Bienenstich beim Hund – wann wird’s gefährlich?

17. Juli 2020

Natur- und Tierverbundenheit: Das spricht für Imkerinnen und Imker. Nicht wenige halten neben Bienen auch weitere Haustiere – Hunde zum Beispiel. Wenn Biene und Hund aufeinandertreffen, kann’s gefährlich werden. Magdalena Arnold hat sich gefragt, welche Risiken für Hunde bei einem Bienenstich bestehen.

Dass Frieda noch von keiner Biene gestochen wurde, ist höchst verwunderlich. Die Hündin schnappt gerne mal nach Insekten: Die, bei denen ich es mitbekommen habe, waren Schmetterlinge und Fliegen. Ich gehe deshalb auf Nummer sicher, wenn ich bei den Bienen bin, und sperre Frieda kurz weg. Vielleicht hat sie auch Glück – und so ein Stich täte ihr nichts. Ein wenig Angst habe ich trotzdem.

Bienenstich beim Hund – lebensbedrohlich?

Ich klicke mich deshalb durchs Internet und werde schnell fündig. „Hunde Bienenstich“ lautet meine Suchanfrage bei Google. Leider ist schon das erste Ergebnis eins: erschreckend. „Der Stich kann für Hunde lebensbedrohlich werden“, lese ich als erstes. Ist das so, ja?

Ausgabe 12/2020

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Bienenstich beim Hund: Gefahr eines anaphylaktischen Schocks

Ich frage meinen Tierarzt des Vertrauens. „Ein Bienenstich beim Hund läuft nicht viel anders als beim Menschen ab“, erklärt er mir am Telefon. Das heißt: Er ist in den meisten Fällen harmlos. Jedes Tier reagiert allerdings verschieden. Allergische Hautreaktionen verlaufen noch mild, etwa mit einem Juckreiz. Gefährlicher wird es, wenn der Hund im Mund- oder Rachenraum gestochen wird, eine große Schwellung bekommt oder – im schlimmsten Fall – mit einem anaphylaktischen Schock reagiert. „Wenn der Hund in einen Schockzustand verfällt, muss er unbedingt beim Tierarzt behandelt werden“, sagt der Tierarzt.

Anzeichen für einen solchen Schock sind Erbrechen, Zittern, Nesselfieber (Hautrötungen und Quaddeln), Schweißausbrüche bzw. starkes Hecheln, Herzrasen, eine vermehrte Speichelproduktion, eine erhöhte Atemfrequenz und ein schwacher Puls. Bei letzterem ist Vorsicht geboten: Wenn der Blutdruck fällt, kann das Herz-Kreislauf-System versagen. Ein darauf folgender Atemstillstand könnte den Tod des Tieres bedeuten. Reagiert der Hund mit einer Schwellung auf das Bienengift, besteht außerdem die Gefahr, dass diese die Atemwege blockiert. Auch das kann lebensbedrohlich werden. Google hatte recht.

Als Imker trotzdem einen Hund?

Bei all dem Risiko, das für einen Hund beim Bienenstich besteht: Verhalte ich mich als Imker grob fahrlässig, wenn ich gleichzeitig einen Hund besitze und ihn mit zu den Bienen nehme? „Ich würde es nicht als verwerflich sehen“, sagt der Tierarzt. „Es wird erst bedenklich, wenn man weiß, dass das Tier auf Bienengift allergisch reagiert und man es trotzdem zum Bienenstand nimmt“. Wenn man um die Bienengiftallergie des Vierbeiners weiß und ihn daher vom Stand fernhält, sei das Risiko gestochen zu werden nicht höher als bei nicht imkernden Hundehaltern.

Bienenstich beim Hund - animalsstungbybees/instagram screenshot
Eine große Schwellung an der Schnauze – hier ist Vorsicht geboten. Foto: Screenshot von Instagram/animalsstungbybees

Da ein Stich und die Reaktion des Hundes zeitlich eng zusammenhängen, kann die Diagnose oft schnell gestellt werden. Beobachten Sie Ihren Hund nach Auftreten des Bienenstichs deshalb genau und scheuen Sie sich nicht vor dem Anruf beim Tierarzt! Wespen- und Hornissenstiche rufen im Übrigen ähnliche Reaktionen wie ein Bienenstich hervor.

Bienenstich beim Hund: Aus Fehlern lernt man

Von Silke Beckedorf, Chefredakteurin vom dbj, erfahre ich, dass auch ihr Hund gern nach Insekten schnappt – allerdings macht er auch vor Bienen und Wespen nicht Halt und musste bereits eine dicke Schnauze kassieren. Nun sei er deutlich vorsichtiger. Vielleicht haben Dackel besonders Glück: Beckedorf meint, die lange Schnauze würde die Tiere davor schützen, dass die Bienen hinten im Hals zustechen.

Bei Facebook entdecke ich schließlich einen Post: Es geht um Hunde, die von Bienen gestochen wurden und eine große Schwellung, meistens im Gesicht, tragen. Aua! Eine ganze Kollektion an Hundebildern inklusive Bienenstich tun sich auf dem Instagram-Account animalsstungbybees auf. Neben Hunden hat es hier auch Katzen getroffen. Hätte das nicht verhindert werden können? Ich denke, nein. Bei all der Naivität und Tollpatschigkeit ist es nur eine Frage der Zeit, wann es auch Frieda mal erwischt. Man kann nur hoffen, dass sie in dem Fall gut dabei wegkommt. Und fürs nächste Mal dazulernt. Wenn ich bei den Bienen bin, lasse ich sie trotzdem lieber drin. Sicher ist sicher.

Magdalena Arnold

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