Imker Ausbildung: Der offizielle Weg

15. April 2020

In Deutschland gibt es zwar mehr Freizeit- als Berufsimker, dennoch ist auch die duale Berufsausbildung im Beruf Tierwirt, Fachrichtung Imkerei, gefragt. Doch wie läuft die Imker Ausbildung ab? Wer kann sie absolvieren, wo und welche Chancen bietet sie?

„Der Umgang mit Honigbienen/-völkern bedeutet vor allem: Arbeiten im Einklang mit der Natur“, so lautet ein Satz in der aktuellen Stellenausschreibung für einen Imker-Azubi des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Mayen. Und weiter: „Das Arbeiten mit Bienenvölkern erfordert gute körperliche Verfassung, handwerkliches Geschick, Mobilität und Flexibilität.“ Dabei sind ein paar Gründe genannt, die junge Menschen dazu motivieren können, den regulären Beruf des Imkers zu erlernen und die Imkerei nicht nur als Hobby zu betreiben. Zwar gibt es in Deutschland insgesamt mehr Imker, die in der Bienenhaltung eine Freizeitbeschäftigung sehen oder einen Nebenerwerb, dennoch ist die Ausbildung gefragt. Eine Berufsausbildung ist hierzulande allerdings nicht verpflichtend, um als Imker zu arbeiten.

Warum absolvieren Imker eine offizielle Ausbildung?

Nach Angaben des LAVES – Instituts für Bienenkunde in Celle, der bundesweit zuständigen Stelle für den Berufsschulunterricht in der Imkerausbildung, gibt es dafür derzeit in Deutschland 65 Ausbildungsbetriebe – davon sind 53 privatwirtschaftende Betriebe und zwölf staatliche Institutionen wie etwa die Bieneninstitute der Länder. Und diese zeigen auch die Gründe und Chancen auf, warum sich Menschen dafür entscheiden, die Imkerei in Form einer offiziellen dualen Ausbildung zu erlernen.

Ausgabe 12/2020

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Prof. Dr. Werner von der Ohe, der Leiter des Bieneninstituts in Celle, fasst als Gründe zusammen: „Betriebsgründung, Betriebsweiterführung des elterlichen Betriebes, Anstellung in einer Institution“.

Wie läuft die Imker Ausbildung ab?

Die Grundvoraussetzung für die Imker Ausbildung ist laut Berufsbildungsgesetz der Hauptschulabschluss. Zudem nennt das LAVES – Institut für Bienenkunde „Interesse für biologische Vorgänge und Freude am Umgang mit Tieren“ und „handwerkliches Geschick und ein normales Maß an Körperkraft“ als wichtige Bedingungen, wenn man den Beruf erlernen möchte.

Wer eine Imker Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsbetrieb absolviert, wird Tierwirt, Fachrichtung Imkerei. Die klassischeAusbildung dauert drei Jahre. Sie gliedert sich im dualen System in die imkerliche Praxis in einem Betrieb mit allen dazugehörigen Aufgaben und den Berufsschulunterricht. Die beiden Teile werden aufgrund der anfallenden Arbeiten jahreszeitlich so getrennt, dass der Unterricht nur im ersten Lehrjahr an zwei Tagen in der Woche stattfindet. Hierfür sind die – meist landwirtschaftlich orientierten – Berufsschulen am Ort des Ausbildungsbetriebs zuständig.

Im zweiten und dritten Lehrjahr findet dagegen jeweils ein Blockunterricht in Celle statt. Das Bieneninstitut zusammen mit der Albrecht-Thaer-Schule Celle organisiert diesen für alle Azubis bundesweit jedes Jahr von Januar bis März – also bevor die Bienensaison in den Betrieben startet. Dieser Berufsschulunterricht wird als ganztägig laufender Lehrgang über zehn Wochen abgehalten. Zu den Unterrichtsinhalten gehören neben Bienenbiologie und der Lehre über Bienenkrankheiten und Bienenprodukte auch Themen der Betriebsorganisation, Rechtsgrundlagen, BWL/VWL, Politik und Deutsch.

Imker Ausbildung ohne Berufsschule und Ausbildungsbetrieb: Wie geht das?

Eine Abschlussprüfung legen jedes Jahr zwischen 20 und 25 Absolventen ab, berichtet Prof. Dr. Werner von der Ohe. Ein kleinerer Teil davon ist dabei dann allerdings nicht den klassischen Weg der dreijährigen dualen Berufsausbildung gegangen, sondern konnte die Ausbildung zum Imker entweder auf zwei Jahre verkürzen. Dies ist möglich, wenn die Azubis durch entsprechende Vorbildung – etwa Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Beruf, der dem Tierwirt sehr ähnlich ist – bereits berufliche Kenntnisse erworben haben, die angerechnet werden. Hier entscheiden die Bildungsinstitutionen im Einzelfall.

Die zweite Möglichkeit abseits der dualen Ausbildung zum Imker ist der Weg des Seiteneinsteigers. Als Zulassungsbedingungen nennt das Bieneninstitut in Celle mindestens 4,5 Jahre praktische Imkertätigkeit im Neben- oder Zuerwerb. Davon muss die Imkerin oder der Imker die letzten zwei Jahre mit mindestens 50 Bienenvölkern pro Jahr und die 2,5 Jahre davor mit mindestens 25 Bienenvölkern pro Jahr geimkert haben. „Angaben zur imkerlichen Tätigkeit sowie der Anzahl gehaltener Bienenvölker können zum Beispiel durch den Imkerverein attestiert werden“, heißt es in den Vorgaben.

Auch als Seiteneinsteiger über den sogenannten zweiten Bildungsweg (BBiG §45/2) kann man die Gesellenprüfung zum Imker in Celle ablegen. Als Vorbereitung zur Abschlussprüfung empfiehlt das Bieneninstitut dann allerdings auf jeden Fall:

  • die Teilnahme an Seminaren, Fachkursen, Vortragsveranstaltungen, die von regionalen und örtlichen Imkerverbänden organisiert werden,
  • Kontakt zu professionellen Imkern und
  • das Studium der Fachliteratur.

Ausbildung als Imkermeister: Was steckt dahinter?

Um sich nach bestandener Berufsausbildung noch weiterzubilden und vor allem, wenn sie einen Imkereibetrieb gründen oder übernehmen möchte, ergänzen viele Imker ihren Bildungsweg noch mit der Meisterausbildung und -prüfung. Sie werden „Tierwirtschaftsmeister, Fachrichtung Imkerei“. Diese richtet sich stark auf die Themen Betriebs- und Unternehmensführung und zielt auch darauf ab, dass der spätere Meister in seiner Imkerei selbst ausbilden darf.

Zulassungsvoraussetzungen für den Erwerb des Meistertitels sind:

  • eine erfolgreiche Abschlussprüfung zum Tierwirt und eine mindestens zweijährige Berufspraxis,
  • ein erfolgreicher Abschluss in einem anderen, anerkannten landwirtschaftlichen Beruf und eine mindestens dreijährige Berufspraxis oder
  • eine mindestens fünfjährige Berufspraxis; diese Berufspraxis ist definiert über das Führen von jährlich mindestens 100 Bienenvölkern in den vergangenen fünf Jahren vor der Anmeldung.

Die Meisterprüfung umfasst ein Jahr der Weiterbildung und danach eine schriftliche und eine praktische Prüfung. Nach Angaben des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds (DBIB) werden Meisterprüfungen aktuell nicht in jedem Bundesland durchgeführt. Termine gibt es im Wechsel in Veitshöchheim (Bayern), Mayen (Rheinland-Pfalz), Stuttgart-Hohenheim (Baden-Württemberg) und in Celle (Niedersachsen). Für Abschluss- und Meisterprüfungen gelte gleichermaßen: Die Zulassung erfolgt in dem Bundesland, in dem der Prüfungsbewerber wohnt. Auskunft erteilen die jeweiligen Landwirtschaftsministerien beziehungsweise Landwirtschaftskammern, aber auch die Bieneninstitute.

jtw

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