Wie bekommt man Rähmchen sauber?

06. März 2024

Rähmchen sind nach dem Ausschmelzen nie ganz sauber. Am Holz kleben noch Reste vom Wachs, und in Ecken und Rillen sitzt die Propolis bombenfest. Was also tun? Wie werden Rähmchen sauber – ohne Plackerei und ohne Sicherheitsbedenken?

Ohne weitere Behandlung müssen Rähmchen nach dem Wachsschmelzen immer bienensicher gelagert werden, denn sie locken Räuberinnen an. Auch beim nachfolgenden Einlöten machen sie keine Freude: Der Spanner rutscht von den gewachsten Drähten ab, die Mittelwand passt nicht in die verstopfte Nut, und Tresterreste schmoren beim Anlegen des Stroms. Überdies kleben die Hände. Die Rähmchen nicht zu reinigen ist also keine Option.

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DBJ Ausgabe 4/2024

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Rähmchen säubern: Mit Muskelkraft oder Feuer?

In meinen ersten zehn Imkerjahren war ich noch voller Saft und Kraft. Direkt nach dem Ausschmelzen und Ausklopfen des noch warmen Tresters in einen aufgespannten, stabilen Bauschuttsack habe ich damals die Rähmchen durch Sauberkratzen mit dem Stockmeißel gereinigt. Ist alles noch warm und feucht, klappt das recht gut. Bis alles einigermaßen sauber ist vergeht jedoch mindestens eine Minute je Rähmchen. Und die Schaberei geht auf die Gelenke. Die Drähte bekam ich auf diese Weise gar nicht sauber. Das anschließende Einlöten der Mittelwände war also kein Spaß.

Ob man die Rähmchen nicht abflammen könne, fragte mich jemand. Klasse Idee: Es entsteht in wenigen Sekunden ein beeindruckend brennender Rähmchenturm, der hinterher als kleines Häufchen Asche mit Drähten tatsächlich frei von klebrigen Rückständen ist.

Rähmchen putzen: Besser mit Chemie?

Rähmchen putzen
Beim Putzen der Rähmchen mit Chemie sollte man die eigene Arbeitssicherheit sehr ernst nehmen. Foto: Pia Aumeier

Heute werde ich den lästigen Schmutz viel leichter mit Chemie los. Erfahrene Imkerinnen und Imker wissen: Schnell, günstig und fast ohne mechanischen Aufwand klappt die Reinigung mit drei- bis fünfprozentiger Natronlauge, die aus Natriumhydroxid-Pulver (NaOH) – auch „Ätznatron“ genannt – und Wasser hergestellt wird.

Nach dem Einweichen in kalter Natronlauge vergehen ein bis zwei Tage, bis zu einem ansprechenden Resultat. Zusätzlich ist meist etwas Schrubben mit einer stabilen Wurzelbürste unumgänglich, anschließend sollten die Rähmchen für einen Tag in Wasser gespült werden. Ist die Lauge hingegen heiß oder sogar kochend, vergehen maximal fünf Minuten. Eine mechanische Reinigung ist dann meist nicht mehr notwendig und das Nachspülen in einigen Minuten in Wasser oder dreiprozentiger Zitronensäurelösung erledigt. Die kurzen Einweichzeiten schonen dabei meinen Zeitplan und das Rähmchenholz.

Mit einem großen Kessel, der eigentlich für das Brühen von Gänsen gedacht ist, reinige ich so seit Jahren knapp 200 Rähmchen pro Stunde. Eine etwas zeitaufwendigere, aber auch deutlich weniger gefährliche Variante rate ich meinen Jungimkern: Rähmchen reinigen in einer alten Spülmaschine.

Erfolgreiche Kombination: Mit Chemie und Spülmaschine!

Hierzu brauche ich nur eine ausrangierte Spülmaschine, Ätznatron als Pulver oder aufgelöst in einem Imkerreiniger und eventuell ein hitzebeständiges Gefäß. Nicht fehlen darf auch hier die Schutzausrüstung. Die rechtliche Situation bei der Nutzung von Natronlauge ist verwirrend, denn zur Desinfektion darf ich sie nicht mehr ohne Weiteres anwenden, zur Reinigung hingegen schon.

Imker werden zwar angehalten sogenannte Imkerreiniger zu nutzen. Für mich ist aber nach einschlägigen Vergleichstests überraschend, dass die aktuell zugelassenen Imkerreiniger nur dann gut wirken, wenn sie Natronlauge enthalten. Erstaunlich ist auch: Im Vergleich mit der selbst angerührten Natronlauge kosten die Imkerreiniger das Zehnfache.

Tipp: Rähmchen nur mechanisch zu reinigen ist für mich keine Option. Blitzblank bekommt man sie mit drei bis fünfprozentiger Natronlauge. Besonders simpel und sicher geht es mit einer alten Spülmaschine. Dennoch gilt: Achten Sie im Umgang mit Chemikalien auf Ihre Gesundheit!

Sicherheit geht vor!

Schützen Sie sich im Umgang mit Natronlauge mit Gummistiefeln, Gummischürze, chemikalienresistenten langen Handschuhen, Schutzvisier und vorsichtiger Arbeitsweise.

Zum Eigenschutz gehört in meiner Imkerei auch: Beutenputz ist Bienensache. Ungenutzte Beutenteile erfahren bei mir keine standardmäßige winterliche Reinigung. Nur Material von Ständen, die in der Nähe von AFB-Sperrgebieten liegen, unterziehe ich sicherheitshalber einem kurzen Abflammen. Gegen alle anderen Krankheitserreger schützen die Bienen das Beuteninnere eigenständig mit einer Propolistapete. Warum sollte ich die zerstören?

Tipp: Rähmchen reinigen mit der Spülmaschine

Rähmchen putzen in der Spülmaschine
Rähmchen putzen in der Spülmaschine hat viele Vorteile. Dennoch sollte man unbedingt eine Extra-Maschine verwenden. Foto: Pia Aumeier

Eine alte Spülmaschine, am besten ohne Schmutzsensor und mit hohem Wasserverbrauch, gibt es schon für 25 Euro. Diese schließt man zum Beispiel im Waschkeller an. Vom Missbrauch der Küchenspülmaschine rate ich ab: Nach den Rähmchen behält sie einen muffigen Geruch.

Werden Reiniger auf NaOH-Basis genutzt, gilt: Jede Maschine nutzt für den Hauptspülgang unterschiedlich viel Wasser. Daher muss man die richtige Mischung selbst austesten. Gut klappte bei mir folgender Ablauf:

  • Die Reinigungslösung kaufen oder aus fünf Esslöffeln Natriumhydroxid-Pulver mit etwa drei Tassen Wasser so herstellen: In Schutzkleidung an die frische Luft gehen. Erst das Wasser, dann das Pulver in ein hitzebeständiges Gefäß – einen alten Kochtopf – geben, einmal schwenken. Schon ist die Lösung heiß und fertig. Gesichert kurz zur Seite stellen.
  • Den oberen Korb der Spülmaschine entnehmen, Rähmchen einsortieren, das Topfwaschprogramm starten. Den Vorspülgang abwarten oder – wenn möglich – überspringen. Sobald das Wasser für den Hauptspülgang einläuft, Frontklappe öffnen und die Reinigungslösung direkt in den Maschinenboden schütten. Zusätzliche Spülmittel sind nicht nötig, jedoch Spülmaschinensalz.
  • Nach etwa 30 Minuten ist die Maschine fertig, ein Nachspülen der Rähmchen ist unnötig. Nur noch trocknen lassen. Werden die Rähmchen mit dieser Mischung nicht sauber, setzt man einen neuen Waschgang mit etwas konzentrierterer Lauge an. Sind sie picobello, kann die Konzentration der zugegebenen Lösung versuchsweise gesenkt werden.

Verseifte Reste im Maschinenboden sollte man nach zwei Waschgängen mit einem Spachtel entnehmen und das Sieb reinigen. Meine zwei Spülmaschinen überlebten so schadlos bisher je etwa 18.000 Rähmchen. Laut Entsorgern kann die Lauge direkt abgepumpt werden, da sie verseift und sich mit Abwässern verdünnt. In eine hauseigene Sickergrube oder ein natürliches Gewässer darf diese Lösung jedoch nicht geraten.

Pia Aumeier

Pia im Netz: unter bienenjournal.de/pias-imkerwelt finden Sie Kurzfilme und Zusatzinfos zur jeweils aktuellen Ausgabe.

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