Ameisensäure

11. August 2020

Die Ameisensäure ist ein Mittel zur Behandlung der Varroose und wird weltweit für diesen Zweck eingesetzt. Es wird angenommen, dass die Ameisensäure die Varroamilben schädigt, indem sie ein bestimmtes Enzym hemmt, das für die Atmung und Energieversorgung der Parasiten wichtig ist. Die Ameisensäure wirkt als einziger zugelassener Wirkstoff in verdeckelte Brutzellen hinein, wo sich die Varroamilbe vermehrt. Vorteile gegenüber synthetischen Varrooaziden sind das geringe Risiko einer Resistenz und – bei sachgemäßer Anwendung – das Ausbleiben von Rückständen in Bienenprodukten. Die Behandlungseffizienz hängt ab von:

  • der Menge der eingebrachten Ameisensäure
  • der Umgebungstemperatur
  • der Luftfeuchtigkeit
  • der Koloniestärke
  • der Brutpräsenz
  • dem Verdampfer und dessen Position im Bienenstock.

Natürliches Vorkommen der Ameisensäure

Ameisensäure kommt in der Natur bei Tieren und Pflanzen vor: Ameisen, Laufkäfer, Skorpione und Quallen nutzen sie zu Verteidigungszwecken. Auch Brennnesseln enthalten Ameisensäure. Die 60%ige Ameisensäure, die bei der Varroabehandlung zum Einsatz kommt, wird jedoch synthetisch hergestellt.

Im Honig kommt Ameisensäure ebenso natürlich vor: hier liegt der Gehalt je nach Honigsorte zwischen 50 und 1000 mg pro Kilogramm. Das Schleudern von Honig nach der Ameisensäurebehandlung ist jedoch zu unterlassen, da es zu geschmacklichen Rückständen im Honig kommen kann.

Behandlung mit Ameisensäure

Der Zeitpunkt der Ameisensäurebehandlung hängt davon ab, wie stark das Volk von der Varroamilbe befallen ist. Die Behandlung geschieht bei Wirtschaftsvölkern nach der letzten Honigernte, bei Ablegern auch während der Sommermonate. Nach der Ameisensäurebehandlung darf kein Honig mehr geschleudert werden.

Ameisensäurebehandlung: Milbenermittlung im Volk

Um den Milbenbestand im Volk zu ermitteln, sollte ab Juli regelmäßig eine Gemülldiagnose stattfinden. Hierfür wird der Bodenschieber unter dem Gitterboden platziert und mit Öl (z.B. Sonnenblumenöl) bestrichen. Das Öl verhindert, dass Ameisen und Ohrenkneifer die Milben wegtragen. Nach drei Tagen wird kontrolliert, wie viele Milben auf den Schieber gefallen sind. Bei weniger als fünf Milben pro Tag ist eine Varroabehandlung mit Ameisensäure nicht unmittelbar notwendig, sollte aber nach Trachtende erfolgen. Bei mehr als fünf und weniger als 10 Milben pro Tag sollte der Befall weiter beobachtet werden. Mehr als zehn Milben pro Tag erfordern eine baldige Behandlung. Hier muss eventuell auf eine zweite Tracht verzichtet werden. Die Schadwelle ist überschritten, wenn das Volk mit über 30 Milben pro Tag belastet ist. Dann kann die Vermehrung der Varroamilbe im Volk mithilfe der Ameisensäure nicht mehr gestoppt werden. Der Varroabefall kann auch mittels der Puderzuckermethode ermittelt werden.

Methoden der Ameisensäurebehandlung

Ameisensäure Liebig Dispenser AdobeStock/mirkograul

Die Ameisensäurebehandlung kann mit dem Liebig-Dispenser durchgeführt werden. Foto: AdobeStock/mirkograul

In Deutschland ist 60%ige Ameisensäure zugelassen. Unterschieden wird zwischen Kurzzeit- und Langzeitbehandlung. Für die Kurzzeitbehandlung sind Schwammtuch und Verdunster zugelassen; zur Langzeitbehandlung werden der Nassenheider Verdunster oder Liebig Dispenser empfohlen. Da Ameisensäure ätzend ist, sollte bei der Behandlung Schutzkleidung (säurefeste Handschuhe, Atemmaske, Schutzbrille) getragen werden. Wasser zum Entfernen von Säureresten sollte ebenfalls bereitstehen.

Ameisensäurebehandlung: Wetter beachten!

Für die Anwendung der Ameisensäure im Bienenvolk ist auch das Wetter zu beachten. Die optimale Außentemperatur liegt dabei zwischen 15-25°C. Unter www.varroawetter.de lässt sich das optimale Wetter für die Behandlung ermitteln. Der Nassenheider Verdunster Professional kann auch bei Temperaturen bis 35°C eingesetzt werden.