Diese Folgen hat der Klimawandel für das Imkern

15. November 2021

Hitze, Starkregen und wärmere Winter: Der Klimawandel ist spürbar. Auch Honigbienen und andere Insekten bekommen dies mit, denn die natürlichen Abläufe verändern sich. Doch wie genau wird das für sie bemerkbar? Wie verändert sich damit das Imkern? Und kann man sich auf den Wandel vorbereiten? Annely Brandt vom Bieneninstitut Kirchhain gibt uns Antworten.

Dr. Annely Brandt ist Biologin. Sie arbeitet und forscht am Bieneninstitut im hessischen Kirchhain. Und sie hat sich mit den Folgen des Klimawandels auf das Imkern und die Bienen beschäftigt. Welche genau das sind und was Imker nun tun können, berichtet sie im Interview.

DBJ: Durch den Klimawandel müssen wir mit mehr Wetterextremen rechnen. Wird das Imkern dadurch komplizierter? Wie kann man sich darauf vorbereiten?

Brandt: Durch den Klimawandel werden Extremwetterereignisse wie Starkregen und Stürme immer wahrscheinlicher. Auch Spätfröste und Dürrephasen können zunehmen. Das Imkern wird komplizierter, weil das Wetter unvorhersehbarer wird. Deshalb müssen wir Imker die Bienen und ihre Futtersituation gut beobachten. Kommt genug Pollen und Nektar von außen? Haben sie im Frühjahr noch ausreichend Futter? Wir können uns darauf vorbereiten, in dem wir einen guten Standort aussuchen, d.h., die Bienen sollten möglichst vor Überflutungen sicher sein, im Sommer eher im Halbschatten stehen, es sollten möglichst bei Sturm keine großen Äste herunterfallen können. Insbesondere im Frühjahr und in heißen Sommern muss immer ausreichend Wasser zur Verfügung stehen. Auch das Waldbrandrisiko wird in Zukunft zunehmen. Wir sollten also darauf achten, nicht selbst mit dem Smoker einen Brand auszulösen. Wir im Institut haben seit einiger Zeit in allen Imkerfahrzeugen Feuerlöscher dabei.

„Der Klimawandel macht das Imkern komplizierter“

Ausgabe 12/2021

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DBJ: Auch unzuverlässige Trachtverhältnisse sind prognostiziert. Kann man Problemen damit entgegenwirken, wenn man am Bienenstandort für eine bessere Bienenweide sorgt? Und müssen sich Imker vielleicht auch darauf einstellen öfter und mehrmals mit ihren Bienen zu wandern und Trachten gezielt zu suchen?

Brandt: Es wird tendenziell wärmer und im Sommer trockener werden. Das ist eigentlich positiv für die Bienen, da sie so mehr sonnige Flugstunden zum Sammeln von Pollen und Nektar haben. Im Frühjahr beginnt die Blütezeit vieler Pflanzen jedoch immer früher. Das begrenzt die Flugstunden der Bienen, da im Frühjahr die Tage noch kurz sind. Es wird also darauf ankommen, ob die Bienen im Frühjahr schon eine ausreichend große Volksstärke erreicht haben, um das Blütenangebot zu nutzen. In den Sommermonaten wird es eher darauf ankommen, ob es überhaupt ein ausreichendes Blütenangebot geben wird. In der Umgebung des Bienenstands für eine bessere Bienenweide zu sorgen ist immer eine gute Idee. Ich denke, in Zukunft wird es auch darauf ankommen, mehrjährige Pflanzen, wie klima-resiliente und bienenattraktive Bäume und Sträucher zu pflanzen. Deren Wurzeln reichen tiefer und sie können auch bei Trockenheit noch Nektar produzieren. Ob sie mit Ihren Bienen wandern sollen, kann ich so pauschal nicht beantworten. Das hängt sehr vom lokalen Standort ab und Ihren persönlichen Vorstellungen vom Imkern, also z.B. wie wichtig Ihnen der Honigertrag ist.

Klimawandel: Höhere Varroabelastung beim Imkern erwartet

DBJ: Durch die schwankenden Wetterverhältnisse ist auch die Varroabehandlung schwieriger. Was ist dabei zu beachten?

Brandt: Eine zeitige Frühjahrsentwicklung und ein langer, milder Herbst, wie es für die Zukunft tendenziell vorhergesagt wird, kann auch die Varroabelastung erhöhen. Hier reicht es nicht aus, nach dem Schema-F vorzugehen. Wir müssen regelmäßig jedes einzelne Bienenvolk anschauen und den tatsächlichen Varroabefall mit dem eingeölten Bodenschieber messen. Nur so haben wir die Chance, rechtzeitig einzugreifen, wenn es nötig ist. Dazu kommt, dass viele Bienenvölker keine deutliche Brutpause mehr im Winter haben. In dieser Hinsicht sind noch viele Fragen offen und wir untersuchen grade, welche Konsequenzen Brutaktivität im Winter auf die Langlebigkeit und Vitalität der Winterbienen hat.

DBJ: Ist der Umstieg zum Konzept des Teilen und Behandelns aus Ihrer Sicht dann eine Alternative zur Ameisensäure-Behandlung? Und ist diese Methode auch für jeden umsetzbar?

Brandt: Da es im Sommer für die Standard-Behandlung mit Ameisensäureverdunstern in manchen Jahren zu heiß sein wird, ist es sinnvoll, sich jetzt schon mit alternativen Methoden vertraut zu machen. In Kirchhain arbeiten wir seit Jahren mit biotechnischen Verfahren, wie z.B. der Sommerbrutpause, dem Bannwabenverfahren oder der Kompletten Brutentnahme. Das sog. „Teilen und Behandeln“ würde ich als Variante der Kompletten Brutentnahme einordnen, die speziell auf eine Betriebsweise mit zweigeteiltem Brutraum abgestimmt ist. Die Komplette Brutentnahme geht selbstverständlich auch in einräumiger Betriebsweise. Ich persönlich verwende lieber diese biotechnischen Behandlungsmethoden, egal in welcher Variante, weil sie von Jahr zu Jahr sehr zuverlässig sind und deutlich angenehmer in der Handhabung als die Ameisensäureverdunster.

jtw

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