey gezeigt werden, zur Deckung bringt, können einem schon Schauer über den Rücken laufen.

Der zweite Strang erzählt von dem Samenhändler und Biologen William Savage im England des Jahres 1852, der sich mit der Erfindung einer neuen Beute abmüht. Im Vergleich zu den gebräuchlichen Strohkörben soll sie eine schonendere und effizientere Honigernte ermöglichen. In der Tat haben Tüftler wie der fiktive Savage die moderne Bienenhaltung durch Beobachtung und Experiment erst möglich gemacht, die heute Erwerbsgrundlage für wenige und handhabbares Hobby für viele geworden ist. Savage hat im Buch nur das Pech, dass er im Zeitalter der Postkutsche nichts von Dzierzon oder Langstroth erfuhr, die die gleichen Ideen hatten.

Der dritte Strang greift die Probleme der Erwerbsimkerei in den USA im Jahr 2007 auf, die auf maximale Effizienz mit Fahrten von Tracht zu Tracht quer durch das riesige Land ausgerichtet ist – bis der Traum von immer weiter zu steigernden Erträgen im Colony Collapse Disorder zerplatzt.

Alle drei Szenarien beschreibt die Autorin leidenschaftlich und sprachgewandt. Der Stil wird aber wahrscheinlich den klassischen Romanliebhaber eher ansprechen als den doch eher sachlich denkenden Imker. Den aber wird es freuen, immer wieder Wissenswertes über die Bienen eingestreut zu finden, selbst wenn ihm das Meiste bekannt ist. Die Autorin hat sich als Nichtimkerin in bewundernswerter Weise in die Materie eingearbeitet. Ihr Fleiß steht dem der Bienen in keiner Weise nach. Man darf aber auch schon einmal einige Seiten querlesen, ohne den Faden zu verlieren.

Die Idee, den Stoff in drei Geschichten abzuhandeln, ist genial, wenn auch nicht ohne Tücken. Sie hat ihre Entsprechung im Wabenbau, wenn zum Beispiel die Bienen an drei Stellen des Oberträgers anfangen, die Wabe in drei Zungen nach unten auszubauen, bis sich das Ganze in einer bewundernswerten Geometrie zusammenfügt. So darf man aber auch hier erwarten, dass die drei Geschichten sich am Ende treffen, wenn es nicht drei selbstständige Romane in einem Buch bleiben sollen. Das gelingt jedoch nur teilweise. Trotzdem ist das Buch in jedem Fall lesenswert – auch, aber nicht nur für Imker.

Die Geschichte der Bienen
Maja Lunde
Verlagsgruppe Random House
509 Seiten
ISBN: 978-3-442-75684-1
Preis: 20 Euro

Das Buch "Die Geschichte der Bienen" gibt es auch in unserem Buchshop.>>>

Die Geschichte der Bienen gibt es auch in gekürzter Fassung als Hörbuch, gelesen von Bibiana Beglau, Thomas M. Meinhardt und Markus Fennert.
Der Hörverlag
Laufzeit ca. 602 Minuten
ISBN: 3442756847
Preis: 19,99 Euro

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