Editorial

Handarbeit

Das Prädikat „Handarbeit“ steht meist für besondere Qualität. Bei der Bestäubung im landwirtschaftlichen Anbau wird diese Vorgehensweise jedoch meist negativ beurteilt, denn normalerweise gibt es fleißige Helfer in der Natur, die diese Aufgabe übernehmen.

Eine neue Studie der Universität Göttingen, über die Sie ab Seite 6 lesen können, zeigt nun, dass die Handbestäubung weltweit eingesetzt wird, wobei die Gründe dafür recht unterschiedlich sein können. So ist es durchaus vernünftig, wenn beispielsweise in Australien bei Tomatenpflanzen auf Handbestäubung gesetzt wird, statt Hummeln zu importieren, die dort nicht heimisch sind. Doch oft bedeutet der Einsatz von Handbestäubung eben auch, dass vorher schon etwas schiefgelaufen ist. Dann fehlen die natürlichen Bestäuber, etwa weil sich das Klima wandelt, zu viele Pestizide eingesetzt wurden oder deren natürliche Lebensräume verschwunden sind.

Der Mandelanbau in Kalifornien beispielsweise zeigt das Ausmaß einer Entwicklung, der längst hätte Einhalt geboten werden müssen: Für die riesigen Flächen werden inzwischen jedes Jahr über zwei Millionen Bienenvölker aus den gesamten USA benötigt. Das ist Wahnsinn. Diese Massenwanderung kann man im Grunde nicht mehr gutheißen. Gleichzeitig ist die Imkerei in den USA aufgrund niedrigerer Honigpreise von den Bestäubungsprämien abhängig.

Mittlerweile bahnt sich jedoch auch hier der Einsatz automatisierter „Handbestäubung“ an: Immer mehr Firmen wollen mit Maschinen die Arbeit der Bienen übernehmen – und das nicht nur im Mandelanbau. Statt ein Problem bei den Wurzeln zu packen, soll Technik die Symptome beseitigen. Früher oder später, so ist zu fürchten, werden die Bestäuber in diesen Anbausystemen vollkommen aus dem Blickfeld verschwunden sein.

Ihr Dr. Sebastian Spiewok
Redakteur

Sebastian Spiewok
Redakteur Dr. Sebastian Spiewok. Foto: Sabine Rübensaat

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TOP-THEMEN im November-Heft

1. Zukunft Handbestäubung?

Spätestens seit dem Film More than Honey wird Handbestäubung in China immer wieder als Beispiel für eine Welt ohne Bestäuber herangezogen. Unsere Autorin Dr. Annemarie Wurz beschreibt, dass Handbestäubung weltweit beim Anbau unterschiedlicher Kulturen eingesetzt wird – allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

2. Goldrutenhonig

Von Juli bis Oktober blühen auf Ackerbrachen, Bahndämmen oder an Straßenrändern überall die gelben Ähren der Goldruten. Die invasive Art verdrängt einheimische Pflanzen. Sie ist aber auch ein wahrer Bienenmagnet, und die Nachfrage nach Goldruten-Honig ist rasant gestiegen.

3. Hunde riechen Faulbrut

Im US-Bundesstaat Maryland helfen Spürhunde beim Auffinden von Faulbrut. Dazu müssen sie immer wieder trainieren.

4. Honigzubereitungen

Honigmischungen stehen – besonders in der Weihnachtszeit – hoch im Kurs. Berufsimker Sven Bestmann verrät, wie sich verschiedene Honigkreationen herstellen lassen.

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