Hamsterkäufe im Imkereibedarf?

31. März 2020

Lieferengpässe, Schlange stehen, leere Regale: Wer Lebensmittel oder Drogerieartikel kaufen möchte, muss in Zeiten der Corona-Epidemie einige Einschränkungen hinnehmen. Zur Eindämmung des Virus haben Bekleidungsgeschäfte oder der Elektrohandel ganz geschlossen. Gibt es auch Hamsterkäufe im Imkereibedarf?

Wir haben mit Daniel Ruck, dem Geschäftsführer vom Imkereibedarfshandel Bienen Ruck GmbH in Bayern, über die aktuelle Lage und das Einkaufsverhalten der Imker während der Corona-Epidemie gesprochen.

Herr Ruck, wie ist die Stimmung bei den Imkern in Wülfershausen?

Ausgabe 6/2020

DBJ Juni 2020 Titelbild

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Daniel Ruck: Die Stimmung ist noch ganz gut. Die Imker dürfen ja noch zu ihren Bienen, weil die Imkerei zur Landwirtschaft gehört. Viele haben jetzt auch mehr Zeit und wollen daher ihren Völkerbestand aufstocken – das haben wir jetzt schon von mehreren Kunden gehört.

Sie betreiben auch einen Verkaufsladen. Haben Sie noch Kunden, die vorbeikommen?

Ruck: Nein, momentan kommen die Kunden nur noch zum Abholen Ihrer Ware auf das Gelände. Wir dürfen den Laden zwar weiterhin geöffnet halten, da wir Tierbedarf verkaufen, haben uns aber entschlossen, den Kundenverkehr einzustellen – auch zum Schutz unserer Mitarbeiter.

Hamsterkäufe im Imkereibedarf?: Die Lager sind noch gut gefüllt

Wie sind denn jetzt die Arbeitszeiten im Betrieb geregelt? Müssen einige der Mitarbeiter zuhause bleiben?

Ruck: Wir fahren da zweigleisig. Zum einen arbeiten die einzelnen Leute im Lager weiter auseinander, um das Übertragungsrisiko zu minimieren. Zum anderen haben wir eine zweite Schicht eingeführt, sodass sich die Arbeitszeiten der Einzelnen besser verteilen. Falls der Fall eintritt, dass jemand ausfällt, weil er positiv auf Corona getestet wird, haben wir eine Notmannschaft zusammengestellt, mit der wir den Betrieb erstmal weiter aufrechterhalten können.

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Hamsterkäufe im Imkereibedarf Daniel Ruck
Daniel Ruck vom Imkereifachhandel Bienen Ruck im Interview: “Die Lager sind noch voll.” Foto: privat

Ruck: Das lässt sich noch schwer abschätzen – es ist ja gerade mal zwei Wochen her, dass sämtliche Einschränkungen in Kraft getreten sind. Aber wir haben auf jeden Fall mehr Anrufe. Ganz extrem war es am Montag, nachdem die Ausgansbeschränkung in Bayern erlassen wurde. Die meisten wollten wissen, ob unser Laden noch geöffnet ist und haben uns gebeten ihnen die bestellte Ware zu liefern.

Tipp für Imker: Noch vorausschauender planen

Gibt es denn schon Lieferengpässe bei einigen Produkten?

Ruck: Ja, zum Beispiel im Glasbereich. Der Großhändler, bei dem wir einige unserer Honiggläser bestellen, ist bis Mitte Mai ausverkauft. Auch im Edelstahlbereich erwarten wir Lieferengpässe. Einiges Material, wie zum Beispiel Edelstahl für Schleudern, kommt aus Italien und viele Betriebe haben die Produktion runtergefahren. Bei allen Waren, die aus der Industrie kommen, stockt es im Moment mit den Lieferströmen. Noch sind unsere Lager aber gut gefüllt. Im Gegensatz zu anderen Branchen erwarten wir keine hohen Umsatzeinbrüche. Der Trend in die Imkerei einzusteigen hält weiterhin an und viele haben jetzt mehr Zeit für ihre Bienen.

Gibt es einen Tipp, den Sie den Imkern mitgeben möchten?

Ruck: Ja, vorrausschauend planen und das, was man für die kommende Saison braucht, jetzt bestellen. Manche Imker ordern erst Rähmchen, wenn der Schwarm am Baum hängt oder bestellen die Gläser zur Honigernte im Mai oder Juni. Dann lässt sich eine pünktliche Lieferung nicht immer realisieren. Am besten ist es, man legt sich einen kleinen Vorrat für das Jahr an. Zudem kann man die zusätzliche Zeit gut dafür nutzen Mittelwände einzulöten oder Beuten zu streichen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Saskia Schneider

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