Honig mit Sirup

10. Februar 2021

In Österreich wurde ein Streit um einen „Honig“ mit Sirup als Zutat beigelegt. Falsche Deklarationen und Honigverfälschungen drücken die Honigpreise. 

Ein „Blütenhonig mit Akazienhonig und Wabe“, der vom österreichischen Discounter Hofer angeboten worden war, hatte unter Imkerinnen und Imkern für Verärgerung gesorgt. Der Grund: Die Wabe enthielt Futtersirup. Wie wir in der Februarausgabe des Deutschen Bienen-Journals berichteten, war der Futtersirup auf dem Etikett in einer Zutatenliste aufgeführt. Es handeltes sich somit nicht um eine heimliche Honigverfälschung, sondern um eine falsche Produktbenennung. Denn echtem Honig darf nichts weiter hinzugefügt werden, andernfalls darf man das Produkt nicht mehr „Honig“ nennen. Angesichts der existierenden Probleme mit verfälschtem Honig auf dem Weltmarkt ist solch ein Produkt aus Sicht der Imkerei nicht akzeptabel. Zudem schadet es dem Ansehen des Honigs, wenn eine solche Mischung auch noch als Gourmetprodukt vermarktet wird. Der Österreichische Erwerbsimkerbund ging deshalb schließlich gerichtlich gegen das Produkt und Hofer vor.  

Ausgabe 10/2021

DBJ_10_2021

Top-Themen:

  • Tierwohl in der Imkerei
  • Melezitosehonig
  • Verdampfer statt Smoker?
  • Vertriebene Honigjäger

Jetzt lesen

Nun vermeldete der Verband, dass er mit Hofer eine Einigung erzielen konnte. Der Pressemeldung zufolge sagte Hofer zu, ein Honigprodukt, das Zuckersirup enthält, nicht mehr als „Blütenhonig“ oder unter einer anderen Bezeichnung, die das Wort „Honig“ enthält, anzubieten oder zu vertreiben. Darüber hinaus bekannte sich die Unternehmensführung des Discounters zu österreichischen Honigprodukten. Hofer gehört zur Aldi-Unternehmensgruppe – Aldi Süd bietet dasselbe Produkt in Deutschland an, allerdings unter der Bezeichnung „Gourmet Zuckerwabe mit Blütenhonig in Akazienhonig“. 

Honig mit Sirup? Viele Verfälschungen in Großbritannien und Indien 

Dr. Stefan Mandl, Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes mahnte: „Verfälschungen des Honigs und irreführende Bezeichnung bedrohen unsere Imkerbetriebe, senken sie doch den Marktpreis oft erheblich.“ Diesen Umstand beklagen auch Imkerinnen und Imker in anderen Ländern, vor allem in den klassischen Exportnationen. Zuletzt wiesen Untersuchungen in Großbritannien, Indien und auf den Philippinen darauf hin, welche Ausmaße solche Verfälschungen haben können. Das indische Centre for Environmental Science hatte zudem interessante Details zu den Sirupen recherchiert, die zur Verfälschung der Honige eingesetzt werden. Mehr darüber ist in der Februarausgabe des dbj zu lesen.  

NMR und LC-HRMS entlarven Honigverfälschungen 

Honigverfälschungen haben sich in den letzten Jahren immer wieder gewandelt. Um neuartige Verfälschungen aufzudecken, sind neue Methode wie NMR und LC-HRMS notwendig, die aber teuer sind und noch nicht standardmäßig eingesetzt werden. Zudem ist für die Auswertung der Ergebnisse eine sehr große Datenbank notwendig. Das Problem dabei ist: Unterschiedliche Datenbanken können zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Dies ist immer wieder ein Angriffspunkt, mit der die Methode diskreditiert wird. Allerdings ist die Methode deshalb auch schwierig für staatliche Kontrollbehörden umzusetzen. In Deutschland dürfen diese in aller Regel nur auf eigene Untersuchungen zurückgreifen. Sollte jedoch jede Landesbehörde nun ihre eigene kleine Datenbank aufbauen, würde dies nicht nur unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen, sondern das Problem der unterschiedlichen Datenbanken verschärfen. Eine große gemeinsame Datenbank, am besten sogar auf EU-Ebene, wäre dringend notwendig. 

In diesem Honigglas ist laut Etikett auch Futtersirup enthalten. Foto: Österreichischer Erwerbsimkerbund

Zeit für die Honigverfälscher 

Die Probleme bei der Erkennung von Honigverfälschungen sind weitgehend bekannt. Dennoch werden neue vielversprechende Methoden weiterhin zerredet. Dabei geht viel Zeit verloren – Zeit, in der die Honigfälscher weiterhin ihren Profit zum Schaden der Imkerei einstreichen können. Wir bleiben an dem Thema dran und werden es auch in der Märzausgabe noch einmal aufgreifen. 

Sebastian Spiewok

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