Editorial

Späte Aufarbeitung

Die Geschichte des Deutschen Imkerbundes während des Dritten Reichs war lange kein Thema. Wer nach Untersuchungen oder auch nur nach Zeitzeugenberichten fragte, stieß oft auf taube Ohren. Das hat sich nun geändert. Das Buch Honig für das Volk von Dr. Rainer Stripf hat eine Debatte über ein Kapitel in der Geschichte der deutschen Imkerei angestoßen, das viel zu lange beschönigt wurde.

Bei der Recherche tauchte die Frage auf, ob das nun wirklich nötig sei. Die Antwort: Ja, das ist es. Wenn Karl Hans Kickhöffel, der Präsident der „Reichsfachgruppe Imker“ (der Nachfolgeorganisation des Imkerbundes während der NS-Zeit), posthum als „einer der ganz Großen der Imkerei“ bezeichnet wurde, sollte man wissen, dass Kickhöffel überzeugter Nationalsozialist und Antisemit war, der in der Imkerfachpresse gegen Polen, Juden und Staatsfeinde wetterte.

Solche Fakten kleinzureden, heißt, den Protagonisten von damals die Verantwortung für ihr Tun abzusprechen – auch wenn damals andere Zeiten herrschten. Deshalb lässt es sich zumindest auch kritisch hinterfragen, ob es angemessen ist, wenn der Landesverband Bayerischer Imker seine höchste Ehrung nach einem bekennenden Nationalsozialisten – Enoch Zander – benennt, selbst wenn dieser unzweifelhaft große Leistungen für die Imker erbracht hat.

Weil wir nicht glauben wollten, dass es damals nur system- konforme Bienenhalter gab, haben wir uns auf die Suche nach Imkern gemacht, die aus dem Verband ausgeschlossen wurden. Dabei sind wir tatsächlich fündig geworden. Lesen Sie auf den Seiten 10 und 11 von Imkern, unter denen es auch Widerständige gab. Erst die Gesamtheit vieler Geschichten zeigt, wie vielfältig die Vergangenheit der Imker ist. Und dass es so vieles gibt, worauf die Imkerschaft stolz sein kann – ohne sich vor ihrer Historie verstecken zu müssen.

Ihre Silke Beckedorf
Chefredakteurin

Chefredakteurin Silke Beckendorf
Die Chefredakteurin des deutschen Bienenjournals Silke Beckendorf

Mehr zur aktuellen Ausgabe

TOP-THEMEN im November-Heft

1. Der Imkerbund in der NS-Zeit

In einem Interview mit Dr. Dr. Rainer Stripf, Autor des Buches Honig für das Volk, beleuchten wir die Zeit der Imkerei und besonders des Imkerbundes während des Nationalsozialismus. Zudem sind wir den Spuren von Imkern gefolgt, die damals aus der Reichsfachgruppe Imker ausgeschlossen wurden. Darunter befinden sich ganz unterschiedliche Persönlichkeiten.

» Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe

2. Im Land der Goldrute – Imkerei in Kanada

Im Rahmen unserer Leserreise zur Apimondia in Montreal haben wir bei unterschiedlichen Imkern Halt gemacht: den Stadtimkern Torontos, einem Nebenerwerbsimkerei und einer der größten Imkereien in Quebec mit 8.000 Völkern. Unsere vielfältigen Eindrücke in die kanadische Imkerei teilen wir gerne mit Ihnen. Dabei erfahren Sie auch, warum es keinen Sanddornhonig gibt und wie in Kanada mit Honig umgegangen wird, wenn der Wassergehalt zu hoch ist.

3. Wie Bienen die Welt sehen

Bienen können schneller sehen! Was bedeutet das denn? Und Grün wird bei Bienen zu Grau und Rot zu Schwarz? Erfahren Sie in der neuen Ausgabe des Bienen-Journals mehr über den Sehsinn der Biene.

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