Zehn Fragen und Antworten zum Bienenschwarm

20. April 2020

Ein Bienenschwarm ist faszinierend und eigentlich die natürlichste Sache der Welt. Aber warum freuen sich die einen darüber, wenn im Mai und Juni Schwarmzeit ist? Warum haben andere Angst davor? Und warum versuchen viele Imker, das Schwärmen zu verhindern? Zehn Fragen und Antworten zum Bienenschwarm.

Was ist ein Bienenschwarm?

Wenn das Wetter passt, kann es sein, dass es in Gärten und Parks, auf Dächern und Balkonen, auf Streuobstwiesen und an Waldrändern im Mai und Juni vor allem in der Mittagszeit ordentlich brummt und summt. Dann ist die Luft plötzlich voller Bienen – erst weiter verstreut und dann als große Wolke gesammelt nahe eines Bienenstocks. Hier hat ein Bienenschwarm sein Ursprungsvolk verlassen. Das Volk hat sich geteilt, und der Schwarm ist mit seiner alten Königin ausgeschwärmt.

Ein Bienenschwarm ist die natürliche Form der Vermehrung von Honigbienenvölkern. Problematisch ist allerdings die Tatsache, dass viele Bienenschwärme auf eine Welt treffen, in der sie kaum neue Nistmöglichkeiten finden, wie Baumhöhlen oder Hohlräume in Gebäuden, in denen sie leben können. Zudem bedroht die Varroa ihr Überleben in freier Wildbahn.

Warum schwärmen Bienen?

Ausgabe 6/2020

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Dass Bienen schwärmen und sich das Bienenvolk dabei teilt, ist die Folge ihres ganz natürlichen Vermehrungstriebes. Im Frühsommer, wenn die Bienen viel Nektar und Pollen finden und das Wetter meist warm und trocken ist, erreicht ein Bienenvolk sein Maximum an Größe. Die Bienenkönigin legt in dieser Zeit 1.000 bis 2.000 Eier am Tag. Da wird es im Stock schnell zu eng, und das Bienenvolk beginnt mit der Vorbereitung zum Schwärmen. Dann gibt es außerdem bereits ausreichend Drohnen zur Begattung der neuen Königinnen. An diesen Tagen legt eine begattete Bienenkönigin 1.000 bis 2.000 Eier am Tag. Schnell wird es dann im Stock zu eng und das Bienenvolk beginnt mit der Vorbereitung aufs Schwärmen.

Die Arbeiterinnen legen Weiselzellen an, in die die Königinnen Eier legt. Nach 16 Tagen schlüpfen daraus neue Jungköniginnen. Doch kurz vor dem Schlupf der ersten Jungkönigin, zieht ihre Mutter, die alte Bienenkönigin, mit einem Teil des Bienenvolkes aus und überlässt den Bienenstock ihrer Nachfolgerin. Mit dem Bestreben, eine neue Behausung zu finden, macht sich der Schwarm auf den Weg.

Meist sammelt sich der Bienenschwarm erst einmal an einem Ort, der nicht weit entfernt ist. Nahegelegene Bäume, Sträucher oder auch Laternenmaste und Dachrinnen sind typische Stellen, an denen sich ein Schwarm erst einmal sammelt. Von dort aus ziehen einige Bienen als Spurbienen weiter, um eine passende Nisthöhle zu suchen, in der sich das Volk neu einrichten kann. Haben sie einen solchen Ort gefunden, zieht der gesamte Bienenschwarm samt Königin dort ein. und beginnt die sogleich mit dem Wabenbau.

Wann schwärmen Bienen?

Mai und Juni sind in unseren Breiten die klassischen Monate der Schwarmzeit. Wann ein Bienenschwarm loszieht, hängt unter anderem vom Zustand des Bienenvolkes, dem Wetter und der Tageszeit ab.

Ein Bienenvolk muss vor seiner Teilung groß genug sein, damit sowohl der Schwarm als auch der zurückbleibende Volksteil eine Chance zu Überleben haben. Daher kommt ein Bienenvolk in der Regel erst dann in Schwarmstimmung, wenn ausreichend Bienen, Brut und Vorräte vorhanden sind, und es sein Brutnest nicht weiter ausdehnen kann..Dann legen die Bienen sogenannte Schwarmzellen an, in denen sie neue Königinnen heranziehen.

Einen solchen Zustand erreichen die Bienen nur, wenn es ausreichend Nahrung gibt und die alte Königin gesund und fit ist. Damit die Bienen genügend Pollen und Nektar finden, muss wiederum das Wetter stimmen. Es bedarf der Sonne, Wärme und zwischendurch auch ausreichenden Regens, damit die Pflanzen blühen, aber nicht vertrocknen.

Bis Mai sind die Völker in der Regel deutlich gewachsen, und das Wetter eignet sich dann zum Schwärmen, denn Bienen bleiben bei Regen lieber zu Hause. Die meisten Schwärme verlassen zur warmen Mittagszeit oder am frühen Nachmittag die Nester.

Diese besonderen Arten von Bienenschwärmen gibt es:

Neben den klassischen Bienenschwärmen, die der Vermehrung dienen, verlassen Bienenvölker auch aus anderen Gründen ihre angestammte Behausung:

  • Hungerschwärme: Finden die Bienen zu wenig Futter, und erkennt der Imker die Lage nicht rechtzeitig, können Bienenvölker komplett ausziehen. Sie verlassen den Bienenstock, um sich einen neuen Standort mit besserer Futterversorgung zu suchen. Von Honigbienen außerhalb Europas sind auch Wanderschwärme bekannt, die regelmäßig dem Trachtangebot folgen.
  • Bienenschwärme aufgrund zu hoher Varroabelastung: Steigt die Belastung eines Bienenvolks mit Varroen sehr stark an, kann das für ganze Bienenvölker ein Grund sein, den Bienenstock zu verlassen. Wenn Bienenvölker aufgrund von zu hoher Parasitenbelastung oder auch aufgrund anderer Gefahren ihr Nest verlassen, spricht man auch von „Absconding“.

Was passiert, wenn ein Bienenschwarm auszieht? Wie lange dauert das Schwärmen?

Bienenschwarm und Imker
Wenn das Einfangen eines Bienenschwarms nur immer so einfach und ebenerdig möglich wäre. Foto: M. Roth/Pixabay

Ein Bienenschwarm zieht in Minutenschnelle aus dem Bienenstock aus. Die Bienen stürzen wie ein Wasserfall aus dem Flugloch. Bis sich die Schwarmbienen beispielsweise an einem Ast zu einer Schwarmtraube zusammengezogen haben, kann jedoch manchmal eine Stunde vergehen. Von dort aus starten die sogenannten Spurbienen, um einen neuen geeigneten Unterschlupf zu suchen. Bei schlechten Bedingungen kann es einige Tage dauern, bis die Bienen on eine neue Nisthöhle einziehen.. In der Not bauen sie auch frei im Geäst von Bäumen ein neues Nest. Diese Völker werden den folgenden Winter jedoch nicht überleben.

Ist ein Bienenvolk geschwärmt, muss man damit rechnen, dass ein paar Tage später weitere Schwärme vom Restvolk abgeht. Das trifft vor allem für sehr große Bienenvölker zu, in denen viele Schwarmzellen angelegt wurden. Gehen noch solche sogenannte Nachschwärme ab, bleiben am Ende nur wenige Bienen mit einer neuen Königin übrig. Aus dem kleinen Volk mit der schlüpfenden Brut kann bis zum Winter aber ein starkes Volk entstehen.Die Nachschwärme fallen meist eine Woche nach dem ersten Bienenschwarm an, wenn die Jungkönigin bzw. neue ersten Jungköniginnen schlüpfen.

Warum verhindern Imker Bienenschwärme oder auch nicht?

Dass Bienen schwärmen, gehört zu ihrer Natur. Dennoch versuchen die meisten Imker, einen Schwarm zu vermeiden, denn nicht jeder Bienenschwarm lässt sich wieder einfangen. Schon unter natürlichen Bedingungen geht die Mehrheit der Bienenschwärme ein, doch in der heutigen Umwelt gilt das umso mehr, da passende Nisthöhle fehlen. Zudem bedeutet ein abgeflogener Schwarm einen Verlust an Bienen und Honigertrag. Dazu können Probleme kommen – etwa mit Nachbarn oder anderen Menschen in der Umgebung –, wenn sich Bienenschwärme auf fremden oder öffentlichen Grundstücken niederlassen. Einige Imker versuchen daher bereits frühzeitig, den Schwarmtrieb ihrer Völker zu verringern. Andere lassen ihn hingegen zu und bilden einen künstlichen Schwarm, erst kurz bevor der eigentliche Schwarm abgehen würde.

Wie verhindern Imker, dass Bienen schwärmen?

Mehr zum Thema Bienenschwarm erfahren Sie auch in folgendem Video:

Zur Schwarmverhinderung gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Imker in unterschiedlicher Weise und Intensität nutzen. Das Wichtigste dabei ist, erst gar keine Enge im Bienenstock aufkommen zu lassen, um den Schwarmtrieb zu dämpfen. Konkret bedeutet das, den Bienen immer genug Platz zu geben – entweder im Brutraum oder durch das rechtzeitige Geben von Honigräumen. Außerdem ist es in der Phase, in der sich das Bienenvolk am stärksten vermehrt, wichtig, regelmäßig Kontrollen durchzuführen und gegebenenfalls Schwarmzellen auszubrechen. Wird das Volk schwarmlustig, kann man die Völker schröpfen und mit den entnommenen Waben Ableger erstellen, oder einen Zwischenableger bilden.

Durch die regelmäßigen Kontrollen – meist wöchentlich bzw. alle neun Tage – erkennt ein Imker, ob ein Bienenvolk neue Weiselzellen angelegt hat und sich auf das Schwärmen vorbereitet. Diese Weiselzellenwerden auch Schwarmzellen genannt und sind meist an den Unterkanten der Waben zu finden. Legen die Bienen sie mitten auf der Wabe an, handelt es sich meistens eher um sogenannte Nachschaffungszellen. Diese findet man, wenn das Volk seine Königin verloren hat, oder wenn die Bienen mit der alten Königin nicht mehr zufrieden sind.

Viele Imker brechen entdeckte Schwarmzellen aus, um das Schwärmen zu verhindern. Da dann jedoch meist schon Schwarmstimmung herrscht, muss der Imker das Volk schröpfen oder einen Zwischenableger, beziehungsweise einen Brutling und einen Flugling bilden, um das Schwärmen zu verhindern. Der Brutling erhält alle Brutwaben und wird an einen anderen Ort gestellt. Auf dem alten Platz bleibt eine Beute zurück, deren Brutraum nur mit Mittelwänden bestückt wird. Zusätzlich kommt eine Wabe samt Schwarmzelle dazu. Die Flugbienen des Ursprungsvolks werden hier ein neues Volk aufbauen.

Wie kann man einen Bienenschwarm vorwegnehmen?

Bei einem vorweggenommenen Schwarm teilt man das Bienenvolk erst dann in mehrere Teile auf, wenn schon Schwarmzellen vorhanden sind. Dabei wird die Königin herausgesucht und gekäfigt. Anschließend fegt oder stößt man so viele Bienen von den Waben in einen Schwarmkasten, bis man einen Kunstschwarm von rund 1,5 bis 2 kg Gewicht hat. Dieser erhält die Königin und kommt für 24 Stunden in Kellerhaft.

Danach kann er in eine neue Beute einlaufen. Dann sind ebenso Brut und Flugbienen getrennt und es fliegt kein Schwarm aus. Die Bienen können mit der alten Königin dann dennoch ein neues Volk aufbauen. Aus den Brutwaben entsteht ebenfalls ein neues Bienenvolk, denn Schwarmzellen waren ja vorhanden.

Um Nachschwärme zu verhindern, müssen im Ursprungsvolk noch alle Schwarmzellen bis auf eine ausgebrochen werden, oder das Restvolk muss weiter aufgeteilt werden.

Wem gehört ein Bienenschwarm?

Ein Bienenschwarm gehört grundsätzlich dem Imker, bei dem der Schwarm auszieht. Verfolgt dieser Imker den Schwarm jedoch nicht, sondern lässt ihn ziehen, kann auch ein anderer Imker ihn einfangen und so zum neuen Besitzer werden. Wer einen herrenlosen Bienenschwarm entdeckt und einfängt, handelt damit nicht gegen das geltende Recht.

Wer darf einen Bienenschwarm einfangen?

Prinzipiell darf jeder einen Bienenschwarm einfangen, wenn er ihn entdeckt hat. Dazu dürfen Imker auch fremde Grundstücke betreten –zumindest solange, wie sie dabei rücksichtsvoll handeln und keinen Schaden verursachen. Das sogenannte Schwarmrecht in den §§ 961-964 des BGB regelt die Rechte der Imker, wenn sie einen eigenen oder einen fremden Schwarm einfangen wollen.

Was rechtlich für Imker gilt – beim Schwarmfangen und generell in der Imkerei – haben wir hier zusammengefasst.>>>

Wie fängt man einen Bienenschwarm?

Für das Einfangen eines Bienenschwarms gibt es unterschiedliche Methoden. Oftmals sind Bienenschwärme in Bäumen zu finden und Imker können mit Leitern an sie herankommen, sie mit Wasser einsprühen und dann in einen Schwarmkasten oder einen Eimer stoßen oder fegen.Meist nach 24-stündiger Kellerhaft kann man den Schwarm in eine Beute einlaufen lassen oder einlogieren.

Der Eimer sollte immer mit einem Absperrgitter abgedeckt werden, damit die Königin, wenn man sie gefangen hat, nicht wieder entwischt. Hat man sie im Eimer, kommen die noch herumfliegenden Bienen des Schwarms nach und nach von alleine angeflogen.

Im Imkereifachhandel gibt es zahlreiche Hilfsmittel zum Einfangen von Schwärmen wie Schwarmfangkisten oder Schwarmfangbeutel. Was sich für wen eignet, muss jeder individuell für sich entscheiden.

Nicht vergessen sollte man beim Schwarmfangen immer die eigene Sicherheit – also nicht ungesichert zu hoch hinauf klettern oder gar über wacklige Dächer oder dünne Äste.

jtw/spie

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