Standortwahl für Bienenvölker: Was ist wichtig?

12. Dezember 2019 820 views

Bei der Standortwahl für Bienenvölker gehe ich pragmatisch vor: Ganzjährig stehen meine Völker ungeschützt in der prallen Sonne oder im Dauerschatten, in feuchten Senken und auf zugigen Hügelkuppen. Sie stehen unter Stromleitungen, Handy- und Hochspannungsmasten sowie unter Windrädern – und sind quietschfidel. Die Fluglöcher zeigen in alle Himmelsrichtungen. Ein Bienenhaus oder einen Freistand besitze ich ebenso wenig wie Wassertränken. Systematische Analysen in Sachen Standortwahl für die Beuten zeigen: Für das Wohlergehen der Bienen spielen all diese Parameter keine Rolle. Sehr feuchte Standorte – zu erkennen an Kellerasseln in und an der Beute – erfordern nur mehr Sorgfalt bei der Varroabehandlung mit Ameisensäure.

Standortwahl den Bienen überlassen

Auch schenke ich mir inzwischen jede Sorge um die Futterversorgung meiner Völker. Die Standorte sollen – so habe ich’s gelernt – ein ganzjähriges Trachtband aufweisen. Mehrfach habe ich für Versuche vermeintlich trachtarme Standorte für die Bienenvölker angewandert und die Bienen belehrten mich stets eines Besseren. Offenbar sind Menschen nicht in der Lage, die Qualität eines Standortes zu bewerten. Überlassen Sie das Ihren Bienen: Aufstellen, korrekt führen und Erträge festhalten. Wirtschaftet man umsichtig, leiden Bienen in Deutschland nie Hunger. Ich kenne keine Zwischentrachtfütterung. An blütenreichen Standorten, insbesondere an landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen, erntet man oft mehr Honig. Immer noch zu wenig? Dann schaffen Sie sich mehr Völker an – und weitere Stellplätze.

Unsere Serie mit Pia Aumeier für Einsteiger auf YouTube:

Pfiffige Standortwahl für Bienenvölker: mit Rücksicht auf die Nachbarn

  • Alle meine Völker kann ich auch bei Regen und Schnee direkt mit dem Auto oder der Sackkarre anfahren.
  • Sie stehen überwiegend wohnortnah. Eine bessere Planung erfordern meine 150 km weit entfernten Stände.
  • Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen oder Hühner sind bienenkompatibel. Ziegen schubbern sich gern an den Beuten, Hühner fressen alles, was sich aus dem Flugloch wagt. Ein kleiner Zaun beugt daher Konflikten vor. Hund, Katz‘ und Kinder sind oft weniger begeistert von den Stechimmen, lernen jedoch auch dazu.
  • Seriös überprüfte Daten für eine sinnvolle Bienenvölkerdichte pro Stand fehlen bisher. Sinnvoll ist ein Start mit zwei Jungvölkern. Sie und der Nachbar können sich so langsam an die Insekten gewöhnen. Meine Stände beherbergen inzwischen je etwa 10 Wirtschafts- und bis zu 20 Jungvölker.
  • Die Erlaubnis des Grundstückseigentümers hole ich stets unbürokratisch und nur mündlich ein.
  • Die Erlaubnis des Nachbarn benötige ich zwar nicht, Konflikte möchte ich jedoch vermeiden. Daher stehen meine Bienen oft sichtgeschützt hinter Hecke oder Zaun. Das beruhigt ängstliche Nachbarn und neckt diebische Imker. Mit dem Flugloch in Richtung Hecke halte ich 2 m Abstand, so lenke ich die Flugbahn schnell über Kopfhöhe. Direkt am Grundstücksrand zeigen die Fluglöcher nicht in Richtung Nachbar. Mäharbeiten spreche ich ab. Ich biete an, die Fluglöcher an Mähtagen morgens für einige Stunden zu schließen. Alle Nachbarn werden mit Honig geschmiert, auch als Entschädigung für Wasserverluste in ihren Teichen.
  • Die Anmeldung eines neuen Bienenstandes beim Veterinäramt ist kostenfrei und unverzichtbar. Für jeden neuen Stellplatz erkundige ich mich vorab beim Amt nach den aktuellen Sperrbezirken für die Bienenseuche Faulbrut. Der Veterinär erhält die Standortkoordinaten und das aktuelle Gesundheitszeugnis der verstellten Völker. Neuimker erhalten das Zeugnis vom abgebenden Imker. Schwärme hingegen benötigen in der Regel kein Zeugnis. Auch das Verstellen von Völkern zwischen bereits gemeldeten Bienenständen und innerhalb eines Landkreises bedarf gewöhnlich keines Gesundheitszeugnis. Im Zweifel frage ich im Veterinäramt nach verschärften örtlichen Regelungen. Stehen meine Völker nicht auf Privatgrundstücken, hängt zusätzlich ein Schild mit Name und Telefonnummer daran. So bin ich abgesichert und im Notfall immer erreichbar.

Tipp für neue Standorte

Einer meiner Jungimker berichtete mir, dass ihm ein ansprechender Aushang im örtlichen Rathaus und ein kostenloser Abdruck im Gemeindeblatt sofort fünf Angebote von Obstbauern und Gartenbesitzern brachten.

Dr. Pia Aumeier

TOP-THEMEN im Januar-Heft

1. Honig vom Planeten Erde?

Kunden und Imker wundern sich immer wieder über die ungenaue Angabe der Herkunftsländer auf Honiggläsern in Supermärkten. „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“ steht dort zum Beispiel auf dem Etikett.“ In einigen EU-Ländern ist diese ungenaue Herkunftsangabe nicht erlaubt. Andere Länder wollen hinsichtlich der Angaben auf den Etiketten sogar noch viel weiter gehen. Lesen Sie die Ergebnisse unserer spannenden Recherche in der Januarausgabe – der Beitrag bietet eine gute Grundlage, um das Thema auch hierzulande zu diskutieren.

» Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe

2. Der internationale Honigmarkt

Passend zum obigen Thema haben wir einige Daten des weltweiten Honighandels für Sie aufbereitet. Welche Länder liegen weltweit bei der Honigproduktion vorne? Aus welchen Ländern importiert die EU den meisten Honig? Wie viel kostet der Importhonig, und wie hoch liegen im Vergleich die Produktionskosten in den EU-Staaten? Die Antworten finden Sie im Detail in der neuen Ausgabe des dbj.

3. So imkern die Niederländer

Werfen sie mit uns einen Blick über die Grenze zu unseren Nachbarn, und erfahren Sie, wie die Imkerei in den Niederlanden aussieht. Dort sind beispielsweise die traditionellen Bienenmärkte immer noch große Anziehungspunkte für Imker, aber auch Touristen.

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