Imkerjahr

16. März 2021

Neben dem Kalenderjahr und dem Geschäftsjahr gibt es für den Imker noch das Imkerjahr. Dabei stehen die Bedürfnisse und die Entwicklung der Bienen im Vordergrund. Es wird auch als Bienenjahr bezeichnet.

Imkerjahr. Die vier Phasen des Bienenvolks. Abbildung: Deutsches Bienenjournal

Die vier Phasen im Imkerjahr. An diesen Phasen orientieren sich die Bedürfnisse des Biens und die Arbeiten des Imkers. Abbildung: Deutsches Bienenjournal

Was ist das Imkerjahr?

Das Imkerjahr gibt uns einen groben Überblick über die Entwicklung des Bienenvolkes in den einzelnen Monaten und welche Arbeiten in dieser Zeit vom Imker erledigt werden müssen. Es setzt sich im Grunde aus vier Phasen zusammen.

  • Absteigende Entwicklung
  • Winterruhe
  • Aufsteigende Entwicklung
  • Spätfrühling/Sommer

 

Bienenjahr: Die absteigende Entwicklung

Die absteigende Entwicklung findet ungefähr im August und September statt. Hier beginnt das Bienenjahr, weil die jetzigen Arbeitsschritte den Grundstock für ein erfolgreiches Imkern im nächsten Kalenderjahr legen. Das Bienenvolk zieht die langlebigen Winterbienen auf und entledigt sich meist im August in der Drohnenschlacht der männlichen Bienen. Ihre einzige Aufgabe ist es eine Königin zu befruchten. Da so spät im Jahr in der Regel keine Königinnen mehr aufgezogen werden, werden die Drohnen aus dem Volk verbannt. Sie würden nur unnötig viel Nahrung verbrauchen.

Der Imker ist in dieser Zeit teilweise noch mit dem Ausschleudern der Spättracht beschäftigt. Dies kann beispielsweise die Heide sein. Außerdem muss er die Völker mit Zuckerwasser einfüttern und gegen die Varroamilbe behandeln. Teilweise werden schwache Völker vereinigt oder aufgelöst und alte Waben ausgetauscht. Das Wachs dieser Waben schmelzen die meisten Imker ein, um daraus Kerzen herzustellen. Neben Zuckerwasser gibt es auch noch Zuckersirup, Zuckerteig und Honig.

Imkerjahr: Die Winterruhe

Die Winterruhe dauert ungefähr von Oktober bis Februar an. Ihr Beginn ist von der Außentemperatur abhängig. Das Volk hört auf zu brüten und auszufliegen. Der Brutstopp ist wichtig, damit sich die Varroamilbe nicht weiter vermehren kann. Dies erfolgt in den verdeckelten Brutzellen. Es ist enorm wichtig den Mäusekeil rechtzeitig einzusetzen. Dieser verhindert Fraßschäden am Volk und Wabenmaterial durch eindringende Mäuse. Zum Ende der Winterruhe beginnen die Bienen wieder zu brüten. Auch das ist von der Temperatur abhängig. Beim Reinigungsflug verlassen die Bienen den Stock und entleeren ihre Kotblase. Außerdem entsorgen sie verstorbene Bienen vom Boden ihrer Beute.

Während der Winterruhe behandelt der Imker die Bienen bei Bedarf in der Regel mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe. Wenn nötig reinigt, repariert und streicht er sein Werkzeug und das Zubehör neu an. Er besorgt neue Mittelwände und lötet sie in die Rähmchen ein.

Zudem bearbeitet der Imker den Honig und füllt diesen ab – meist für den Verkauf. Verkauft werden kann er an der Haustür, im Freundes- und Kollegenkreis, über den Einzelhandel oder auf Weihnachtsmärkten.

Imkerjahr: Die aufsteigende Entwicklung

Die aufsteigende Entwicklung ist der Zeitraum ungefähr von März bis April, wenn die Temperaturen wieder ansteigen. Jetzt gibt es zwei wichtige Termine, die man gut an der Natur ablesen kann. Zum Beginn der Saalweidenblüte setzen die meisten Imker den zweiten Brutraum auf, wenn dieser nicht mehr/noch nicht auf dem Volk ist. Die Bienen brauchen nun mehr Platz, denn das Bienenvolk wächst im Frühling stark. Mit dem Aufsetzen des zweiten Brutraums verringert man die Schwarmlust, weil die Bienen mehr Raum zum Brüten haben. Außerdem kommt der Drohnen- bzw. Baurahmen ins Bienenvolk. Dieser soll die Schwarmlust durch die Beschäftigung der Bienen reduzieren. Der Drohnenrahmen bremst zudem die Vermehrung der Varroamilben.

Der zweite wichtige Termin ist die Kirschblüte. Zur Kirschblüte setzen die meisten Imker den/die Honigräume auf. Dadurch gibt man dem Volk wiederum Raum und verringert die Schwarmlust. Außerdem kann man den Honig viel leichter und hygienischer ernten.

Das Arbeitspensum des Imkers steigt nun insgesamt wieder an.

Imkerjahr: Spätfrühling/Sommer

Diese Periode geht ungefähr von Mai bis Juli. Im Spätfrühling und Sommer ist die Menge an Bienen und Brut explodiert. Das Bienenvolk hat im Mai/Juni den Zenit der Volksstärke erreicht. Dann kommt es zu den meisten Schwärmen, sofern das Volk in Schwarmstimmung gerät. In diesem Fall zieht das Bienenvolk Königinnen auf. Zudem sammelt es große Mengen an Honig und Pollen. In dieser Periode wird auch das Wabenmaterial am intensivsten gebaut.

Der Imker sollte in dieser Zeit die Völkervermehrung betreiben. Außerdem muss er Bienenschwärme einfangen, Drohnenbrut schneiden und Honig ernten. Bei einigen Imkereien fällt der Verkauf und die Produktion von Ableger, Schwärmen und Königinnen zusätzlich in diese Zeit. Insgesamt ist diese Periode am arbeitsintensivsten.

Die Zeitangaben

Die genannten Monate sind nur ungefähre Angaben. Diese können jährlich um einige Wochen schwanken. Dazu kommt der regionale Faktor. Die Alpen können definitiv nicht mit der Ostsee und ein ländliches Dorf nicht mit einer wärmeren Stadt verglichen werden. Der Klimawandel wird die jährlichen Schwankungen verstärken, die Intensität und Anzahl an Wetterextremen erhöhen und uns im Ablauf damit vor große Herausforderungen stellen.

Am besten achtet man auf die Entwicklung der Pflanzen wie der Saalweidenlüte und der Kirschblüte. Zudem ist das Verhalten des Bienenvolkes sehr wichtig.

Die Webseite „Trachtnet“ bietet Informationen zum Gewicht von Bienenvölkern in Deutschland an. Diese werden mittels einer Waage kontinuierlich und automatisch ermittelt. Mit Trachtnet kann das Trachtangebot in verschiedenen Regionen abgeschätzt werden. Das Deutsche Bienenjournal bietet mit seinen Monatshinweisen Informationen zu aktuellen Arbeiten. Diese werden jedes Jahr von anderen Imkern in Deutschland geschrieben.

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