Bienenhotel: So ziehen Wildbienen gerne ein

17. Juni 2021

Etwa ein Drittel aller in Deutschland lebenden Wildbienenarten nistet in Totholz oder Stängeln. Die meisten dieser Arten besiedeln auch künstliche Nisthilfen. Diese Bienenhotels sind auch eine gute Gelegenheit zum Beobachten der Wildbienen. Dr. Melanie von Orlow erklärt, was eine geeignete Nisthilfe ausmacht.

Ausgabe 10/2021

DBJ_10_2021

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Fertige Bienenhotels, aus dem Baumarkt oder im Internet bestellt, sind oft mangelhaft und vor allem nicht an die Bedürfnisse der Wildbienen angepasst. Komplett durchbohrte Baumscheiben, scharfkantiges Material oder gar Rückstände von Holzbehandlungsmittel sind dabei als Beispiele zu nennen. Mit ein paar kleinen Tricks kann man Bienenhotels aber auch ganz einfach selber bauen – und damit Nisthilfen anbieten, die sicher mehr Insekten anlocken und einziehen lassen.

Bienenhotel bauen mit einfachen Mitteln

Schilfrohr in Dosen: Aus Reetmatten, die in Baumärkten als Balkonsichtschutz angeboten werden, schneidet man mit einer scharfen Gartenschere Streifen aus Stängelabschnitten. Diese rollt man zusammen und steckt sie in eine saubere Konservendose, so dass sie mit den Öffnungen nach außen zeigen. Dabei sollte der Schnitt möglichst hinter den Verdickungen der Stängel erfolgen, damit die Röhren am hinteren Ende verschlossen sind. Die Dose installiert man dann mit dem Boden an einer Wand oder legt sie mit der Öffnung nach vorn in das Nistregal.

Bienenhotel
Lehmwände dienen als Nisthilfe für viele Wildbienenarten. Foto: Saskia Schneider

Wände aus Lehm: Einer der wichtigsten Baustoffe in einem Bienenhotel sind Löss oder Lehm. Solcher „Stampflehm“ ist im trockenen Zustand mit dem Fingernagel kratzbar. Er wird sowohl besiedelt als auch von Mauerbienen abgebaut, um die Nestgänge regelrecht zu tapezieren. Bei großer Trockenheit kann man die Tiere nach dem Wässern solcher Lehmstellen in großer Zahl beim Sammeln von Baumaterial beobachten, denn das Material ist vielerorts Mangelware.

Der Lehm wird – ohne Beimengungen von Stroh, Kies oder Ähnlichem – zum Beispiel in einem Pflanzgefäß aus Ton zu einer mindestens 10 bis 15 cm dicken Schicht zusammengedrückt. Anschließend stellt man das Gefäß mit der senkrechten Lehmseite in die Nisthilfe. Es ist nicht notwendig, tiefe Löcher in den Lehm zu bohren, doch kleine Landehilfen aus etwa einen Zentimeter tiefen Löchern werden gerne inspiziert. Manche Arten arbeiten an solchen Stellen auch aktiv eigene Nestanlagen in den Lehm.

Bienenhotel
Auch in Bohrlöcher im Holz nisten Wildbienen gerne. Foto: Saskia Schneider

Bienenhotel mit vielen verschiedenen Bohrlöchern

Bohrgänge in Totholz: Gut abgelagertes Obstbaumholz oder das besonders wetterfeste Robinienholz sind am besten geeignet – nicht jedoch Nadelholz. Bohren Sie die Astabschnitte mit scharfen Holzbohrern auf der berindeten Seite quer zur Maserung an. Wählen Sie dabei unterschiedliche Durchmesser zwischen zwei und acht Millimetern. Die Bohrgänge müssen anschließend gut ausgeklopft werden.

Bienenhotel bauen
Bienenhotels kann man ganz einfach selber bauen. Foto: Saskia Schneider

Wem an vielen natürlichen Schädlingsbekämpfern gelegen ist, der sollte bevorzugt Löcher mit einem Durchmesser von bis zu vier Millimetern anbringen: Diese Räume werden gerne von den Blattlausbekämpfenden (aber ansonsten harmlosen) solitären Wespenarten besiedelt. Stellen Sie die Hölzer anschließend mit den Öffnungen nach vorn in das Nistregal.

Weitere Tipps fürs Bienenhotel

Nutzlos: Wildbienen benötigen weder Tannenzapfen, Heu oder Stroh noch Lochziegel.

Im Winter nicht ins Haus holen: Verschlossene Röhren zeigen die besiedelten Nistgänge an, die – wie alle Nisthilfen – auch im Winter im Freien bleiben müssen, damit die nächste Generation im Folgejahr schlüpfen kann.

Wildbienen kommen von alleine: Zur Besiedlung braucht es übrigens keine Impfung mit gekauften Bienen – die Wildbienen finden sich in der Regel ganz von selber ein, wenn der Standort stimmt.

Dr. Melanie von Orlow

Weitere Infos gibt es unter hymenoptera.de

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