Editorial

Bienenflug ist nicht überwachbar

Freuen Sie sich auch über das Urteil im Fall Seusing? Der Imkerei, die 2019 einen Teil ihrer Ernte durch Glyphosat verloren hatte, wurde eine Entschädigung zugesprochen. Der ausbringende Betrieb hätte sehen müssen, dass an der Fläche Bienenvölker standen, urteilte die Richterin.

Das Urteil ist wichtig, weil es klarstellt, dass Imker den Folgen der grundsätzlich legalen Anwendung eines Pflanzenschutzmittels nicht schutzlos ausgeliefert sind. 2019 war die sogenannte Sikkation, also die Vorerntebehandlung, in bestimmten Fällen noch erlaubt. Häufig hieß es dann für Bienenhalter „Pech gehabt“.

Ein wichtiger Faktor war jedoch nicht Gegenstand des Urteils. Was ist, wenn der Honig unverkäuflich wurde, die Bienen aber nicht in Sichtweite des Landwirtes standen? Genau diesen Fall habe ich im Jahr 2021 erlebt. An einem Tag im August klingelte das Handy. Am anderen Ende war die Veterinärin, die eine Probe unseres Sommerhonigs forderte. Wir warteten wochenlang auf das Analyseergebnis und erfuhren schließlich, dass der Honig wegen Glyphosat-Belastung unverkäuflich war. Aufgefallen war das nur, weil ein Imker im Nachbarort die Anwendung beobachtet und seinen Honig untersuchen lassen hatte (siehe dbj 11/2021, S. 20).

Landwirte können sicherlich nicht einen Zehn-Kilometer-Radius nach Bienenstöcken absuchen, bevor sie ein Mittel anwenden dürfen. Ebenso unrealistisch ist es jedoch, dass Imker alle Maßnahmen der Landwirte im Flugradius ihrer Völker überwachen, um einen möglichen Eintrag in ihren Honig auf die Spur zu kommen. Das ist oft gar nicht möglich, es würde das Aus für eine sichere Imkerei bedeuten. Daher dürfen Anwendungen, die die Vermarktungsfähigkeit des Honigs gefährden, gar nicht erst erlaubt sein. Gut, dass die Sikkation inzwischen verboten ist.

Ihre Silke Beckedorf
Chefredakteurin

Chefredakteurin Silke Beckendorf
Die Chefredakteurin des deutschen Bienenjournals Silke Beckedorf. Foto: Sabine Rübensaat

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TOP-THEMEN im August-Heft

1. Ein Jahr nach der Flut

92 Imkerinnen und Imker waren offiziellen Angaben zufolge in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr von der Flutkatastrophe betroffen. Manche verloren ihren Honig oder Bienenvölker, andere ihre gesamte Imkerei. Um sie zu unterstützen, starteten die Imkerverbände Hilfsaktionen. Wie geht es den Geschädigten heute, ein Jahr nach der Flut? Unserer Volontärin Magdalena Arnold besuchte im Ahrtal die Menschen, über die wir kurz nach der Flut berichtet hatten.

2. Urteil im Glyphosat-Prozess

Nachdem die Brandenburger Imkerei Seusing im Jahr 2019 rund 4,6 t Honig aufgrund zu hoher Glyphosat-Rückstände entsorgen musste, erhält sie nun zumindest teilweise eine Entschädigung. Das beklagte Agrarunternehmen wurde zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt. Ein Bericht über die Hintergründe und die Urteilsverkündung.

3. Spättrachten

Die einen freuen sich über eine späte Tracht, um einen begehrten Sortenhonig zu ernten oder die Bienenvölker einzufüttern, die anderen befürchten eine schlechte Überwinterung. Wir zeigen, welche speziellen Herausforderungen unterschiedliche Spättrachten mit sich bringen.

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