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Leserreise nach Armenien

10.01.2017

Das armenische Dorf Aigut

Fotos: Malte Frerick

Das armenische Dorf Aigut liegt in der Nähe des Sewansees. Hier imkert und lebt Hajk Howhannisjan mit seinen Eltern.

Nachdem uns der Imker Hajk Howhannisjan im letzten Jahr im Bienen-Journal seine Imkerei vorgestellt hatte, entschloss sich das dbj, eine Leserreise in das kleine Land zu organisieren. Die knapp 30 Teilnehmer trafen während der Reise im Oktober auf offene Menschen, besondere Bienen und alte Klöster.

Unser Honig hat eine sehr hohe Qualität, weil unsere Bienen viele Kräuter und Heilpflanzen aufsuchen", sagt Telman Nazaryan. Schon am ersten Tag nach unserer Anreise besucht uns der Vorsitzende der Nationalen Imkerunion in unserem Hotel und ist neugierig auf die Imkerei in Deutschland. Die Preise für Honig sind in Armenien ähnlich hoch wie bei uns, doch die Einkommen sind um ein Vielfaches geringer. Dass die armenischen Bienenhalter große Probleme mit dem Absatz des Honigs haben, hören wir auf unserer Reise immer wieder.

(Foto: Die Familienimkerei BeeCity im Dorf Meghrad- zor erwartet uns mit einer Honigverkostung und einer Führung durch die Produktionsräume, in denen sogar eine Mittelwandpresse stand. Wir nutzten die Gelegenheit für ein Gruppenfoto mit der Familie und unserer Reiseführung.)  

Was die Trachten angeht, herrscht dagegen kein Mangel. Tatsächlich sind es über 600 verschiedene Wildblumen- und Kräuterarten, die im Frühjahr und Frühsommer die Honigernte garantieren. In der Araratebene werden zudem Obstkulturen, wie Pfirsichplantagen, angewandert. Gebirgige Gegenden mit Waldbestand versprechen daneben dunkle Honigtauhonige. "Unsere Imker sind auf ständiger Wanderschaft - immer die Berge hinauf, den Blühphasen hinterher", erzählt Nazaryan.

Auf der Suche nach Gelée-Royale

Interessiert sind Telman Nazaryan und seine ihn begleitenden Freunde besonders an der Apitherapie. Er lässt durchblicken, dass er Abnehmer für größere Mengen eines Gelée-Royale-Produktes sucht. Hier müssen wir ihn jedoch enttäuschen – die meisten unter uns halten nur wenige Völker zum Zeitvertreib.

Das macht den alten Mann stutzig: Habe ich es hier mit richtigen Imkern zu tun? Zum Glück gibt es doch noch Bienenhalter mit größeren Völkerzahlen in der Runde, und wir werden ernst genommen. Mitglied in der Imkerunion darf man erst werden, wenn man 20 Völker hält. Fast die Hälfte der rund 10.000 Imker in Armenien sind Berufsimker. Zusammengenommen gebe es wohl etwa 230.000 Völker im Land, so Nazaryan.

Was unsere Reise wie ein roter Faden durchzieht, sind die vielen alten Kirchen und Klöster, die wir zu sehen bekommen. Armenien ist das erste Land der Erde, in dem das Christentum zur Staatsreligion erhoben wurde. Das Selbstverständnis des Landes ist eine Geschichte von ehemaliger Größe und heutiger Diaspora, von Krieg und Verfolgung – nicht zuletzt lastet der Genozid während des Ersten Weltkriegs schwer auf dem Volk.

Wer Armenien bereist, den beschleicht schnell ein eigentümliches Gefühl. Die Händler und bunten Märkte erscheinen orientalisch, auch die Speisen und manche Gebräuche. Doch die Kirchen, die Mentalität der Menschen und ihr Umgang in der Öffentlichkeit lassen den Besucher im Glauben, man befinde sich irgendwo in Westeuropa.

Imkergruppe sind eine Seltenheit

Dass sich nicht sehr häufig Imkergruppen auf den Weg in das kleine Land zwischen Europa und Asien machen, wird am dritten Tag deutlich. Im Dorf Arindsch besuchen wir eine Imkerei mit rund 600 Völkern, die von vier Imkern betreut werden. Das sogenannte Produktionszentrum mit angeschlossener Gärtnerei ist Teil eines Konzerns, der von einem Oligarchen – einem argentinischen Diasporaarmenier – geführt wird. Prompt werden wir in die Konzernzentrale eingeladen und bekommen eine Führung durch die Kognakfabrik samt anschließender üppiger Verkostung. Sogar ein Kamerateam taucht auf und bittet um Interviews.

Bevor wir schließlich den Heimweg antreten, lassen wir uns im Produktionszentrum aber noch einmal erklären, mit welchen Honigbienen in Armenien geimkert wird. „Wir haben Bienenstände im ganzen Land“, erklärt uns ein Mitarbeiter. „Im Süden arbeiten wir mit der gelben armenischen Biene, im Norden mit der grauen armenischen Biene. Die Gelbe hat einen längeren Rüssel als die Graue und ist weniger aggressiv“, berichtet er. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass es sich bei der gelben armenischen Biene um die als Apis mellifera armeniaca oder Armenische Biene beschriebene Rasse handelt und bei der grauen um die Kaukasische Biene (Apis mellifera caucasica).

Der Mitarbeiter ist nicht ganz einverstanden: „Wir haben unsere graue armenische Biene zur genetischen Untersuchung nach Deutschland geschickt, um zu beweisen, dass sie nur in Armenien vorkommt.“ Auf unserer Reise erfahren wir, dass viele Bienenhalter mit einer Mischung aus den Rassen der sogenannten grauen und gelben Biene imkern. Besonders die Gegend um den Sewansee und die Hauptstadt Eriwan scheint eine Übergangszone zwischen den Verbreitungsgebieten zu sein.

Die Völkerverluste werden ganz unterschiedlich dargestellt. Die Imkerei im Produktionszentrum hat angeblich überhaupt keine Völkerverluste und behandelt mit Ameisensäure. Zusätzlich werden Drohnenrahmen ausgeschnitten und Streifen eines Akarizids verwendet, das wir in beinahe jeder Imkerei antreffen, die wir im weiteren Verlauf der Reise kennenlernen.

Spende für eine Schleuder

(Foto: Spontan entschieden wir uns, Hajk ins Hotel einzuladen und ihm einen Geldbetrag für eine neue Schleuder zu überreichen.)  

Der uns aus dem Bienen-Journal bekannte Imker Hajk Howhannisjan, den wir in der Nähe des Sewansees aufsuchen, erzählt dagegen Dramatisches: Von den ehemals 150 Völkern, die seine Familie bis vor Kurzem noch besessen habe, habe er nur noch 80 Völker einwintern können. Auch er behandelte die Völker mit dem Akarizid.

Hajk und seine Familie hatten uns mit großer Gastfreundschaft empfangen und einige Teilnehmer spürten, dass es mit dem Völkerverlust um die Existenzgrundlage der Familie ging. Kurzerhand entschlossen wir uns, bei der augenscheinlich nötigsten Investition unter die Arme zu greifen und spendeten das Geld für eine neue Schleuder.

Für die Übergabe luden wir Hajk noch am selben Tag in unser Hotel ein, und er verbrachte den Abend mit uns am Tisch. Hier wurden noch so einige Fachgespräche vertieft und Kontaktdaten ausgetauscht. Der Gemeinsinn unter uns Imkern war wirklich toll. 

Im Spätsommer 2017 führt die nächste Lesereise des dbj nach Rumänien. Mehr darüber lesen Sie hier.>>>

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