Imker für Imker in Äthiopien: Update aus dem Kriegsgebiet

05. Januar 2022

Im Jahr 2013 gründete das dbj zusammen mit Interessierten den Verein „Imker für Imker in Äthiopien“ mit dem Ziel, junge Äthiopierinnen beim Aufbau ihrer Imkerei zu unterstützen – mit Erfolg. Doch aktuell müssen sich die Frauen vor dem Krieg fürchten.

In Bahir Dar, der sechstgrößten Stadt Äthiopiens, herrscht, wie im gesamten Land, der Ausnahmezustand. Mastewal Adane traut sich nicht mehr, an ihren Bienenstand in der Nähe des alten Kaiserpalastes zu gehen. Der Weg dorthin wird streng überwacht. Wenn die 28-Jährige erwischt wird, so fürchtet sie, droht ihr die Zwangsrekrutierung. Seit am 2. November 2021 die Notstandsregelungen in Kraft getreten sind, kann die neue Kommandozentrale der äthiopischen Streitkräfte Menschen ohne Gerichtsbeschluss verhaften und zum Militärdienst zwingen. Entsprechend gefährlich ist jeder Weg. Dabei müsste Mastewal Adane eigentlich dringend den Honig ihrer Völker ernten.

Ausgabe 2/2022

DBJ Ausgabe 2/2022

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Imker für Imker in Äthiopien: Situation völliger Unsicherheit

Damit, dass sich der Konflikt zwischen der äthiopischen Zentralregierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) auf das Herz des Landes ausweiten würde, hätte vor einem Jahr niemand gerechnet. Die Zentralregierung unter dem äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed startete im November 2020 eine Offensive gegen die TPLF in der Region Tigray im Norden des Landes, um den Zentralstaat zu bewahren. Ahmed wurde 2018 zum Ministerpräsidenten gewählt, nachdem die TPLF zuvor 27 Jahre lang die Regierung gestellt hatte.

Die Tigray sind mit sechs Prozent Bevölkerungsanteil eine von 80 Volksgruppen in Äthiopien. Nach Abiy Ahmeds Regierungsantritt kam es in Tigray zu Demonstrationen und Ausschreitungen. Der Ministerpräsident, dem 2019 der Friedensnobelpreis verliehen worden war, reagierte mit einem Militäreinsatz. Seither reißen die Konflikte nicht mehr ab, das Land geriet in einen Bürgerkrieg.

Imker für Imker in Äthiopien: Eine Imkerin meldet sich per Mail

Die Volksbefreiungsfront befindet sich aktuell auf dem Vormarsch. Bei einer Gegenoffensive drangen die Rebellen weiter südlich zu den Regionen Afar und Amhara vor. Bahir Dar, Adenas Heimat, ist die Hauptstadt von Amhara. „Wir haben Angst, dass wir im Krieg ums Leben kommen werden“, schreibt die Imkerin in einer Mail an den Verein „Imker für Imker in Äthiopien“.

Momentan befinde sie sich in einer Situation völliger Unsicherheit. Dabei lief ihr Geschäft gerade gut: Von ihren 45 Völkern erntete sie im vergangenen Jahr 330 Kilogramm Honig; für die nun anstehende Ernte im November rechnete sie mit einem Ertrag von 250 Kilogramm. Neben dem Honigverkauf bekommt sie Einnahmen aus Schulungen, die sie anbietet. Sie arbeitet so erfolgreich, dass sie bald aus dem Förderprogramm des Vereins ausscheiden soll. Die frei gewordenen Mittel könnten dann neu verteilt werden.

Wie geht es dem Rest der Imkerinnen, die vom Verein unterstützt werden, im Krieg? Abebech Mideksa, Obse Misganu, Fatuma Yesuf, Ebse Hika, Elsa Tassie und Mulu Soboka haben in kurzen Mails auf diese Frage geantwortet. Alle stimmen in zwei Dingen überein. Es sei aufgrund der Inflation schwierig, überhaupt die Waren des täglichen Bedarfs zu bezahlen. Daneben stelle der Krieg eine enorme psychische Belastung dar.

Imker für Imker in Äthiopien: Kriegsgebiet rückt näher

Keine der vom Verein „Imker für Imker in Äthiopien“ betreuten Imkerinnen wohnt direkt im Kriegsgebiet. Das kann sich aber schnell ändern. Die TPLF steht nach eigenen Angaben 350 Kilometer vor Addis Abeba und hat angekündigt, die dort sitzende Regierung zu stürzen. Landesweite Unterstützung erhalten die Rebellen von neun weiteren Gruppen, mit denen sie seit Kurzem eine Allianz bilden. Es ist nicht bekannt, welche Regionen zum nächsten Kriegsschauplatz werden. Die Bevölkerung schwebt in ständiger Gefahr.

Elisabeth („Elsa“) Engida Tassie, die im Jahr 2014 zur Initiative kam, berichtet davon, dass sie nicht mehr zu den Bauern fahren kann, um Honig zuzukaufen. Zusammen mit Sisey Abera verarbeitet und verkauft sie ihn sonst unter der Marke „Kabe Pure Honey“. Diese Einnahmequelle bricht nun weg. Auf der anderen Seite haben sich die beiden Frauen zwei neue Geschäftsfelder erschlossen.

Das Team stellt aus eigenem Wachs, aber hauptsächlich aus dem günstig zugekauften Paraffin, bunte Kerzen her. Erst in diesem Jahr haben Abera und Tassie ihr Sortiment an Gießformen erweitert. Zudem geben sie Schulungen für angehende Imkerinnen und Imker.

Imkerinnen der Partnerinitiative betroffen

Anders als die Imkerinnen von „Imker für Imker in Äthiopien“ sind einige Bienenhalterinnen aus der Partnerinitiative „Förderverein der Altfredeburger“ direkt vom Krieg betroffen. In Wukro in der Region Tigray, an der Verbindungsstraße nach Eritrea, wohnen acht Imkerinnen, die noch nicht lange am Projekt „Bienenladies in Äthiopien“ teilnehmen. Bis zum November 2020 betreuten sie zusammen 18 Bienenvölker. Im selben Jahr entstand in Zusammenarbeit mit dem Altfredeburger Verein ein Wasserrückhaltebecken.

Als der Verein im Februar 2021 das letzte Mal Kontakt in die Region hatte, lebten noch alle Frauen, doch sie waren bereits vom Krieg gezeichnet. Viele hatten Familienmitglieder verloren, alle Bienenvölker waren verendet. Die Frauen hofften auf ein schnelles Ende des Krieges, denn sie wollten mit der Imkerei weitermachen.

Über die Gräueltaten des Krieges – Vergewaltigungen, Hunger – sprachen sie nicht. Immer wieder versucht die gemeinsame Geschäftsstelle von „Imker für Imker in Äthiopien“ und der Partnerinitiative, die Imkerinnen telefonisch oder per Mail zu erreichen. Bisher blieb jeder Versuch vergeblich.

Über Jahre hinweg hat der Verein „Imker für Imker in Äthiopien“ die Ideen und die Ausbildung vieler Frauen unterstützt. Nun stürzt der Krieg die Imkerinnen ins Ungewisse. Die Sehnsucht nach Frieden ist groß.

Magdalena Arnold

Wie können Sie helfen?

Spenden Sie: Der Verein ist für jede Spende dankbar. Das Geld wird immer imkereibezogen ausgegeben, zum Beispiel für neue Beuten, Maschinen zur Honigernte und zusätzliche Ausbildungen der Imkerinnen. Ihre Geldspenden überweisen Sie bitte an: Imker für Imker in Äthiopien e. V., IBAN DE37 1005 0000 0190 9174 07, Berliner Sparkasse. Für Spenden ab 200 Euro erhalten Sie eine Spendenquittung.

„Imker für Imker in Äthiopien“ ist auch bei Amazon Smile gelistet. Das heißt: Bei jedem Amazon-Kauf spendet der Online-Versandhändler 0,5 Prozent des Kaufpreises an den Verein, ohne dass für Sie zusätzliche Kosten entstehen.

So geht’s: Loggen Sie sich bei smile.amazon.de mit Ihren Zugangsdaten für Ihr Amazon-Konto ein, oder registrieren Sie sich neu. In die Suchleiste geben Sie „Imker für Imker in Äthiopien“ ein und klicken auf „Auswählen“. Fertig!

Treten Sie bei: Aktuell besteht der Verein aus etwa 70 Mitgliedern. Die Beitrittserklärung können Sie auf der Website imker-fuer-imker.de herunterladen. Der Jahresbeitrag beträgt 40 Euro (ermäßigt 20 Euro).

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