Imkern im Herbst

26. Oktober 2020

Noch im hohen Alter Bienen halten – geht das? Nach dem Interview mit Alfred Emmerer, dem wohl dienstältesten Imker Deutschlands, bekam Magdalena Arnold einen Hinweis: in der Nähe von Potsdam lebt ein ähnlich alter Mann, der noch Bienen hält. Im Gespräch mit ihm wurde ihr bewusst, wie schwer es sein muss, aus der Imkerei auszusteigen.  

Der Sommer raste in den letzten Wochen in den Herbst hinein. Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis sich alle golden-rote Blätter von den Bäumen verabschieden und eine Lücke in den Wald zeichnen. Der Winter steht unmittelbar bevor.  

Neulich hatte ich ein Gespräch mit einem Imker, der in seinem Imker-Herbst angekommen ist. Mit 89 Jahren blickt er auf eine fast 70-jährige Imkerkarriere zurück. Damals, 1942, bekam er als 11-jähriger Bienen von einem Freund seines Vaters, musste aber wieder mit der Imkerei aufhören, als er im Jahr 1946 aus Schlesien vertrieben wurde. 1955 – er hatte gerade die Fachschule zum Bauingenieur abgeschlossen – legte er sich neue Bienenvölker zu. Über die Jahre betreute er mal vier, in Hoch-Zeiten auch mal elf Völker. Noch heute fertigt er eigene Statistiken an; er kennt zum Beispiel seine exakten Honigerträge seit 1994. Aber – und das ist das Traurige: Er wird die Arbeit mit den Bienen im nächsten Jahr einschränken, vielleicht sogar beenden müssen.

Imkern im Herbst

Mit seinen 89 Jahren ist er körperlich eingeschränkt – das liegt nicht zuletzt an der Operation an seiner Hand, bei der versehentlich ein Nerv durchtrennt wurde. Seine Augen seien noch gut, meinte er, aber das fehlende Gefühl in der Hand erschwere die Arbeit mit den Bienen enorm. Ginge es nach seiner Frau, dann hätte er schon seit vielen Jahren mit der Imkerei aufgehört. Von seinen zwei Söhnen interessiert sich nur einer für die Imkerei – dieser habe aber selbst schon genug Völker und kein Interesse an den Hinterbehandlungsbeuten seines Vaters. Am Telefon verriet mir der Imker, dass er gerne noch jemanden angelernt hätte. Was im nächsten Jahr mit seinen Völkern passiert, wisse er noch nicht.

Ich gebe zu: Das Gespräch hat mich traurig gestimmt. Ich bin mir sicher, dass es vielen älteren Imkern so geht. Nicht alle haben das Glück, jemanden zu finden, der ihre Imkerei fortsetzt. Ich lese von vielen, dass sie über ihren Opa zur Imkerei kamen – so ging es mir auch. Da draußen muss es aber noch viele andere geben, die keinen Nachwuchs finden. Dabei tragen sie einen unsagbaren Schatz in sich: Das Wissen aus jahrzehntelangem Imkern, was auch heißt: unvergleichbare Erfahrungen mit Bienen und der Natur. Ich wünsche mir, dass wir jungen Menschen uns das zunutze machen – und den älteren Imkern gleichzeitig etwas zurückgeben: Die Hoffnung darauf, dass es weiter geht; dass es noch mal Frühling wird.

Der Imker, mit dem ich ins Gespräch kam, wohnt eine halbe Autostunde südöstlich von Potsdam entfernt und imkert in Hinterbehandlungsbeuten. Falls Sie Interesse haben, die Arbeit mit ihm fortzusetzen oder jemanden kennen, der gern Kontakt mit ihm aufnehmen möchte, melden Sie sich bei mir: magdalena.arnold@bienenjournal.de.

Ein Text von Magdalena Arnold

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