Was kostet eine Bienenkönigin?

09. März 2020

Was kostet eine Bienenkönigin und wie wird sie erfolgreich angenommen? Welches Budget Sie für eine Jungkönigin einplanen können, und was Sie beim Zusetzen des neuen Staatsoberhaupts beachten sollten, erfahren Sie hier.

0 Euro für die selbst gezogene Königin

Das Nachziehen aus dem eigenen Bestand kostet nichts. Das geht simpel über einen Brutwabenableger vom besten Volk oder im größeren Stil zum Beispiel nach der Methode „Völkervermehrung in vier Schritten“. Wenn man allerdings nur wenige Völker hält oder die Expertise bei der Beurteilung der Völker fehlt, kann die Nachzuchtwürdigkeit des Muttervolkes gering sein.

Besuchen Sie daher möglichst eine Umlarvveranstaltung Ihres Imkervereins, Kreisimkervereins oder Landesverbandes. Dort bieten versierte Imker und Züchter – in der Regel kostenlos – jüngste Larven aus ihren besten Völkern an. Den Zuchtstoff können Sie gut geschützt, gegebenenfalls in einem mitgebrachten Anbrüter, mitnehmen. Klären Sie unbedingt im Voraus den Ablauf, und achten Sie beim Transport von Brutwaben in Sammelablegern auf ein gültiges Gesundheitszeugnis.

Ausgabe 7/2020

DBJ Juli 2020 Titel

Top-Themen:

  • Fahrradimker
  • Umsatzsteuer für Imker
  • Imkerei in Georgien

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0–10 Euro für die schlupfreife Weiselzelle

Unter Imkern werden schlupfreife Weiselzellen gerne verschenkt, gerade wenn die Nachzucht erfolgreich war und die Zahl der weitergepflegten Larven den eigenen Bedarf übersteigt. Die neue Königin darf beim Zusetzen noch nicht geschlüpft sein, das Zeitfenster ist also klein. Ein Vorteil dieses Verfahrens ist, dass das aufnehmende, weisellose Volk offene Brut haben kann und die Königin trotzdem angenommen wird.

Neben der kostenlosen Abgabe durch befreundete Imker bieten auch ein paar Vermehrer schlupfreife Zellen für wenige Euro zum Kauf an. Aufgrund der Empfindlichkeit der Zellen empfiehlt es sich, diese persönlich und nach ausreichenden Vorkehrungen für den Transport abzuholen.

Was kostet eine Bienenkönigin: 5–20 Euro für eine unbegattete Königin

Unbegattete Königinnen sind deutlich günstiger als begattete Königinnen. Sind viele Altbienen vorhanden und die Völker stark, werden sie jedoch nicht so gut angenommen. Daher empfiehlt es sich, unbegattete Königinnen weisellosen Kunstschwärmen oder Ablegern mit vielen Jungbienen zuzusetzen. Generell sollten Völker, die eine neue Königin aufnehmen, keine offene Brut mehr pflegen. Bei noch offener Brut – zum Beispiel im Ableger – muss man daher nach neun Tagen alle Nachschaffungszellen brechen, bevor man die neue Königin zusetzt. Kennen die Bienen die neue Königin nicht, wird sie gekäfigt und unter Futterteigverschluss zugesetzt.

Bei frisch gebildeten Kunstschwärmen oder Ablegern sollte man damit zwei Stunden warten. Für Kunstschwärme wird zudem eine Nacht in einem kühlen, dunklen Raum empfohlen, bevor der Verschlusskäfig freigegeben wird, damit sich die Bienen erst aneinander gewöhnen.

 auf Landbelegstellen begattete Königin
20–50 Euro für standbegattete und auf Landbelegstellen begattete Königinnen. Foto: Sabine Rübensaat

20–50 Euro für standbegattete und auf Landbelegstellen begattete Königinnen

Bereits begattete Königinnen werden besser angenommen, können schneller mit der Eiablage beginnen und müssen auch nicht mehr auf den risikoreichen Begattungsflug. Bei der Begattung auf Landbelegstellen kommt die tendenziell bessere Qualität der Vatervölker hinzu. Das macht begattete Königinnen wertvoller als unbegattete. Doch offene Brut, unentdeckte Jungköniginnen, Weiselzellen oder drohnenbrütige Arbeiterinnen können auch hier verhindern, dass die Königin akzeptiert wird. Wer sichergehen will, hängt vorher eine Kontrollwabe mit junger, offener Brut ein. Wenn aus dieser nachgeschafft wird, ist meist alles in Ordnung.

Die Wabe wird entfernt und die neue Königin im Ausfresskäfig zugesetzt. Nach etwa sieben bis zehn Tagen kann man kontrollieren, ob die Königin in Eilage gegangen ist. Da die Umweiselung von Wirtschaftsvölkern von April bis August immer mit einem gewissen Risiko verbunden ist, wartet man besser bis September oder Oktober damit. Die Königin kann so lange in einem Ableger „zwischengeparkt“ werden, den man später einfach auf das umzuweiselnde Volk setzt.

Was kostet eine Bienenkönigin: 50 bis über 200 Euro für auf Inselbelegstellen begattete Königinnen

Königinnenkästen
50 bis über 200 Euro für auf Inselbelegstellen begattete Königinnen. Foto: Sebastian Spiewok

Aufgrund der isolierten Lage der Inselbelegstellen kann dort genauer bestimmt werden, welche Völker mit ihren Drohnen zur Begattung der angelieferten Königinnen zum Zug kommen. Imker, die ihre Königinnen in kleinen Begattungskästchen auf Inselbelegstellen verbringen, haben also meist züchterische Absichten. Schon die Kosten, wie Belegstellengebühren und Fahrtkosten, lassen für diese Königinnen Preise unter 50 Euro kaum zu. Buckfastköniginnen sind häufig teurer als Carnicaköniginnen. Wenn leistungsgeprüfte oder gekörte Zuchtköniginnen aus den Vorjahren angeboten werden, sind Preise von mehreren Hundert Euro aber auch bei Carnicaköniginnen nicht unüblich.

Wer solche hochpreisigen Königinnen einweiselt, sollte bereits einige Erfahrungen mit dem Zusetzen von Königinnen haben. Künstlich besamte Königinnen werden oft zu ähnlichen Preisen wie Inselköniginnen angeboten. Doch gibt es bisher in Deutschland vergleichsweise wenige instrumentelle Besamungen.

INFO: Gehört zur gekauften Königin ein Gesundheitszeugnis?

Wer eine Königin von einem Züchter oder Vermehrer kauft, bringt diese gewöhnlich an einen neuen Stand. Beim Verbringen von Bienen innerhalb Deutschlands kommt dann die Bienenseuchenverordnung ins Spiel. Darin wird eine Seuchenfreiheitsbescheinigung aber nur für Bienenvölker samt Bienenwohnung, Waben und Brut gefordert. Allerdings haben einige Bundesländer Verwaltungsvorschriften oder Durchführungsbestimmungen zur Bienenseuchenverordnung erlassen. Solche Vorschriften sind in erster Linie an die Verwaltung gerichtet und haben zunächst keine Außenwirkung. Dennoch ist ihnen Beachtung zu schenken. Besonders die Verwaltungsvorschriften für Nordrhein-Westfalen werden bei der Frage nach dem Gesundheitszeugnis konkret. Hier ist zu lesen, dass sowohl beim Verbringen von Schwärmen – ausgenommen sind sogenannte herrenlose Naturschwärme – als auch beim Versand von Königinnen eine amtstierärztliche Bescheinigung erforderlich ist. In der Regel haben Züchter jedoch auch eine Gesundheitsbescheinigung für ihre Völker, da die Belegstellen diese verlangen. Beim Kauf von Königinnen aus dem Ausland benötigen Sie in jedem Fall eine Bescheinigung. Die Bestimmungen und Formulare hierfür finden Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft unter tinyurl.com/y5fcmbxg.

INFO: Wie komme ich an eine Königin?

Will man eine leistungsgeprüfte oder gekörte Königin von einem Reinzüchter kaufen, sollte man sich mit der Plattform beebreed.eu beschäftigen. Kontakt zu Züchtern, die Bienen nach dem Kriterium „Varroatoleranz“ selektieren, stellt man am besten über die Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht her: toleranzzucht.de . Wer Zuchtköniginnen aus Buckfastlinien sucht, findet auf der Internetseite der Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker gdeb.eu eine Züchterliste. Die meisten Imker werden sich jedoch bereits mit einer diesjährig standbegatteten Nachzucht aus geprüftem Zuchtmaterial zufriedengeben. Die Nachzuchten – häufig als „F1-Königin“ bezeichnet – kann man direkt bei einem anerkannten Züchter oder dem Mitglied einer Züchtergemeinschaft erwerben. Daneben gibt es anerkannte Vermehrungsbetriebe, die ausschließlich Nachzuchten aus gekörten Völkern abgeben. Da für die Anerkennung und die Kontrolle der Züchter und Vermehrer die unterschiedlichen (Landes-) Verbände zuständig sind, findet man auf deren Internetseiten die entsprechenden Kontaktdaten. Zahlreiche Kontaktangaben finden Sie auch im Verbandsteil des dbj. Wenn Sie nicht wissen, von welchem Züchter oder Vermehrer Sie eine Königin kaufen sollen, hören Sie sich in den Imkervereinen der Umgebung um und verlassen Sie sich auf die Mundpropaganda. Kaufen Sie keine Königinnen aus Regionen, in denen die Königinnen eventuell schon früher in die Brut gehen und nicht an das Klima Ihrer Region angepasst sind. Am besten holt man die Königin bei einem Züchter oder Vermehrer aus der Umgebung persönlich ab. Verschickt werden gekäfigte Königinnen mitunter in gelöcherten Polstertaschen und über mehrere Tage. Ein Verlust der Königin durch eine unsachgemäße Behandlung im Versand ist hierbei nicht ungewöhnlich. Einige Anbieter, wie der Vermehrungsbetrieb Bienenland oder die Vermittlungsplattform Hektar Nektar, bieten daher auch einen Expressversand mit spezialisierten Logistikunternehmen an.

Malte Frerick



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