Editorial

Sechs lange, kurze Jahre

Vor sechs Jahren war ich mit meinem Mann an einem dunklen Novemberabend in Berlin unterwegs. Unser Ziel: Wir wollten einen Verein gründen. In Steglitz trafen wir auf eine bunte Truppe Imker, die allesamt ein Herz für andere Länder und einen Sinn fürs Abenteuer hatten. Es war ein Wagnis, auf das wir uns gemeinsam einließen: „Imker für Imker in Äthiopien“, diesen Namen erhielt der Verein, leitet ein Hilfsprojekt in einem 8.000 Kilometer entfernten Land, dessen Landesprache niemand von uns sprach.

Wie leicht solche Projekte scheitern können, zeigte jüngst das Beispiel Haiti. Die Süddeutsche Zeitung berichtete Anfang Januar, dass es dem Inselstaat zehn Jahre nach dem Erdbeben im Jahr 2010 schlechter geht als zuvor – und dass, obwohl viele Milliarden US-Dollar in das Land flossen; eigentlich genug, um alle zerstörten Strukturen wieder aufzubauen. Die Hilfe ging jedoch häufig an den Haitianern vorbei, außerdem floss viel Geld in die Taschen von Beraterfirmen.

Unser Äthiopienprojekt besteht bis heute. Seinen Erfolg haben wir fortlaufend hinterfragt. Ist es gut, wenn die Imkerinnen nach sechs Jahren noch immer dabei sind? Oder schlecht, wenn sie noch keine florierenden Honigkonzerne führen? Letztendlich ziehen wir den Hut vor der Durchhaltekraft der Frauen. Manche bemühten sich jahrelang um Land für ihre Bienen, andere blieben der Imkerei trotz Krankheit und anderen Widrigkeiten treu. Ich bin der Meinung: Das ist ein Erfolg.

Mir hat das Projekt, das ich sechs Jahre lang als Vorsitzende des Vereins „Imker für Imker in Äthiopien“ begleiten und entwickeln durfte, viel Freude gemacht. Nun habe ich den Vorsitz aus Zeitgründen abgegeben. Meinen Nachfolgern wünsche ich alles Gute, viel Freude und Inspiration!

Ihre Silke Beckedorf
Chefredakteurin


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Chefredakteurin Silke Beckedorf.

Mehr zur aktuellen Ausgabe

TOP-THEMEN im Februar-Heft

1. Verdampfen von Oxalsäure

Das Verdampfen von Oxalsäure – korrekt heißt es eigentlich: Sublimieren von Oxalsäuredihydrat – ist in Deutschland als Varroabehandlung nicht zugelassen. Dennoch greifen schätzungsweise 30 % der Imker zu dieser Behandlungsform. Unser Redakteur Sebastian Spiewok wollte das Thema nicht weiter unter den Teppich kehren und ging der Frage nach, weshalb Imker überhaupt zu dieser illegalen Behandlung greifen und ob sie nicht aus dieser Illegalität geholt werden können.

» Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe

2. Eigene Mittelwände

In Thüringen haben sich Imker eines Ortes zusammengetan, um Mittelwände aus eigenem Wachs herzustellen. In der neuen Ausgabe des Bienen-Journals erzählen sie ihren Weg zum eigenen Wachskreislauf – von den Vorüberlegungen bis hin zu ihrer Lösung. Sowohl die Imker als auch deren Bienen waren mit dem Ergebnis zufrieden.

3. Honigverfälschungen

Honig gehört zu den Lebensmitteln, die am häufigsten gefälscht werden. Im Laufe der Zeit haben sich die Fälschungsmethoden derart verändert, dass neue Methoden entwickelt werden mussten, um die Verfälschungen aufzuspüren. Doch diese neuen Methoden werden zum Teil noch torpediert. Wir geben Ihnen eine Übersicht über die aktuelle Situation und die bekanntesten aufgeflogenen Fälle in den letzten Jahren. Mit diesem Beitrag schließen wir vorerst unsere viel beachtete Reihe zum Thema Honig ab. Sie startete im dbj 12/2019 mit einem Bericht über die geplante ISO-Norm für Honig und lief weiter im dbj 1/2020 mit Beiträgen über die Herkunftsdeklaration von Honigen und einer Übersicht über den Honigmarkt.

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