Als Imker selbstständig machen: Tipps vom YouTube-Imker

13. Januar 2020 316 views

Wenn Sie sich als Imker selbstständig machen möchten, ist Berufsimker Sebastian Faiß eine echte Inspiration. Er gibt auf YouTube Tausenden Menschen Einblicke in seine Imkerei. Im Artikel beschreibt er, welche Möglichkeiten einer Betriebsgründung es gibt – und welche Fallstricke.

Der auf den ersten Blick einfachste Weg sich als Imker selbstständig zu machen, ist die Übernahme einer bereits bestehenden Erwerbsimkerei. Die Vorteile sind hier vor allem im Absatz zu sehen, da in der Regel ein bestehender Vertriebskanal vorhanden ist. Eventuell gibt es zudem erprobte Wanderplätze und eine Imkereitechnik, die ebenfalls übernommen werden können. Auf der anderen Seite bestehen wesentliche Risiken, die sich in erster Linie auf die Bewertung der Bienenvölker, der Imkereitechnik und des Absatzkanals beziehen.

Übernahme bestehender Erwerbsimkerei kann viele Nerven und Geld kosten

Dazu ist es meist nicht die Heimatregion, in der eine Imkerei übernommen werden kann. Das erfordert dann den Aufbau eines neuen Netzwerkes. Hinzu kommt, dass man den Betrieb erst an die eigenen Vorstellungen anpassen muss – oder auch seine Vorstellungen an den Betrieb. Dies alles kann ein langer, nervenaufreibender und recht kostspieliger Weg sein. Dies gilt vor allem, da man in der Regel vom ersten Tag an einen – je nach Investitionssumme – zum Teil erheblicher Kapitalaufwand leisten muss. Weitere Herausforderungen sind mit einem sprunghaften Betriebswachstum verbunden. Investitionen in bereits bestehende Imkereien müssen daher sehr gut durchdacht und kalkuliert werden.

Die vielleicht schönste, intensivste und erfahrungsreichste Variante ist der komplette Neuaufbau einer eigenen Imkerei. Im Folgenden will ich vor allem auf diese Variante eingehen. Die wesentlichen Erfolgsfaktoren sind aber auch bei der Übernahme eines bestehenden Betriebes nicht zu vernachlässigen.

Als Imker selbstständig machen: Wissen und Erfahrung

Allen Wegen in die Selbstständigkeit sollten eine solide Ausbildung, mehrjährige Erfahrung mit der Bienenhaltung und am besten die Mitarbeit in unterschiedlichen Imkereien vorausgehen. Genügt bei einer Freizeitimkerei das rein imkerliche Wissen, gehört bei einer erwerbsmäßig betriebenen Imkerei von Beginn an das betriebswirtschaftliche Knowhow als ebenbürtiger Bestandteil dazu. Für mich ist ein aktueller betriebswirtschaftlicher Überblick über meinen Betrieb genauso wichtig wie die imkerlichen Aspekte der Arbeit. Ehrliche und belastbare Kennzahlen aus meiner Buchhaltung erlauben es mir, die richtigen Entscheidungen bei Investitionen, Betriebsabläufen und Ausgaben zu treffen. Dank moderner Softwarelösungen ist es möglich, einen tagesaktuellen Überblick zu haben und diesen bei allen Entscheidungen miteinzubeziehen.

Ist der Grundstein einer soliden imkerlichen und betriebswirtschaftlichen Ausbildung gelegt, benötigt eine erfolgreiche und nachhaltige Betriebsführung vor allem Erfahrung. Ein wichtiger Baustein ist hierbei vor allem das in der Bienenhaltung bezahlte Lehrgeld. Ich bin der Meinung, dass sich jeder, der sich als Imker selbstständig machen möchte eine eigene Betriebsweise erarbeiten muss. Durch das Austesten unterschiedlicher Möglichkeiten – sei es im Hinblick auf das Beutensystem, die Varroabehandlung, die Betriebsweise oder die Bienenrasse – muss man eigene Erfahrungen sammeln, auf die man in kritischen Situationen oder bei Bedarf zurückgreifen kann. Nur so ist ein selbstbewusster und sicherer Umgang mit großen Völkerbeständen nachhaltig machbar.

Ein gutes Netzwerk und die richtige Persönlichkeit

Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist der Austausch mit „echten Kollegen“. Für mich ist es entscheidend, dass es zu einem ehrlichen Austausch kommt. Oft sind die lehrreichsten Gespräche diejenigen, in denen berichtet wird, wie und warum etwas nicht funktioniert hat. Hierzu ist es sicherlich notwendig, sich über Monate und Jahre ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Da im Gegensatz zur sonstigen Landwirtschaft kaum  Beratungs- und Weiterbildungseinrichtungen für Berufsimker existieren, ist dieses Netzwerk zur Fort- und Weiterbildung unglaublich wichtig.

Natürlich benötige ich für den Aufbau einer Erwerbsimkerei eine gewisse menschliche und persönliche Reife. Wie in allen anderen Berufszweigen ist die Gründerpersönlichkeit der entscheidende Erfolgsfaktor. Der Wille zum Erfolg ist eine Grundvoraussetzung, um die vielen Herausforderungen zu stemmen. Kreativität, Flexibilität, aber auch analytisches und strukturiertes Denken sowie eine schnelle Auffassungsgabe sind fundamental, wenn ich mit meiner Imkerei nachhaltig erfolgreich sein möchte. Fähigkeiten im Umgang mit Mitarbeitern und in der Organisation werden mit wachsender Betriebsgröße noch einmal wichtiger.

Als Imker selbstständig machen: schneller versus langsamer Aufbau

Besonders in den ersten Jahren ist die Finanzierung eine entscheidende Frage. Der Aufbau einer Erwerbsimkerei erfordert einiges an Kapital, zum Beispiel für Beuten, Bienen, Maschinen und Gebäude. Auch hier kann wieder Schritt für Schritt vorgegangen werden, sodass das Wachstum aus dem eigenen betriebswirtschaftlichen Ergebnis finanziert wird. Dieser Weg führt meist zu einem langsameren Wachstum, aber er stellt zwei grundlegende Voraussetzungen sicher: Die Erfahrung und das Wissen des Imkers wachsen systematisch mit der Betriebsgröße, und der Imkereibetrieb muss für sein Wachstum erfolgreich wirtschaften.

Meiner Meinung nach wird allzu oft der Weg gewählt, dass man mit recht hohem Kapitaleinsatz in eine lehrbuchhafte Imkerei mit hohen Völkerzahlen investiert. Zu beobachten ist hierbei oft die Überforderung des Inhabers, entweder beim Management der Völkerzahlen, im Vertrieb oder in betriebswirtschaftlichen Belangen, da sich die Lernkurve nicht mit der Entwicklung des Betriebes deckt. Folgen hiervon können große Fehlinvestitionen, Missernten oder Absatzschwierigkeiten sein.

Am erfolgreichsten scheint eine Vermischung beider Wege zu sein. Ein durch die Nachfrage getriebenes Wachstum wird durch das Betriebsergebnis finanziert. Einzig für größere Investitionen wird, sofern keine Rücklagen vorhanden sind, auf Fremdkapital zurückgegriffen – jedoch nur im Rahmen dessen, was in späteren Jahren durch ein positives Gesamtergebnis auch nachhaltig zu leisten ist.

Absatz der Produkte

Mengenmäßig ist der Absatz deutscher Imkereiprodukte in der Regel relativ einfach möglich. Zu beachten ist aber, dass auch der Preis der Produkte zur Kostenstruktur des Betriebes passen muss. Betriebswirtschaftliche Fehler sind oft in der Ermittlung der Herstellungskosten zu finden. Nur eine saubere und penible Kostenerfassung führt zu korrekten Herstellungskosten, aus denen sich dann die Preise herleiten lassen.

Zudem ist es wichtig, dass sich die kalkulierten Preise und Mengen auf dem Markt umsetzen lassen. Um dies einzuschätzen, braucht es einiges an Erfahrung, Marktbeobachtung und Versuchen. Welche Preise ich verlangen und welche Mengen ich umsetzen kann, ist im Wesentlichen von meiner Zielgruppe abhängig. Bevor ich mich als Imker selbstständig machen kann, muss demnach Klarheit darüber herrschen, wer meine Kunden sind, wie ich diese anspreche, und vor allem zu welchem Preis diese bereit sind, meine Produkte zu kaufen. Am einfachsten ist es sicherlich, die Preise der Mitbewerber zu übernehmen. Betriebswirtschaftlich sinnvoller scheint es jedoch zu sein, die eigenen Preise zielgruppengerecht zu optimieren. Bestenfalls lassen sich auf diese Weise auch mit geringeren Mengen höhere Umsatzerlöse erzielen und das Gesamtergebnis – begleitet durch eine einhergehende Kosteneinsparung – deutlich verbessern.

Sebastian Faiß

Neuer Titel – neue Inhalte

Mit der kürzlich erschienenen Neuauflage des Berufsimker-Spezialheftes haben wir nicht nur den Titel in „Imkern für Profis Spezial“ umgetauft, sondern auch einzelne Artikel aktualisiert und neue Artikel hinzugefügt. Neu dabei sind die Themen:
■ Was muss Honig kosten?
■ Erfolg beim Honigverkauf: Strategien für Direktvermarkter
■ Steuerrecht für Erwerbsimker
■ Imkerförderung – Das sollten Sie wissen … und vieles mehr

Sie können das Heft beim dbj für nur 5,90 € bestellen (Artikel-Nr.: 14037): kundenservice@bauernverlag.de oder bienenjournal.de/shop

TOP-THEMEN im Januar-Heft

1. Honig vom Planeten Erde?

Kunden und Imker wundern sich immer wieder über die ungenaue Angabe der Herkunftsländer auf Honiggläsern in Supermärkten. „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“ steht dort zum Beispiel auf dem Etikett.“ In einigen EU-Ländern ist diese ungenaue Herkunftsangabe nicht erlaubt. Andere Länder wollen hinsichtlich der Angaben auf den Etiketten sogar noch viel weiter gehen. Lesen Sie die Ergebnisse unserer spannenden Recherche in der Januarausgabe – der Beitrag bietet eine gute Grundlage, um das Thema auch hierzulande zu diskutieren.

» Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe

2. Der internationale Honigmarkt

Passend zum obigen Thema haben wir einige Daten des weltweiten Honighandels für Sie aufbereitet. Welche Länder liegen weltweit bei der Honigproduktion vorne? Aus welchen Ländern importiert die EU den meisten Honig? Wie viel kostet der Importhonig, und wie hoch liegen im Vergleich die Produktionskosten in den EU-Staaten? Die Antworten finden Sie im Detail in der neuen Ausgabe des dbj.

3. So imkern die Niederländer

Werfen sie mit uns einen Blick über die Grenze zu unseren Nachbarn, und erfahren Sie, wie die Imkerei in den Niederlanden aussieht. Dort sind beispielsweise die traditionellen Bienenmärkte immer noch große Anziehungspunkte für Imker, aber auch Touristen.

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