Editorial

Reiche Flur statt verarmter Landschaft

Um den Artenrückgang in unserer Landschaft zu stoppen und gute Lebensbedingungen für Honigbienen zu schaffen, benötigt man nicht nur eine gute Politik – man braucht auch fundierte Forschung. Forscher, das sind doch die, die in Laboren sitzen und Zahlen produzieren? Es geht auch anders, das hat ein Projekt der Deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA) gezeigt. Zweimal lud der Zusammenschluss deutscher Agrar-Forschungseinrichtungen zu einem Brainstorming ein, in dem wichtige Fragen rund um Bauer und Biene identifiziert werden sollten. Das Ergebnis dieser Workshops steht nun online, und es soll unter anderem die Politik dazu anregen, Gelder für spannende Forschungsprojekte freizugeben.

Manche Passage des Strategiepapiers liest sich abstrakt. Schaut man genau hin, finden sich jedoch echte Perlen darunter. Sie lassen sich auch als Anregung an Landwirte lesen, es doch einfach einmal auszuprobieren: etwa die Frage, wie viel Unkraut auf einem Feld nötig ist, damit es den Bienen (und anderen Insekten) nützt, und ab welcher Schwelle die Ernte gefährdet wird. Oder wie eine Landwirtschaft in puncto Schlaggröße, angrenzende Biotope und Fruchtfolgen aussieht, in der die Arten- und Individuenzahlen der Wildbienen nicht noch weiter zurückgehen, sondern eines Tages vielleicht sogar wieder ansteigen?

Man traut sich kaum noch, daran zu glauben, dass es eine solche Umkehr geben könnte. Aber Initiativen wie das geglückte Volksbegehren in Bayern oder auch die beiden DAFA-Tagungen wecken ein bisschen Hoffnung. Im Strategiepapier ist von “Flurbereicherung” die Rede. Ist das nicht ein schönes Wort? Hoffen wir, dass das Papier in die Hände der richtigen Menschen gerät und tatsächlich dazu führt, dass Gelder nicht mehr für Flurbereinigung ausgegeben werden, sondern stattdessen für mehr Hecken, Gehölze, Feldsäume, Teiche und andere kleine Oasen. Das wäre ein Reichtum!

Ihre Silke Beckedorf
Chefredakteurin

Chefredakteurin Silke Beckendorf
Die Chefredakteurin des deutschen Bienenjournals Silke Beckendorf

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TOP-THEMEN im September-Heft

1. Die Imkerin Sarah Wiener – ein Interview

Sarah Wiener, bekannt als deutsch-österreichische Fernsehköchin, ist auch Imkerin und sitzt seit neuestem für die Grünen im EU-Parlament. Dem dbj beantwortete sie im Interview Fragen zu ihren Bienen, zum Umgang mit der Natur und zur natürlichen Rolle des Honigs in ihrer Küche.

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2. Probleme mit Wachs

Versuche am Institut für Bienenschutz des Julius-Kühn-Instituts bestätigen die negative Auswirkung zugesetzten Stearins in Bienenwachs auf die Entwicklung der Bienenbrut. Auch die Effekte von Pestizidrückständen im Wachs wurden untersucht. Einen ausführlichen Bericht hierzu finden Sie in der neuen Ausgabe des Deutschen Bienen-Journals.

3. Imkern mit der Golzbeute

Bienen halten: ja; schweres Heben: nein? In solchen Fällen eignen sich Lagerbeuten wie die Golzbeute. Eine Berliner Freizeit- und Stadtimkerin hat uns für die Septemberausgabe einen Blick in ihre Golzbeuten werfen lassen.

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