Varroabehandlung mit Biotechnik im Spätsommer

01. August 2019

Als Alternative zur Ameisensäurebehandlung werden im Spätsommer zunehmend auch biotechnische Verfahren in der Varroabehandlung angewandt. Bis wann die Methoden eingesetzt werden können und was dabei zu beachten ist, erfahren Sie hier.

Varroabehandlung: Käfigen und behandeln mit Oxalsäure

Kurzbeschreibung: Die Königin wird für 25 Tage – also über eine Brutperiode hinweg – in einen kleinen Käfig gesperrt, der in eine Wabe eingelassen ist. Die Wabe wird mittig im Brutnest platziert. Nachdem alle Brut ausgelaufen ist, befreit man die Königin und behandelt das Volk am frühen Morgen oder späten Abend mit Oxalsäure.

Vorteile: Die Methode erfordert einen geringen Materialeinsatz und nur wenige Arbeitsschritte. Sie ist wetterunabhängig, und der Beginn des Verfahrens ist bereits zehn bis 14 Tage vor Trachtschluss möglich.

Zu beachten: Umstände bereitet manchen Bienenhaltern, dass die Königin gesucht und umgesetzt werden muss. Damit sie nicht ihren eigenen Untertanen zum Opfer fällt, muss der Käfig für die Arbeiterinnen durchlässig sein. Herkömmliche Zusetzkäfige sind daher ungeeignet. Der Käfig kann, zum Beispiel aus einem Plastik-Absperrgitter, auch selbst angefertigt werden. Königinnenverluste treten bei dieser Art der Varroabehandlung nur dann auf, wenn es zuvor schon Umweiselungstendenzen im Volk gegeben hat oder extreme Trocken- oder Hungerphasen auftreten, sagt Martin Gabel vom Bieneninstitut Kirchhain. Er gibt den Tipp, den Zeitpunkt des Freilassens der Königin für eine Umweiselung zu nutzen. „Auch im Bannwabenverfahren oder bei der kompletten Brutentnahme kann der brutfreie Zustand gut hierfür genutzt werden. Die Situation im Volk ist dann wie bei einem Kunstschwarm“, sagt Gabel.

Bis wann möglich: Mit diesem Verfahren der Spätsommerbehandlung sollten Sie spätestens Mitte August starten.

Komplette Brutentnahme mit Fangwabe und/oder organischen Säuren

Kurzbeschreibung: Alle bebrüteten Waben werden abgefegt und dem Volk entnommen. An ihre Stelle platziert man Leerwaben oder Mittelwände und gibt bei fehlenden Reserven etwas Futter, am besten als Futterwabe. Das nun brutlose Volk wird in den ersten drei Tagen nach der Brutentnahme am frühen Morgen oder späten Abend der Varroabehandlung mit Oxalsäure unterzigen und füttert es anschließend. Alternativ dazu kann man bei der Entnahme der Brutwaben eine Wabe mit viel offener Brut mittig im Brutraum belassen und als Varroa-Fangwabe neun Tage später entnehmen und einschmelzen.

Die anfangs entnommenen Brutwaben werden – vor allem bei hoher Varroabelastung – eingeschmolzen oder – bei einer geringeren Belastung – zur Bildung von Sammelbrutablegern mit jeweils bis zu 18 Brutwaben genutzt. Die Brutableger kann man kurz nach ihrer Bildung mit Ameisensäure behandeln. Wenn die Varroabelastung weniger zum Handeln drängt, kann man die Brut auch auslaufen lassen, anschließend Kunstschwärme bilden und diese mit Oxalsäure behandeln.

Vorteile: Die Königin muss nicht gesucht werden, es sind eine gute Wabenhygiene und Völkervermehrung möglich, und das Verfahren ist relativ wetterunabhängig. Beim Einsatz der Fangwabe ist sogar ein Start des Verfahrens zehn bis 14 Tage vor Trachtschluss möglich. Der Honigraum verbleibt dann bis zur Ernte auf dem eingeengten Brutraum.

Zu beachten: Das Einschmelzen der Brutwaben im Sommer ist für manche Bienenhalter eine große Herausforderung. Wenn Sammelbrutableger gebildet werden, lässt zudem der hohe Materialeinsatz zurückschrecken. Wird das Verfahren später im Jahr angewandt, sind weniger Brutwaben in den Völkern – und somit auch weniger Brutableger zu erstellen. Werden die Sammelbrutableger mit Ameisensäure entmilbt, sollte man nach der Varroabehandlung aufgrund einer möglichen Schädigung von Nachschaffungszellen eine neue Königin zusetzen, rät Martin Gabel. „Bei der Erstellung der Brutableger sollten die nur gering bebrüteten Randwaben entsorgt werden, anstatt diese noch in die Ableger zu geben. Außerdem muss man auf jeder Wabenseite eine handtellergroße Fläche mit Bienen auf den Brutwaben belassen“, rät Gabel. Er weist darauf hin, dass die Sammelbrutableger unbedingt an einen anderen Stand ohne Wirtschaftsvölker verbracht werden müssen. Zudem sollten das Flugloch eingeengt und der offene Boden geschlossen werden.

Bis wann möglich: Die Oxalsäure kann kurz nach der Brutentnahme effektiv eingesetzt werden, daher kann man das Verfahren bis Ende August anwenden. Bei einem hohen Befall muss man schon vorher die Notbremse ziehen. „Mit der Sprühbehandlung erreicht man eine bessere Verteilung der Oxalsäure im Volk als mit der Träufelbehandlung“, sagt Gabel zur Vorgehensweise bei hohem Befall.

Teilen und Varroabehandlung mit Oxalsäure

Kurzbeschreibung: Nach dem Abschleudern wird dem Volk zunächst wieder ein Honigraum aufgesetzt. Wenige Tage später stellt man diesen bei Flugwetter und mit einer Futterwabe ausgestattet auf das Bodenbrett, während der Brutraum mit neuem Boden und Deckel entweder direkt auf das Volk oder in ein paar Metern Entfernung, jedoch nicht direkt neben dem Flugling aufgestellt wird. Die Königin sucht man vorher aus dem Brutling heraus und setzt sie unter Futterteigverschluss dem Flugling zu.

Nach zwei Tagen wird die Königin freigelassen, den Flugling behandelt man am frühen Morgen oder späten Abend mit Oxalsäure und füttert ihn etwas. Der Brutling wird nach drei Wochen zunächst auf eine Zarge eingeengt und nach einem weiteren Tag ebenfalls am Morgen oder Abend mit Oxalsäure behandelt sowie etwas gefüttert. Nach insgesamt vier Wochen kann man die Nachschaffungsweisel im Brutling auf Eilage kontrollieren und zeichnen. Die beiden Volksteile werden im Herbst – je nach Stärke und Bedarf an Jungvölkern – entweder rückvereinigt oder getrennt eingewintert.

Vorteile: Mit dem Verfahren ist eine gute Wabenhygiene und – bei einer Rückvereinigung der Volksteile – eine gute Königinnenverjüngung möglich. Zudem kann man, wenn man die Volksteile getrennt einwintert, die Völkerzahl auf einen Schlag verdoppeln. Für Spättrachtimker vorteilhaft ist auch, dass die Ernte von im Brutraum abgelagertem Honig möglich ist. Diese Methode der Varroabehandlung ist relativ wetterunabhängig.

Zu beachten: Das Verfahren ist materialaufwendig, wobei der Erlös vom Verkauf überschüssiger Völker in die Finanzierung zusätzlich benötigter Beutenteile zurückfließen kann. Findet man die Königin nicht auf Anhieb, kann man sie zwei Tage später im abgeflogenen Brutling besser aufspüren und umsetzen. Dann muss aber für die zwei Tage eine Wabe mit offener Brut in den Flugling gehängt werden. Mühe haben einige Imker mit der zeit- und arbeitsaufwendigen Sprühbehandlung mit Oxalsäure, bei der alle Waben gezogen werden müssen. Der Erfinder des Verfahrens, Dr. Gerhard Liebig, hat daher die Applikation der Säure optimiert. „Ich empfehle, die Volksteile bei der Behandlung zunächst von unten möglichst fein zu besprühen, sodass sich die Bienen in die Wabengassen zurückziehen und enger sitzen. Danach spritze ich mit einem dünnen Strahl tief in die Wabengassen hinein, um möglichst viele Bienen zu erreichen“, erklärt Liebig. Das Träufeln mit aufgesetzten Pipettenspitzen habe er aufgegeben, da die Säure hierbei ungleichmäßiger verteilt werde und zu viele Bienen zu viel Oxalsäure abbekämen.

Den bei der Behandlung des Fluglings untergeschobenen Bodenschieber kontrolliert Liebig nach einer Woche. Wenn dann mehr als 500 Milben gefallen sind, behandelt er den grundsätzlich stärker belasteten Brutling zwei Mal: zum ersten Mal nach drei Wochen und dann erneut nach weiteren vier bis sieben Tagen. Um Räuberei vorzubeugen, werden die Fluglöcher beider Volksteile eingeengt und der offene Gitterboden des Brutlings verschlossen.

Bis wann möglich: Das Verfahren sollte vor dem 10. August durchgeführt werden, damit die Nachschaffungskönigin noch gut begattet werden kann. Der Begattungserfolg liegt Liebig zufolge bei etwa 90 Prozent.

Bannwabenverfahren mit Fangwaben

Kurzbeschreibung: Die Königin wird für insgesamt 27 Tage – also über eine Brutperiode hinweg – auf eine Leerwabe „gebannt“. Absperrgitter an beiden Seiten der Wabe fungieren als Wabentasche und stellen sicher, dass die Königin nur hier Eier legen kann. Nach neun Tagen wird die bebrütete Wabe aus der Wabentasche genommen und zum Verdeckeln neben diese platziert. In die Tasche gibt man eine neue Leerwabe, die nach weiteren neun Tagen durch eine dritte Leerwabe ersetzt wird. Die verdeckelten Varroa-Fangwaben nimmt man zeitlich versetzt aus dem Volk und schmilzt sie anschließend ein.

Vorteile: Dieses Verfahren der Varroabehandlung kann bereits vor der letzten Ernte – optimaler Weise zehn bis 14 Tage vor Trachtschluss – gestartet werden. Es ist medikamentenfrei, wetterunabhängig, und der Materialeinsatz ist gering.

Zu beachten: Ein Hindernis bei dieser Methode ist für manche Imker, dass die Königin gesucht und nach einem strikten Zeitplan mehrmals umgesetzt werden muss. Sogenannte Wochenendimker können die Waben statt in einem Rhythmus von dreimal neun Tagen auch nach viermal sieben Tagen zum Bestiften in die Wabentasche geben. Zu Königinnenverbiss oder -verlust soll es laut Martin Gabel auch hier nur kommen, wenn es im Volk bereits zuvor Umweiselungstendenzen gegeben hat oder externe Stressoren, wie extreme Trocken- oder Hungerphasen, hinzukommen. „Gerade, wenn das Bannwabenverfahren spät in der Saison eingesetzt wird, sollte man dunkle Waben als Fangwaben nutzen. Die werden besser bestiftet“, rät Gabel.

Bis wann möglich: Mit dem Verfahren sollte spätestens Ende Juli begonnen werden, da die letzte Fangwabe erst 36 Tage später entnommen wird.

Malte Frerick

Einige Methoden sind in Flyern des Bieneninstituts Kirchhain ausführlich beschrieben. Diese finden Sie hier.>>>

TOP-THEMEN im März-Heft

1. Mit Bienen auf Tour: Schwerpunkt Wandern

Begleiten Sie in unserem Schwerpunkt einen Wanderimker in den Raps. Erfahren Sie, welche rechtlichen Regeln Sie bei einer Wanderung beachten müssen und ab wann eine Wanderung wirklich wirtschaftlich wird. Zudem stellen wir Ihnen hilfreiche Wandertechnik vor. Und weil nie immer alles glatt läuft, plaudern auch noch ein paar erfahrene Imkerinnen und Imker über ihre Missgeschicke während einer Wanderung … denn aus Schaden wird man schließlich klug.

» Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe

2. Glyphosat im Honig

Der Fall der Imkerei Seusing hat über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen gemacht. Glyphosatfunde in ihren Honigen haben das Imkerpaar zur Aufgabe bewogen. Wir zeichnen die Geschichte dieser Imkerei nach und unterziehen zugleich einige Behauptungen, die im Internet zum Thema Glyphosat aufgestellt wurden, einem Faktencheck.

3. Geballtes Wissen

In unserer Serie über Bienenbibliotheken stellt Ihnen Magdalena Arnold diesmal das Bienenarchiv von Hermann und Tobias Stever vor. In dem Archiv füllen Bücher, Zeitschriften, Forschungs- und Tagungsberichte, Dissertationen sowie Sonderdrucke zu Bienen und Imkerei insgesamt 120 Meter Regal.

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