Das ist das Deutsche Bienenmonitoring

16. Juli 2020

Das Deutsche Bienenmonitoring (DeBiMo) ist ein deutschlandweites Forschungsprojekt mehrerer Bieneninstitute. Von rund 120 Imkereien werden dabei Daten erfasst und ausgewertet – unter anderem zu Entwicklung und Verlusten von Bienenvölkern, Krankheiten und Pflanzenschutzmittel in Bienenbrot.

Über nunmehr 15 Jahre wurde mit dem Deutschen Bienenmonitoring mit gleichbleibenden Methoden ein weltweit einzigartiger Datenpool geschaffen. Er ist mittlerweile unverzichtbar geworden, um Fragen zur Bienengesundheit wissenschaftlich fundiert zu analysieren. Lediglich hinsichtlich Spezifität oder Empfindlichkeit dem wissenschaftlichen Fortschritt gab es Anpassungen.

Gründung und Ziele des Deutschen Bienenmonitorings

Die Arbeit der Imkerinnen und Imker – unabhängig ob es sich um Freizeit-, Nebenerwerbs- oder Berufsimker handelt – gewinnt für die Bienengesundheit eine immer größere Bedeutung. Die Wahl der Standorte sowie die Fütterung, Zucht und Krankheitsbekämpfung der Völker haben großen Einfluss auf das Überleben und die Leistung der Bienenvölker. Gleichzeitig können die bei Honigbienen erhobenen Daten – z.B. zu Nahrungsverfügbarkeit oder Einfluss von Pflanzenschutzmitteln – Hinweise auf Probleme für Wildbienen oder andere blütenbesuchende Insekten geben.

Ausgabe 12/2020

dbj20_12Titel

Top-Themen:

  • Vereine und Corona
  • Volksinitiativen Artenschutz
  • Winterbehandlung
  • Honigjäger von Bangladesch

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Für eine solche Datenerhebung ist die Tatsache, dass vermutlich über 95 Prozent der Bienenvölker in Deutschland „in Imkerhand“ sind, ein Vorteil. So können wir auch über längere Zeiträume zuverlässige Informationen zu Völkerverlusten, Abnahme der Leistung und Prävalenzen von Pathogenen erheben. Fundierte Kenntnisse zur Situation der Bienengesundheit in Deutschland sind daher sowohl für die Bienenhalter als auch für die Öffentlichkeit, Amtstierärzte und politische Entscheidungsträger von großer Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund ist es ein Ziel des Deutschen Bienenmonitorings, jährlich zunächst einmal einen aktuellen und umfassenden Überblick über die Situation der Bienenhaltung und den Zustand der Bienenvölker in Deutschland zu geben. Diese Zustandsbeschreibungen werden ergänzt durch eine kontinuierliche und mit modernsten Methoden durchgeführte Erfassung aller für die Bienengesundheit relevanten Parameter.

Um dabei langfristig auch Ursachenanalysen durchführen zu können, war es von Beginn des Projektes an Konsens, dass das DeBiMo

  • langfristig angelegt ist,
  • an einer möglichst gleichbleibenden Kohorte von Bienenvölkern und
  • mit weitgehend gleichbleibenden Methoden die o.a. Parameter systematisch und deutschlandweit erfassen sollen, durchgeführt werden soll.

Dieser Ansatz bietet auch die Möglichkeit, auf der Basis langjähriger Daten Empfehlungen für die imkerliche Praxis zu formulieren sowie Prognosemodelle, z. B. für Völkerverluste, zu erstellen. Schließlich dienen die Monitoringvölker auch der Kontrolle der Einschleppung bzw. Verbreitung neuer invasiver Pathogene. Zu denken ist dabei etwa an den Kleinen Beutenkäfer, der vor fünf Jahren nach Süditalien kam.

Datenerfassung

Das Kooperationsprojekt hat die Ziele, langfristig die folgenden Daten zu erheben, auszuwerten und zu bewerten:

  1. Bienenvölkerverluste während der Überwinterung sollen systematisch erfasst und dokumentiert werden.
  2. Anhand der Daten sollen für die derzeit relevanten Bienenkrankheiten und die wichtigsten Bienenviren, die Notwendigkeit seuchenrechtlicher Maßnahmen beurteilt und entsprechend umgesetzt werden. Bezogen ist dies insbesondere auf die Varroose und Infektionen mit Nosema spp..
  3. Anhand der Prävalenzen und Bienenschäden sollen differenzierte Schadschwellen für Pathogene abgeleitet werden. Nach Möglichkeit soll dies verbunden sein mit zuverlässigen Diagnoseverfahren und Empfehlungen für die Imker zur Vermeidung von Schäden oder nachhaltiger Bekämpfung der Krankheiten.
  4. Der Kontakt der Bienen mit verschiedenen Pflanzenschutzmitteln soll in Abhängigkeit von Standort, Jahreszeit und Untersuchungsjahr erfasst werden. Solche Daten sind für die aktuelle Diskussion zu einer bestäuberfreundlichen Landwirtschaft von großer Bedeutung. Sie können zudem auch Hinweise auf eine potentielle Gefährdung von Wildbienen geben.
  5. Durch die Beratungstätigkeit der beteiligten Institute sollen die Ergebnisse direkt in die imkerliche Praxis einfließen.
  6. Die Langzeitdatenlage zur Bienengesundheit und der relevanten Einflussfaktoren soll den politischen Verantwortlichen eine wissenschaftlich fundierte Basis an die Hand geben. Das gilt für Entscheidungen im Bereich der Bienenhaltung und Fördermaßnahmen von Imkerei und Bienenwissenschaft.

Um die langfristigen Ziele zu erreichen, besitzt das Langzeitprojekt DeBiMo festgelegte Zwischenziele, die sich jeweils an den Laufzeiten der zeitlich befristeten Projektabschnitte orientieren. Diese Zwischenziele sind zum einen in den jährlichen Berichten erklärt und dokumentiert. Sie sind dann im Abschlussbericht der meist drei Jahre laufenden Projekte zusammengefasst. Die Berichte sind abrufbar unter: bienenmonitoring.uni-hohenheim.de/

Struktur des Deutschen Bienenmonitorings

Jeder Projektimker liefert „Basisdaten“ bzgl. Entwicklung und Honigertrag von je zehn zufällig ausgewählten Bienenvölkern (= „Monitoringvölker“). Er ermöglicht drei Standbesuche zur Beurteilung der Völker. Zusätzlich zur Datenerfassung der Imkereien gibt es auch Monitoringvölker, die Mitarbeiter der Bieneninstitute betreuen.

Um belastbare Daten (Populationsschätzung) und nachvollziehbare Probennahmen an den Monitoringvölkern zu gewährleisten, werden diese Arbeiten grundsätzlich im Rahmen der dreimaligen Standbesuche gemeinsam von Monitoringimkern und Mitarbeitern des betreuenden Institutes durchgeführt. Dabei wird der Gesundheitszustand der Völker erfasst.

Die DeBiMo-Mitarbeiter schätzen die Populationen und ziehen Bienen- und Futterkranzproben zur Analyse von Krankheiten und Proben des Bienenbrots zur Analyse auf Pflanzenschutzmittelrückstände.

Sie fassen Daten zu standortspezifischen Faktoren wie Trachtbedingungen, der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln und der Honigertrag und bienenvolkspezifische Parameter in einer Datenbank zusammen. Zu den bienenvolkspezifischen Parametern zählen: Volksstärken, Prävalenzen der zehn wichtigsten Bienenpathogene und imkerliche Maßnahmen wie Wanderungen oder die Varroabekämpfung. Diese Daten sind inklusive der Daten aus früheren Projektperioden inzwischen so in der Datenbank strukturiert, dass Langzeitanalysen mit multivariaten statistischen Modellen möglich sind.

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Dr. Annette Schroeder, stellvertretend für die teilnehmenden Bieneninstitute

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