Als Imker selbstständig machen: Tipps vom YouTube-Imker

13. Januar 2020

Wenn Sie sich als Imker selbstständig machen möchten, ist Berufsimker Sebastian Faiß eine echte Inspiration. Er gibt auf YouTube Tausenden Menschen Einblicke in seine Imkerei. Im Artikel beschreibt er, welche Möglichkeiten einer Betriebsgründung es gibt – und welche Fallstricke.

Der auf den ersten Blick einfachste Weg sich als Imker selbstständig zu machen, ist die Übernahme einer bereits bestehenden Erwerbsimkerei. Die Vorteile sind hier vor allem im Absatz zu sehen, da in der Regel ein bestehender Vertriebskanal vorhanden ist. Eventuell gibt es zudem erprobte Wanderplätze und eine Imkereitechnik, die ebenfalls übernommen werden können. Auf der anderen Seite bestehen wesentliche Risiken, die sich in erster Linie auf die Bewertung der Bienenvölker, der Imkereitechnik und des Absatzkanals beziehen.

Übernahme bestehender Erwerbsimkerei kann viele Nerven und Geld kosten

Dazu ist es meist nicht die Heimatregion, in der eine Imkerei übernommen werden kann. Das erfordert dann den Aufbau eines neuen Netzwerkes. Hinzu kommt, dass man den Betrieb erst an die eigenen Vorstellungen anpassen muss – oder auch seine Vorstellungen an den Betrieb. Dies alles kann ein langer, nervenaufreibender und recht kostspieliger Weg sein. Dies gilt vor allem, da man in der Regel vom ersten Tag an einen – je nach Investitionssumme – zum Teil erheblicher Kapitalaufwand leisten muss. Weitere Herausforderungen sind mit einem sprunghaften Betriebswachstum verbunden. Investitionen in bereits bestehende Imkereien müssen daher sehr gut durchdacht und kalkuliert werden.

Die vielleicht schönste, intensivste und erfahrungsreichste Variante ist der komplette Neuaufbau einer eigenen Imkerei. Im Folgenden will ich vor allem auf diese Variante eingehen. Die wesentlichen Erfolgsfaktoren sind aber auch bei der Übernahme eines bestehenden Betriebes nicht zu vernachlässigen.

Als Imker selbstständig machen: Wissen und Erfahrung

Ausgabe 6/2020

DBJ Juni 2020 Titelbild

Top-Themen:

  • Bienenviren
  • Steuerrecht für Imker
  • Abschlussarbeiten v. Imkermeistern

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Allen Wegen in die Selbstständigkeit sollten eine solide Ausbildung, mehrjährige Erfahrung mit der Bienenhaltung und am besten die Mitarbeit in unterschiedlichen Imkereien vorausgehen. Genügt bei einer Freizeitimkerei das rein imkerliche Wissen, gehört bei einer erwerbsmäßig betriebenen Imkerei von Beginn an das betriebswirtschaftliche Knowhow als ebenbürtiger Bestandteil dazu. Für mich ist ein aktueller betriebswirtschaftlicher Überblick über meinen Betrieb genauso wichtig wie die imkerlichen Aspekte der Arbeit. Ehrliche und belastbare Kennzahlen aus meiner Buchhaltung erlauben es mir, die richtigen Entscheidungen bei Investitionen, Betriebsabläufen und Ausgaben zu treffen. Dank moderner Softwarelösungen ist es möglich, einen tagesaktuellen Überblick zu haben und diesen bei allen Entscheidungen miteinzubeziehen.

Ist der Grundstein einer soliden imkerlichen und betriebswirtschaftlichen Ausbildung gelegt, benötigt eine erfolgreiche und nachhaltige Betriebsführung vor allem Erfahrung. Ein wichtiger Baustein ist hierbei vor allem das in der Bienenhaltung bezahlte Lehrgeld. Ich bin der Meinung, dass sich jeder, der sich als Imker selbstständig machen möchte eine eigene Betriebsweise erarbeiten muss. Durch das Austesten unterschiedlicher Möglichkeiten – sei es im Hinblick auf das Beutensystem, die Varroabehandlung, die Betriebsweise oder die Bienenrasse – muss man eigene Erfahrungen sammeln, auf die man in kritischen Situationen oder bei Bedarf zurückgreifen kann. Nur so ist ein selbstbewusster und sicherer Umgang mit großen Völkerbeständen nachhaltig machbar.

Ein gutes Netzwerk und die richtige Persönlichkeit

Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist der Austausch mit „echten Kollegen“. Für mich ist es entscheidend, dass es zu einem ehrlichen Austausch kommt. Oft sind die lehrreichsten Gespräche diejenigen, in denen berichtet wird, wie und warum etwas nicht funktioniert hat. Hierzu ist es sicherlich notwendig, sich über Monate und Jahre ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Da im Gegensatz zur sonstigen Landwirtschaft kaum  Beratungs- und Weiterbildungseinrichtungen für Berufsimker existieren, ist dieses Netzwerk zur Fort- und Weiterbildung unglaublich wichtig.

Natürlich benötige ich für den Aufbau einer Erwerbsimkerei eine gewisse menschliche und persönliche Reife. Wie in allen anderen Berufszweigen ist die Gründerpersönlichkeit der entscheidende Erfolgsfaktor. Der Wille zum Erfolg ist eine Grundvoraussetzung, um die vielen Herausforderungen zu stemmen. Kreativität, Flexibilität, aber auch analytisches und strukturiertes Denken sowie eine schnelle Auffassungsgabe sind fundamental, wenn ich mit meiner Imkerei nachhaltig erfolgreich sein möchte. Fähigkeiten im Umgang mit Mitarbeitern und in der Organisation werden mit wachsender Betriebsgröße noch einmal wichtiger.

Als Imker selbstständig machen: schneller versus langsamer Aufbau

Besonders in den ersten Jahren ist die Finanzierung eine entscheidende Frage. Der Aufbau einer Erwerbsimkerei erfordert einiges an Kapital, zum Beispiel für Beuten, Bienen, Maschinen und Gebäude. Auch hier kann wieder Schritt für Schritt vorgegangen werden, sodass das Wachstum aus dem eigenen betriebswirtschaftlichen Ergebnis finanziert wird. Dieser Weg führt meist zu einem langsameren Wachstum, aber er stellt zwei grundlegende Voraussetzungen sicher: Die Erfahrung und das Wissen des Imkers wachsen systematisch mit der Betriebsgröße, und der Imkereibetrieb muss für sein Wachstum erfolgreich wirtschaften.

Meiner Meinung nach wird allzu oft der Weg gewählt, dass man mit recht hohem Kapitaleinsatz in eine lehrbuchhafte Imkerei mit hohen Völkerzahlen investiert. Zu beobachten ist hierbei oft die Überforderung des Inhabers, entweder beim Management der Völkerzahlen, im Vertrieb oder in betriebswirtschaftlichen Belangen, da sich die Lernkurve nicht mit der Entwicklung des Betriebes deckt. Folgen hiervon können große Fehlinvestitionen, Missernten oder Absatzschwierigkeiten sein.

Am erfolgreichsten scheint eine Vermischung beider Wege zu sein. Ein durch die Nachfrage getriebenes Wachstum wird durch das Betriebsergebnis finanziert. Einzig für größere Investitionen wird, sofern keine Rücklagen vorhanden sind, auf Fremdkapital zurückgegriffen – jedoch nur im Rahmen dessen, was in späteren Jahren durch ein positives Gesamtergebnis auch nachhaltig zu leisten ist.

Absatz der Produkte

Mengenmäßig ist der Absatz deutscher Imkereiprodukte in der Regel relativ einfach möglich. Zu beachten ist aber, dass auch der Preis der Produkte zur Kostenstruktur des Betriebes passen muss. Betriebswirtschaftliche Fehler sind oft in der Ermittlung der Herstellungskosten zu finden. Nur eine saubere und penible Kostenerfassung führt zu korrekten Herstellungskosten, aus denen sich dann die Preise herleiten lassen.

Zudem ist es wichtig, dass sich die kalkulierten Preise und Mengen auf dem Markt umsetzen lassen. Um dies einzuschätzen, braucht es einiges an Erfahrung, Marktbeobachtung und Versuchen. Welche Preise ich verlangen und welche Mengen ich umsetzen kann, ist im Wesentlichen von meiner Zielgruppe abhängig. Bevor ich mich als Imker selbstständig machen kann, muss demnach Klarheit darüber herrschen, wer meine Kunden sind, wie ich diese anspreche, und vor allem zu welchem Preis diese bereit sind, meine Produkte zu kaufen. Am einfachsten ist es sicherlich, die Preise der Mitbewerber zu übernehmen. Betriebswirtschaftlich sinnvoller scheint es jedoch zu sein, die eigenen Preise zielgruppengerecht zu optimieren. Bestenfalls lassen sich auf diese Weise auch mit geringeren Mengen höhere Umsatzerlöse erzielen und das Gesamtergebnis – begleitet durch eine einhergehende Kosteneinsparung – deutlich verbessern.

Sebastian Faiß

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