Editorial

Neuer Trend, alte Sorgen

War das damals aufregend! Als wir vor zehn Jahren das erste Bienenvolk mit dem Fahrstuhl auf die Dachterrasse des Verlagshauses in Berlin-Wilmersdorf brachten, brummte nicht nur die Bienen-Journal-Redaktion vor Freude. Auch die Kolleginnen und Kollegen der anderen Redaktionen standen neugierig um die neuen Mitbewohnerinnen herum, stritten sich, wer beim Schleudern dabei sein dürfe, und trugen den Honig zu ihren Familien nach Hause. „Bienen in der Großstadt“, zumal auf Dächern, war vor zehn Jahren ein Thema, mit dem man Fernsehteams anlocken und auf jeder Party punkten konnte.

Nun ist der Bienen-Hype in unseren Städten schon etwas mehr als eine Dekade alt. Verglichen mit der Imkerei als solcher ist das immer noch ein junger Trend. Andererseits ist dieser Zeitraum lang genug, um eine erste Bilanz zu ziehen. Hat sich die Imkerei in Städten bewährt, in denen, wie in München, knapp 5.000 Menschen auf einem Quadratkilometer wohnen?

Nach vielen Telefonaten mit Menschen, die mit dem Thema zu tun haben, lautet unser Fazit: Ja, das hat sie. Natürlich sind Probleme aufgetaucht, die das enge Miteinander mit sich bringt. Nachbarn fühlten sich von Bienen in Hinterhöfen oder auf Balkons belästigt; nicht alle Einsteiger blieben dabei, manche hinterließen in ihren Gärten verwaiste Bienenstöcke, die bei anderen Imkerinnen und Imkern Sorge vor Räuberei und Faulbrut schürten. Verschiedene Ansätze der Bienenhaltung trafen aufeinander und führten zu Reibereien zwischen Imkerinnen und Imkern mit unterschiedlichen Betriebsgrößen, Arbeitsweisen und Beutensystemen.

Trotzdem bleibt der Eindruck bestehen, dass der Trend zur Stadtimkerei vor allem eine Bereicherung war: für die naturentfremdeten Großstädterinnen und -städter ebenso wie für die bestehenden Vereine, von denen sich viele den „Neuen“ öffneten. Wir wünschen viel Freude beim Lesen des Schwerpunktes!

Ihre Silke Bekedorf
Chefredakteurin

Chefredakteurin Silke Beckendorf
Die Chefredakteurin des deutschen Bienenjournals Silke Beckedorf. Foto: Sabine Rübensaat

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TOP-THEMEN im August-Heft

1. Bienenhaltung in der Stadt

„Imkern ist etwas für ältere Männer“ – so oder so ähnlich lautet ein gängiges Vorurteil über die Bienenhaltung. Dass sich das Bild gewandelt hat und die Imkerei auch als jung, weiblich und sogar hip wahrgenommen wird, daran hat insbesondere die Stadtimkerei großen Anteil. Wir beleuchten im Schwerpunkt Herausforderungen und Chancen der urbanen Bienenhaltung.

2. Mageres Frühjahr

Wir haben uns umgehört, wie es in den unterschiedlichen Regionen um die Frühtracht bestellt war. Das Ergebnis: Oft mussten die Imkerinnen und Imker ihren Völkern durch das Frühjahr helfen, und Honig konnte nur wenig geerntet werden.

3. Varroalast klein halten

Nach dem letzten Abschleudern entscheidet sich, ob im Folgejahr die Varroa in den Griff zu bekommen ist. Wir geben Einsteigern in die Imkerei Tipps zur Milbenbekämpfung, damit Sie später keine bösen Überraschungen erleben.

4. Waben lagern

Dr. Pia Aumeier gibt Tipps gegen Wachsmotten. So breiten sie sich erst gar nicht im Wabenlager aus.

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