Fairpachten: Äcker und Wiesen insektenfreundlich umgestalten

27. November 2023

Das Projekt „Fairpachten“ des NABU unterstützt Eigentümer von Äckern und Wiesen, wenn sie ihre Flächen verpachten und dabei gleichzeitig Naturschutzmaßnahmen vereinbaren möchten. Ein Online-Vortrag im Dezember gibt Infos zu Wildbienen in der Agrarlandschaft.

Bienen leiden zunehmend unter der intensiven Landwirtschaft: Pestizide und Ackergifte schwächen die Völker. Die einseitige Fruchtfolge auf den Feldern führt zu Trachtlücken und damit einem fehlenden Nahrungsangebot. Um Wild- und Honigbienen in der Agrarlandschaft besser zu schützen, gibt es viele Möglichkeiten: Von Fruchtfolge, Streuobstwiesen und mehrjährigen Blühstreifen bis hin zum Verzicht auf Pestizide.

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DBJ Ausgabe 6/2024

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Rund 60 Prozent des Acker- und Grünlandes in Deutschland sind verpachtet. Damit kommt Verpächter/innen landwirtschaftlicher Flächen eine wichtige Rolle zu. Sie können Lebensräume für Bienen schaffen, indem sie Naturschutzmaßnahmen in ihren Pachtverträgen vereinbaren.

Fairpachten: Ein Beispiel aus Brandenburg

Was man als Imker und Landeigentümer für seine Völker bewirken kann, zeigt das Beispiel von Ralf Müller (Name von der Redaktion geändert) aus Brandenburg. Seine circa zwei Hektar große Wiese, in deren Nähe auch seine Bienenstöcke stehen, bewirtschaftete er längere Zeit selbst. Vor zwei Jahren entschloss er sich jedoch dazu, sie an einen Landwirt zu verpachten.

Damit seine Bienen auch weiterhin günstige Lebensbedingungen auf der Wiese vorfinden, holte er sich Rat bei Karoline Brandt. Sie ist Regionalberaterin im Projekt Fairpachten der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Das kostenlose Beratungsangebot, das im Bundesprogram Biologische Vielfalt gefördert ist, informiert Grundeigentümer/innen über passende Naturschutzmaßnahmen für ihre Landwirtschaftsflächen und wie man diese im Pachtvertrag vereinbaren kann.

Wieseninseln und Insektizidverzicht

Nach einem ersten telefonischen Gespräch verschafften sich Karoline Brandt und Ralf Müller zunächst mit Hilfe von Flurkarten einen genaueren Überblick über die Wiese und die Lage und die angrenzenden Flächen. Dann sprachen sie über mögliche Naturschutzmaßnahmen. Sie sollten vor allem Bienen und anderen Insekten zugutekommen. Der Verzicht auf Insektizide und Dünger schützt Insekten und Boden. Das Stehenlassen von Randstreifen und Wieseninseln bei jeder Mahd schafft Rückzugsräume für die Insekten und hält einen Teil des Nahrungsangebotes aufrecht.

Wird ein Abstand von mindestens acht Wochen zwischen den Mahdvorgängen eingehalten, ermöglicht dies Wildblumen und Kräutern, Blüten zu bilden und ihre Saat abzuwerfen. Von dieser Maßnahme profitieren auch wiesenbrütende Vogelarten. Sie können in dieser Zeit ihre Brut erfolgreich hochziehen, ohne dass das Mähwerk die Nester zerstört. Der Verzicht von Mähaufbereitern bei der Mahd schont zusätzlich Bienen und andere Insekten. Um das Blütenangebot auf der Wiese zu erhöhen, kann man zusätzlich auch regionales Saatgut einarbeiten.

Projekt „Fairpachten“ bietet Beratung an

Mit diesen Naturschutzmaßnahmen an der Hand ging Ralf Müller auf die Suche nach einem neuen Pächter für seine Wiese. Er fand schließlich einen Landwirt, der seinen Vorschlägen für eine naturverträgliche Bewirtschaftung der Wiese offen gegenüberstand. Gemeinsam vereinbarten sie die Maßnahmen zum Schutz seiner Bienen und anderer Insekten im Pachtvertrag.

Wenn auch Sie landwirtschaftliche Flächen verpachten und etwas für Bienen in der Agrarlandschaft tun möchten, können Sie sich kostenfrei und individuell beim Projekt Fairpachten beraten lassen. Auch Kommunen und Kirchen besitzen häufig viele Hektar Land. Machen Sie Ihre Gemeinde- und Kirchenvertretenden auf die Möglichkeit der naturschutzfachlichen Verpachtung aufmerksam und erzählen Sie von dem Beratungsangebot. Gemeinsam kann man dann weitere Schritte planen – Hand in Hand für die Natur.

Wie funktioniert „Fairpachten“? Online-Vortrag im Dezember

Erfahren Sie mehr zum Thema Wildbienen in der Agrarlandschaft beim kostenlosen Online-Vortrag über Zoom von Linda Trein am 13. Dezember 2023 um 19 Uhr. Der Vortrag trägt den Titel „Wildbienen in der Agrarlandschaft und was getan werden kann, um sie zu schützen“. Bitte melden Sie sich bis zum 12. Dezember 2023 an über: Fairpachten@NABU.de. Weitere Infos zum Vortrag und zum Projekt gibt es unter fairpachten.org.

Dieser Vortrag vermittelt Grundkenntnisse über die Entstehung von Lebensräumen in der Agrarlandschaft, die Anpassung von Wildbienenarten an traditionelle Landbewirtschaftungsformen, die Gefährdung eben dieser Lebensräume und Wildbienen durch Intensivierung der Landwirtschaft. Schließlich wird dargestellt, wie sich Naturschutzmaßnahmen in Pachtverträgen vereinbaren lassen.. Außerdem werden Strategien vorgestellt, auch auf Kommunen und Kirchen bezüglich ihrer landwirtschaftlichen Flächen zuzugehen.

Kontakt: Karoline Brandt, Projektmanagerin und Regionalberaterin Fairpachten
Mail: Fairpachten@NABU.de
Tel: 030 284 984 1844
Web: fairpachten.org

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