Der Hummelbaum

Seit die Redaktion im Homeoffice arbeitet, fallen ihr immer wieder schöne und auch ungewöhnliche Dinge auf, die sich um Bienen drehen. Dieses Mal lässt uns Bienen-Journal Chefredakteurin Silke Beckedorf an ihren Gedanken teilhaben.

Chefredakteurin Silke Beckendorf
Die Chefredakteurin des Deutschen Bienen-Journals Silke Beckendorf

Bereits Ende April fiel mir beim Joggen ein Kastanienbaum auf. Er steht an einer Stelle, an der ich ohnehin außer Puste bin, weil sie am Ende der einzigen Steigung der Laufstrecke liegt, und an der auch der Hund gerne hält, weil es dort offenbar besonders interessant riecht. Am 1. Mai blieb ich länger stehen und lauschte: Der Baum summte tief und ausdauernd. Zuerst sah ich nichts, dann doch: Erst eine Hummel, dann noch eine, dann ganz viele. Erdhummeln, Ackerhummeln, alle möglichen Arten sausten von Blüte zu Blüte. Honigbienen fehlten hingegen. Vielleicht hatten sie etwas anderes zu tun, denn der Raps stand in voller Blüte. Vermutlich tummelten sich unsere Bienen auf dem Rapsacker am anderen Ende der Straße. Fein getrennt von den Hummeln.

Das System des Katanienbaums gleicht einer Ampelanlage

Kastanienbaum auf einem Feld

Noch nie zuvor war mir aufgefallen, wie lange eine Rosskastanie blühen kann. Am Ende der ersten Maiwoche summten die Hummeln noch genauso laut. Noch immer keine Honigbienen. Am Ende der zweiten Maiwoche begannen sich die Saftmale über vielen Blüten umzufärben. Das System des Kastanienbaums ist wirklich lustig, es erinnert an eine Ampelanlage: Haben sich die Blüten gerade geöffnet, ist der kleine Fleck am Blütengrund gelb – und die Blüte noch für Bestäuber interessant. Nach der Befruchtung verfärbt sich der Fleck rosarot; man ist fast versucht zu schreiben, „springt es auf rot um“, aber ganz so plötzlich ist der Wechsel dann doch nicht. Die Hummeln störte das gar nicht: Trotz roter Saftmale noch lautes Gebrumm.

Das Hummelbrummen wurde leiser

Hummeln auf Pflanze
Hummeln in der Natur

Als sich der Mai dem Ende zuneigte, wurde das Hummelbrummen leiser. Dennoch hatte ich den etwas bizarren Ehrgeiz entwickelt, bis Monatsende noch Blüten mit gelben Saftmalen zu entdecken. Am letzten Maitag stieg bei mir unweigerlich ein wenig die Spannung, als ich mit dem Hund auf den Waldausgang zujoggte und wir uns der Kastanie näherten. Schafft sie einen ganzen Monat? Die letzten Tage hatten bereits einzelne Blüten am Boden gelegen, und an den ersten Rispen bildeten sich bereits die grünen Knubbelchen, die schon wie echte Minikastanien aussehen.

Die Erkundung am 30. Mai, schnaufend (ich) und pinkelnd (Hund) unter dem Baum ergab folgendes: Ja, sie blüht noch. Aber knapp. Fast alle Saftmale waren rot, stattdessen viele, viele grüne Kugeln. Hummeln hörte ich nicht mehr. Das große Brummen von Anfang Mai war verstummt. Nur noch einzelne der großen, puschligen Insekten zogen suchend ihre Bahnen im großen Baum. Nun sind sie weitergeflogen zu anderen Nektarquellen. Einige habe ich den Robinienbäumen gesehen, die nun in voller Blüte stehen. Dort mischt sich der tiefe Hummelklang mit dem helleren Summen der Honigbienen zu einem vielstimmigen Konzert.

Ein Text von Bienen-Journal Chefredakteurin Silke Beckedorf

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