Streit um den Honigpreis in Österreich

01. März 2021

Angesichts eines Streites um Honig mit Futtersirup in einem österreichischen Discounter berichtet Dr. Stefan Mandl, Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes, von seinen Erfahrungen mit einem österreichischen Abfüller. Zwar will er die Begebenheit nicht verallgemeinern, aber er nutzt sie, um einmal einen gerechten Honigpreis einzufordern.

Der Österreichische Erwerbsimkerbund musste Klage gegen einen Discounter einreichen, weil er Honig mit „Wabenstücken mit Futterzucker“ verkaufte und am Regal und auf dem Sichtfeld als „Blütenhonig“ auslobte. Inzwischen haben wir uns in einem guten Gespräch mit dem Discounter gütlich geeinigt.

Höherer Honigpreis: Mehr Imker in Österreich

Ausgabe 10/2021

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Top-Themen:

  • Tierwohl in der Imkerei
  • Melezitosehonig
  • Verdampfer statt Smoker?
  • Vertriebene Honigjäger

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Bei uns in Österreich werden durchschnittlich 1,40 kg Honig pro Einwohner im Jahr gegessen. Bei diesem Jahreskonsum ist es komplett egal, ob das Kilo fünf, 15 oder 30 Euro kostet. Deshalb wird nicht mehr oder weniger Honig gegessen, aber bei einem höheren Preis, wird es mehr Menschen geben, die Honig produzieren.

Österreich ist vom Klima und von den Pflanzen her ein Honigüberschussland. Wir könnten allein aufgrund dieser natürlichen Ressourcen an Pflanzen mehr als zehnmal so viel Honig in Österreich produzieren; nur wieso bekommen die Abfüller nicht genug österreichischen Honig?

Gerechter Honigpreis: Streit mit einem Abfüller

Noch vor einigen Jahren habe ich unseren Bio-Honig in 300kg Fässer an einen Honigabfüller um drei Euro inkl. Umsatzsteuer verkauft, der dann im Supermarktregal für rund 14 Euro angeboten wurde. Auf mein Drängen, dass doch meine Produktionskosten wesentlich höher seien als drei Euro, wurde mir der Rat gegeben, doch mit weniger Kosten mehr zu produzieren: „Die Bienen arbeiten eh gratis“.

So war ich damals gezwungen, selbst abzufüllen und den Honig direkt ins Supermarktregal zu liefern. Als Reaktion darauf, hat der Honigabfüller mich bei der Lebensmittelaufsicht angezeigt, die dann meine ganze Imkerei mit Vehemenz durchsucht hat und erst auf mein erstauntes Fragen, wieso sie denn so penetrant wären, wurde mir die Antwort gegeben: Weil laut Anzeige von jenem Honigabfüllbetrieb bei mir „einiges im Argen läge“. Das „Arge“ war dann ein fehlendes Waschbecken und die Blechfässer, die ich vom anzeigenden Abfüller zur Verfügung bekommen habe.

Dr. Stefan Mandl. Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes.
Dr. Stefan Mandl. Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes. Foto: privat

Solche Geschäftspraktiken sind möglicherweise der Grund, wieso kaum Imker in Österreich an jenen Abfüller liefern. So ist er wiederum gezwungen ist, einen Großteil seines Honigs zu importieren.

Honigpreis in Österreich: Das kostet die Herstellung

Seitdem wir selbst abfüllen, hat unsere Kostenanalyse ergeben, dass 95 Prozent unserer Kosten anfallen, bis der Honig im Fass ist. Nur fünf Prozent der Kosten entfällt auf das Abfüllen und Liefern. Und solange gewisse Abfüllbetriebe diese Kostenwahrheit nicht akzeptieren, werden sie auch kaum österreichischen Honig bekommen. Sie müssen weiter versuchen, die Konsumenten mit ihren Honigetiketten zu überlisten, auf denen eine österreichische Fahne prangt oder „abgefüllt in Österreich“ steht oder „Gebirgshonig“, der aber vom mexikanischen Hochland kommt. Schließlich wollen die Menschen in Österreich heimischen Honig kaufen. Aber keiner von uns muss seinen Honig verschleudern.

Dr. Stefan Mandl

Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes

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