Imkern im Mai: So kann man Bienenschwärme verhindern

19. April 2023

Im Schwarmmonat Mai haben Imkerinnen und Imker viel zu tun. Wenn Bienenvölker ausschwärmen, braucht man Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis. Es kann zu manch schwieriger Situation kommen. Deshalb ist Vorsorge wichtig. Hier gibt es Tipps, wie man Bienenschwärme verhindern kann.

Hamburg hat nach Berlin die zweithöchste Bienendichte in Deutschland und bekommt die Schwarmsaison deutlich stärker zu spüren als ein Flächenland wie zum Beispiel Schleswig-Holstein. Dazu tragen nach meiner Erfahrung auch zahlreiche unerfahrene Freizeitimkerinnen und -imker bei, denen es teilweise an Kenntnissen fehlt, um eine aufkommende Schwarmneigung zu erkennen und ein unkontrolliertes Abschwärmen zu verhindern.

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DBJ Ausgabe 6/2024

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Jedes Jahr aufs Neue ist die Schwärmerei auch ein begehrtes Thema für die Hamburger Lokalmedien – und damit für mich eine willkommene Gelegenheit, in der urbanen Imkerszene für mehr Teilnahmen an Imkerkursen und für Nachwuchs-Patenschaften zu werben.

Schwarmfänger-Liste und Bienenschwärme verhindern

Der Landesverband Hamburg führt seit vielen Jahren auf seiner Webseite die beliebte Schwarmfänger-Liste, in die sich erfahrene Imkerinnen und Imker, nach Stadtbezirken sortiert, eintragen lassen können. Wer einen Schwarm gesichtet hat und bei der Feuerwehr anruft, bekommt dort inzwischen nur noch den Link zu unserer Homepage genannt. Ausgerückt wird von der Feuerwehr in Hamburg zum Schwarmfang schon lange nicht mehr – und wenn, dann höchstens gegen eine saftige Gebühr.

Grundsätzlich ist die Hamburger Bevölkerung den Bienen gegenüber sehr positiv eingestellt. Immer häufiger höre ich inzwischen jedoch auch Klagen, insbesondere von innerstädtischen Bewohnern über Bienenschwärme, die sich auf Spielplätzen, an Schulen oder auf Dachterrassen niedergelassen haben. Zwar entpuppt sich der eine oder andere Bienenschwarm als Wespen- oder Hummelnest, aber für die besorgten Anwohner macht das oft keinen Unterschied.

Wichtig, wenn die Bienen schwärmen: Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis

Für Schwarmfänger reicht es mittlerweile meist nicht mehr aus, einfach nur mit Leiter, Wassersprüher und Schwarmfangbeutel anzurücken. Immer öfter sind auch Einfühlungsvermögen, psychologisches Geschick, Diplomatie und vor allem gute Fachkenntnis gefragt, wenn zum Beispiel aufgeregte Gartenbesitzer die sofortige Entfernung eines geschützten Wildbienennestes verlangen. An unserem Bienenstand sind wir bemüht, Schwarmstimmung erst gar nicht aufkommen zu lassen oder durch die Bildung von Sammelbrutablegern rechtzeitig zu reduzieren.

Sammelbrutableger erstellen und so Bienenschwärme verhindern

Vorbeugend entnehmen wir den Völkern jeweils ein bis zwei Rähmchen mit verdeckelter und jüngster Brut sowie mit ansitzenden Bienen und stellen sie zu Sammelbrutablegern zusammen. Das ist eine ziemlich einfach umzusetzende Maßnahme. Man muss dabei nur sehr gut aufpassen, dass die Königin nicht versehentlich mit umzieht. Da unsere Königinnen gezeichnet sind, haben wir damit kein Problem.

Zu diesen Brutwaben kommen jeweils noch zwei Futterwaben oder Futtertaschen. Nun können wir in Ruhe abwarten und beobachten, ob die Schröpfmaßnahme ausreichend war. Der Sammelbrutableger wird sich nun selbst eine Königin ziehen und sich im Laufe des Sommers zu einem Volk entwickeln. Nicht umsonst hat Karl Pfefferle, ein Großmeister der Magazinimkerei, diese Jungvölker als „Rennpferde des Folgejahres“ bezeichnet.

Bienenschwärme verhindern: Vorteile des Schröpfens

Die frühsommerliche Schröpfmethode hat gleichzeitig drei große Vorteile:

  1. Der Schwarmtrieb wird gedämpft,
  2. die Varroa-Belastung wird mit einer natürlichen Methode erheblich reduziert, und
  3. die Ableger können wir entweder nach ein paar Wochen mit einer F1-Königin verkaufen oder wir verstärken damit im Herbst unsere Altvölker.

Königinnenzucht vorbereiten im Mai

Ende Mai beginnen wir mit ersten Vorbereitungen zur Königinnenzucht. Unsere allerwichtigste Vorarbeit besteht darin, einen exakten Terminplan zu erstellen. Selbst private Termine müssen sich in dieser Zeit gelegentlich den königlichen Aktivitäten unterordnen!

Der Grund: Alle Abläufe in der Königinnenzucht sind an einen strengen zeitlichen Ablauf gebunden. Sie orientieren sich an den Entwicklungszeiten der Königinnen. Zum entscheidenden Zeitpunkt müssen geeignete Pflegevölker bereitstehen. Sie haben die Aufgabe, aus dem zugesetzten Zuchtstoff viele Weiselzellen aufzuziehen. Das Pflegevolk muss viele gut genährte, starke und gesunde Jungbienen haben.

Viele Bienen auf engstem Raum – das Bienenfleisch – sind das Erfolgsrezept für ein gutes Aufzuchtergebnis. Um dies zu erreichen, müssen die Völker bereits stark ausgewintert sein. Mittelmäßige oder gar schwache Völker eignen sich nicht für die Weiselaufzucht und sollte man stattdessen lieber vereinigen oder Zeit bekommen, um sich bis zum Sommer zu Vollvölkern zu entwickeln.

Ihre Edda Gebel

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