“Winterbienen”: Norbert Scheuer im Interview

17. Oktober 2019

Der Roman „Winterbienen“ von Norbert Scheuer beschreibt das Leben eines Imkers in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges. Er erreichte die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Im Interview mit dem Deutschen Bienen-Journal berichtet der Autor, wie viel Recherche für seinen Roman nötig.

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jedes Jahr den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. In diesem Jahr waren sechs Autoren mit ihren neuesten Werken nominiert – darunter auch ein Roman, in dem Bienen eine besonders wichtige Rolle spielen: „Winterbienen“ von Norbert Scheuer.

Viel Recherche für den Roman „Winterbienen“

Der Roman “Winterbienen” von Norbert Scheuer erreichte die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Foto: C.H. Beck Verlag

Der Roman erzählt sowohl die Geschichte des Imkers Egidius Arimond – fiktive Tagebuchaufzeichnungen aus den Kriegsjahren 1944/45. Die Jury des Deutschen Buchpreises lobt die präzise und spannende Erzählung.

Zwar erreichte „Winterbienen“ nicht den ersten Platz der Auszeichnung – dieser ging an Saša Stanišić für seinen Roman „Herkunft“ – dennoch wird der Imkerroman sehr gefeiert. Die Redaktion des Deutschen Bienen-Journals hat mit Norbert Scheuer im Vorfeld der Preisverleihung gesprochen. Im Interview berichtet er, wie viel Recherche für seinen Roman nötig war, wie viel Wahrheit in der Figur des Egidius Arimond steckt – und über Imker als kritische Leser.

Drei Fragen an Norbert Scheuer

Wie haben Sie sich in das Thema Bienen und Imkerei eingearbeitet?

Dafür habe ich sehr viele Leute befragt. Ich bin zu Imkern gegangen, habe mit Wissenschaftlern geredet und viel gelesen. Wobei das Lesen nicht so sehr hilft, wenn man Geschichten schreiben möchte. Wichtiger war es, neben den Bienenstöcken zu sitzen, zu beobachten und den Imkern zuzuhören.

Wie lange hat diese Einarbeitung gedauert?

Mindestens ein Jahr. In meinen Romanen müssen die Protagonisten das, was sie tun, auch genau beschreiben können. Sie müssen ein reales Handwerk ausüben. Dann kann ich die Poesie aus der Beschreibung dieses Handwerks entwickeln und komme zu einer tieferen Metaphorik.

Haben Sie Imker den Roman lesen lassen, um Feedback zu erhalten, ob die Fakten stimmen?

Aber ja! Das Manuskript ist von mehreren Fachleuten gelesen worden, von Imkern, Genetikern und von imkernden Soziologen. Im ersten Durchlauf gab es eine Menge Kritik. Das hat sich dann gebessert. Mir war es wichtig, dass das Buch fachlich korrekt ist. Ich habe damit gerechnet, dass viele Imker das Buch lesen werden. Nach dem Erscheinen haben mich tatsächlich einige Rückmeldungen über den Verlag erreicht.

TOP-THEMEN im Februar-Heft

1. Verdampfen von Oxalsäure

Das Verdampfen von Oxalsäure – korrekt heißt es eigentlich: Sublimieren von Oxalsäuredihydrat – ist in Deutschland als Varroabehandlung nicht zugelassen. Dennoch greifen schätzungsweise 30 % der Imker zu dieser Behandlungsform. Unser Redakteur Sebastian Spiewok wollte das Thema nicht weiter unter den Teppich kehren und ging der Frage nach, weshalb Imker überhaupt zu dieser illegalen Behandlung greifen und ob sie nicht aus dieser Illegalität geholt werden können.

» Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe

2. Eigene Mittelwände

In Thüringen haben sich Imker eines Ortes zusammengetan, um Mittelwände aus eigenem Wachs herzustellen. In der neuen Ausgabe des Bienen-Journals erzählen sie ihren Weg zum eigenen Wachskreislauf – von den Vorüberlegungen bis hin zu ihrer Lösung. Sowohl die Imker als auch deren Bienen waren mit dem Ergebnis zufrieden.

3. Honigverfälschungen

Honig gehört zu den Lebensmitteln, die am häufigsten gefälscht werden. Im Laufe der Zeit haben sich die Fälschungsmethoden derart verändert, dass neue Methoden entwickelt werden mussten, um die Verfälschungen aufzuspüren. Doch diese neuen Methoden werden zum Teil noch torpediert. Wir geben Ihnen eine Übersicht über die aktuelle Situation und die bekanntesten aufgeflogenen Fälle in den letzten Jahren. Mit diesem Beitrag schließen wir vorerst unsere viel beachtete Reihe zum Thema Honig ab. Sie startete im dbj 12/2019 mit einem Bericht über die geplante ISO-Norm für Honig und lief weiter im dbj 1/2020 mit Beiträgen über die Herkunftsdeklaration von Honigen und einer Übersicht über den Honigmarkt.

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