Mehr Insektizide auf deutschen Äckern

11. Januar 2022

Die Verkaufszahlen von Pflanzenschutzmitteln sind gestiegen. Vor allem Insektizide landen wieder in großen Mengen auf landwirtschaftlichen Flächen – darunter viele Stoffe, die die Neonicotinoide ersetzen sollen.

Daten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeigen, dass die rückläufigen Verkaufszahlen bei Pflanzenschutzmitteln in den Jahren 2018/2019 nur ein kurzfristiger Trend waren. Denn seitdem sind sie wieder gestiegen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat aktuelle Zahlen zusammengestellt und weist darauf hin, dass Landwirtinnen und Landwirte im vergangenen Jahr wieder deutlich häufiger bestimmte problematische Wirkstoffe nachgefragt hätten – darunter vor allem bienengefährliche Insektizide und grundwasserkritische Herbizide.

Absatz steigt

Ausgabe 5/2022

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Zwar wurden die Neonicotinoide Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin und Thiacloprid in den Jahren 2018 bzw. 2020 verboten. Sie gelten als gefährdend für Bienen und andere Insekten. Doch auch die Produkte, die sie ersetzen sollen in der Wirksamkeit, haben laut UBA starke Nebenwirkungen auf die Umwelt. Von ihnen landeten in den vergangenen Jahren seit dem Verbot aber umso mehr auf den Äckern. „Der Absatz solcher Stoffe nahm je nach Wirkstoffgruppe um 13 bis 80 Prozent zu“, teilt die Behörde mit.

Insgesamt ist der Absatz bei den Insektiziden im Jahr 2020 am stärksten gestiegen. Hier legten die Verklaufszahlen um 18 Prozent zu. Bei den Herbiziden waren es zwei Prozent im Vergleich zu den Jahren 2018/2019. Nur bei den Fungiziden verzeichnete das BVL rückläufige Zahlen.

Insektizide reduzieren: Deutschland fehlt eine Strategie

Neben dem starken Anstieg bei den Insektiziden sieht das UBA vor allem die hohen Verkaufszahlen bei den Mitteln, die kritische Stoffe für Grund- und Trinkwasser enthalten, als bedenklich an. Die Behörde weist darauf, dass trotz freiwilliger Bemühungen der Industrie und Landwirtschaft, sich der Trend nicht umkehrt bei der Verwendung gefährlicher Pflantenschutzmittel. Damit werde auch das Ziel der Farm-to-Fork-Strategie des European Green Deal der EU bisher verfehlt. Diese sieht vor, dass bis 2030 die eingesetzte Menge von Pflanzenschutzmitteln und das damit verbundene Risiko halbiert werden soll. Auch Deutschland ist in der Pflicht, dafür Strategien zu entwickeln.

Das UBA hat dafür Vorschläge erarbeitet. So solle das Ziel in den Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz für die nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) aufgenommen werden. Außerdem brauche es eine Festlegung konkreter Maßnahmen, um den Einsatz der Pflantenschutzmittel zu reduzieren – unter anderem Verbote, die Förderung pestizidarmer Anbaumethoden und des Ökolandbaus, mehr pestizidfreie Rückzugsräume im ländlichen Raum und auch eine zweckgebundene Pflanzenschutzmittelabgabe. Andere EU-Länder wie Frankreich oder Dänemark dienen hier als Vorbild.

jtw

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