Editorial

Sag mir, wo kommt ihr denn her?

Sollte ein Kind Sie fragen, woher der Weihnachtsmann kommt, ist dies wohl einfacher zu beantworten als die Frage nach der Herkunft mancher Supermarkthonige. „Mischung aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“ ist ein heißer Anwärter auf den Titel des unsinnigsten Etikettenaufdrucks. Dieser müsste nicht einmal erlaubt werden, wie Sie ab Seite 6 erfahren. Einige Länder prüfen zurzeit sogar die Möglichkeit, die zugrundeliegende EU-Honigrichtlinie zu ändern.

Allerdings haben die Kunden inzwischen in fast jedem Supermarkt die Wahl zwischen deutschem Honig und Mischungen mit unklarer Herkunft. Ein Beitrag des ZDF, den Sie zusammen mit weiteren Infos in diesem Artikel finden, legt jedoch den Schluss nahe, dass nicht alle Kunden darauf achten. Die Effekte einer genauen Herkunftsangabe ohne begleitende Werbung sollten daher nicht überschätzt werden.

Ein wichtiger Punkt ist zudem der Preis. Wir haben Handelszahlen für Sie aufbereitet, die zeigen, dass die Verkaufspreise der größten Honigexportländer unter den durchschnittlichen Produktionskosten in der EU liegen (S. 10)! Da fällt mir der Satz eines Landesverbandsvorsitzenden ein: „Entweder schließt die Politik die Preislücke zum Importhonig, oder sie kann sich bald sämtliche Förderungen im Imkereisektor sparen.“

Wir haben unsere Rechercheergebnisse zur Herkunftsangabe dem Präsidenten des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) Torsten Ellmann mitgeteilt, der das Thema anpacken will. Für Änderungen auf EU-Ebene ist eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern notwendig. Da der D.I.B. international zurzeit jedoch nicht gut vernetzt ist, haben wir die Organisation BeeLife eingeladen, sich vorzustellen (S. 20). Vielleicht bietet sie eine Möglichkeit zur besseren Zusammenarbeit bei europäischen Themen?

Ihr Dr. Sebastian Spiewok
Redakteur

Sepastian Spiewok
Dr. Sebastian Spiewok ist Redakteur beim dbj

Mehr zur aktuellen Ausgabe

TOP-THEMEN im Januar-Heft

1. Honig vom Planeten Erde?

Kunden und Imker wundern sich immer wieder über die ungenaue Angabe der Herkunftsländer auf Honiggläsern in Supermärkten. „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“ steht dort zum Beispiel auf dem Etikett.“ In einigen EU-Ländern ist diese ungenaue Herkunftsangabe nicht erlaubt. Andere Länder wollen hinsichtlich der Angaben auf den Etiketten sogar noch viel weiter gehen. Lesen Sie die Ergebnisse unserer spannenden Recherche in der Januarausgabe – der Beitrag bietet eine gute Grundlage, um das Thema auch hierzulande zu diskutieren.

» Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe

2. Der internationale Honigmarkt

Passend zum obigen Thema haben wir einige Daten des weltweiten Honighandels für Sie aufbereitet. Welche Länder liegen weltweit bei der Honigproduktion vorne? Aus welchen Ländern importiert die EU den meisten Honig? Wie viel kostet der Importhonig, und wie hoch liegen im Vergleich die Produktionskosten in den EU-Staaten? Die Antworten finden Sie im Detail in der neuen Ausgabe des dbj.

3. So imkern die Niederländer

Werfen sie mit uns einen Blick über die Grenze zu unseren Nachbarn, und erfahren Sie, wie die Imkerei in den Niederlanden aussieht. Dort sind beispielsweise die traditionellen Bienenmärkte immer noch große Anziehungspunkte für Imker, aber auch Touristen.

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